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Kultur
Kabarett

Contra - Kabarett und Kleinkunst

Sonntag
18. Juli 2010
22:05

Sommerreprise: "Schweinsbraten und Weltuntergang" - Das Wissenschafts-Kabarett der "Science-Busters". Gestaltung: Doris Glaser

Kann man mit dunkler Energie Eier kochen? Wie klingt es, wenn schwarze Löcher rülpsen? Und kann ich mein altes Badewasser Gästen als Aperitif anbieten? Wenn sie sich solche Fragen auch schon immer gestellt haben, dann können ihnen die Science Busters sicher weiterhelfen.

Meister des Edutainments

Die "Science Busters" betreiben eine sehr österreichische Spielart des Edutainments, also des Versuchs, wissenschaftliche Inhalte amüsant und bekömmlich zu verpacken. Die Science Busters – das sind Heinz Oberhummer, emeritierter Professor für theoretische Physik an der TU Wien, der Experimentalphysiker Werner Gruber von der Uni Wien und der Kabarettist und Studienabbrecher Martin Puntigam.

Zu dritt erklären sie vor chronisch ausverkauftem Haus im Wiener Rabenhof Theater die Welt und ihr Drumherum. Wobei Puntigam als MC, als Zeremonienmeister, fungiert, der zunächst einmal die Herren der Wissenschaft vorstellt. Werner Gruber, so erfährt man da, ist Neurophysiker.

Die Arbeit eines Neurophysikers

Wer hat schon ein depressives Computerprogramm?

Physik ist sexy

Während die beiden Physiker in Anzug und Krawatte auf der Bühne stehen, hat sich Martin Puntigam als Moderator auf seine Art herausgeputzt. Er trägt eine schlabbrige Trainingshose, die er sich immer wieder lässig über den Bauch zieht, dazu ein hautenges T-Shirt, wahlweise in Pink oder Signalgelb, unter dem sich deutlich Plastik-Nippel abzeichnen, die er sich – so Puntigam – appliziert, um zu unterstreichen, wie sexy Physik sein kann.

Schon als Bub habe er sich für die Sterne interessiert, gesteht der Astrophysiker Heinz Oberhummer, Sohn des gleichnamigen Oberlehrers aus Obertauern. In ihren Shows beschäftigen sich die Science Busters aber nicht nur mit Themen der Astro- und Bio-Physik. Da werden Helden wie James Bond oder Harry Potter entzaubert, die Eier des Osterhasen gezählt, Außerirdische erwartet, Blutwunder und exorzistische Rituale auf der Bühne vorgeführt. Zu den beeindruckendsten Demonstrationen zählt sicher ein Live-Indoor-Raketenstart und die Entschärfung einer thermonuklearen Kofferbombe.

Hoher Spaßfaktor

Die furchtlosen Wissenschaftler schrecken eben vor nichts zurück. Und geben wichtige Tipps. So empfiehlt es sich, am besten selbst eine Bombe mit ins Flugzeug zu schmuggeln, denn die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Bomben an Bord sind, sei doch relativ gering. Die Unterhaltung steht stets im Vordergrund, auch wenn die Themen oft gar nicht zum Lachen sind. In ihrem Programm "Don't surf a Tsunami – was wir uns vom Weltuntergang erwarten dürfen und ab wann" beschäftigen sich die Science Busters mit der Angst vor Terroranschlägen, Naturkatastrophen und Seuchen.

Das Erfolgsrezept der Science Busters lautet: relativ geringer Aufwand, hoher Spaßfaktor, dazu noch drei Leinwände, die Art-Director Christian Gallei mit Filmausschnitten, Grafiken und Computer-Animationen bespielt. Und das Ergebnis: enorme Resonanz und Akzeptanz beim Publikum. Da schlägt der Science Buster Puntigam auch den gleichnamigen Kabarettisten, dessen Solo-Programme schon ob ihrer dramaturgischen Drastik nicht so leicht zu verdauen sind.

Der richtige Schweinsbraten

Dass das Publikum in Scharen in die Shows der Science Busters strömt, hat aber vielleicht auch mit einem simplen Trick zu tun: Die drei locken ihre Zuschauerschaft nämlich mit Futter an. Da werden etwa in der Pause Maden gereicht, die angeblich antibiotische Wirkung haben, oder Grapefruitscheiben, die mit so viel Salz bestreut sind, dass sie auf einmal süß schmecken.

Manche Abende sind auch zur Gänze dem Spezialgebiet von Werner Gruber gewidmet: der kulinarischen Physik. "Jedesmal Kochen: ein Experiment. Jedesmal Essen: eine Messung", sagt Gruber, der nicht nur im Bereich der Physik ein Schwergewicht ist. Für das Publikum wird live auf der Bühne ein Schweinsbraten zubereitet. Genüsslich massiert Gruber Salz, Knoblauch, Kümmel und Koriander ins Fleisch ein, nennt es zärtlich "Schatzi", ehe es mit reichlich Butter beschmiert in den Ofen geschoben wird.

Einige Tricks werden dabei natürlich auch verraten, zum Beispiel wie es gelingt, dass die Schwarte wirklich knusprig wird: Man muss den Braten die erste Stunde mit der Schwarte nach unten ins Rohr stellen.

Gestaltung: Doris Glaser · zur Sendereihe

Service

Werner Gruber, "Die Genussformel", Ecowin Verlag

Heinz Oberhummer, "Kann das alles Zufall sein? Geheimnisvolles Universum", Ecowin

Die Science Busters sind ab 25. September 2010 wieder im Rabenhof Theater zu sehen,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (20 Prozent)

Science Busters
Rabenhof Theater

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