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Dienstag
06. Juli 2010
16:55

Projekte für die Welt von morgen. "Green - WiFi: ein stabiler solarbetriebener mobiler Internetzugang für Entwicklungsländer". Gestaltung: Petra Herczeg

Internet Access als Menschenrecht

Stefan Seydel, Gründer der schweizerischen Initiative rebell.tv ag und Juror beim Prix ars electronica in der Kategorie "the next idea" brachte es auf den Punkt, als er das Projekt Green Wifi lobte: "Internet access ist ein Menschenrecht", schließlich ist der Zugang zur Information eine Bedingung für ein Selbst-Empowerment in benachteiligten Situationen.

Und das was in den Industrieländern inzwischen zu einer Alltäglichkeit geworden ist, ist für den Großteil der so genannten Entwicklungsländer der pure Luxus: der Zugang und die Nutzung von Internet. Deshalb wurde in der Kategorie "the next idea"das Projekt "Intelligent Solar Powered 3G-WiFi Broadband Access" mit einer Anerkennung ausgezeichnet.

Der Energie- und Telekomspezialist Bruce Baikie, Vizepräsident bei der Organisation Engineers without Borders, versucht mit seinen Projekten den Digital Divide zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern zu verringern.

Pläne, dass bis zum Jahr 2015 die Hälfte der Menschheit Online sein soll, gibt es viele, Bruce Baikie versucht mit einem autonomen solar betriebenen Breitband Zugang für die Länder, die keine regelmäßige Strom- und Telekomversorgung haben, ein Alternativmodell zu entwickeln.

Green WiFi Project und "One Laptop per Child"

Das Green WiFi- Project ist in einem engen Zusammenhang mit der weltweiten OLPC- Initiative zu sehen: Ein Laptop für jedes Kind, die von Nicholas Negroponte gegründete Initiative ist in vielen Ländern aktiv, aber eines der Probleme dabei ist, dass ohne Internetanschluss die weltweiten Informations- und Bildungsmöglichkeiten nicht genützt werden können.

Besonders für ländliche Schulen in Entwicklungsländern möchte Bruce Baikie Internetverbindungen herstellen. Den einzige Weg um dies zu erreichen, sei die Herstellung von solarbetriebenen Geräten.

Die Geräte sollten möglichst stabil, klein und billig sein. Die Komponenten der Geräte – sowohl die Solarpanele als auch die Akkus sind gewöhnliche Handelsware, nur die Ladungskontrolle wurde speziell konstruiert, um unter den klimatisch schwierigen Bedingungen zu funktionieren.

Überbrückung von Distanzen

Aber es geht nicht nur um die Verbindung mit der ganzen Welt, wenn von Internet für Entwicklungsländer die Rede ist. Selbst relativ kleine Entfernungen können informationsmäßig oft nicht überbrückt werden. Bruce Baikie erzählt ein selbsterlebtes Beispiel aus dem Südsenegal:
"Die Menschen in einem Dorf haben vor allem Weizen angebaut, dann den Weizen an das nächste Dorf verkauft, wo er gemahlen wurde, das Mehl wurde wieder an das nächste Dorf verkauft, wo Brot gebacken wurde. Aber wenn das Brot in das erste Dorf zurückkam, war es so teuer, dass es sich die Menschen nicht leisten konnten. Mit dem OLPC-Laptop und Green WiFi haben Schüler im Netz Anleitungen gefunden, wie sie selbst mit lokalen Materialien die ganze Erzeugungskette aufbauen konnten. Durch die Informationen aus dem Netz, die sie vorher nicht hatten, konnten dann das Brot gleich im Dorf erzeugt werden."

Das Problem der Sprache bleibt bestehen: in den lokalen Sprachen finden sich oft wenige Informationen im Netz, viel mehr Information steht jenen offen, die die teilweise übernommenen Sprachen der ehemaligen Kolonialherren – vor allem Englisch oder Französisch sprechen können, das Problem, dass viel wichtige Literatur nur in den Kolonialsprachen erscheint, und deren Kenntnis zum Überwinden von Bildungsbarrieren unumgänglich ist, bleibt auch in Zeiten des Internets bestehen.

Gestaltung: Petra Herczeg · zur Sendereihe

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