Standort: oe1.ORF.at

Musik
Gustav Mahler

Der Klangverführer

Sonntag
08. August 2010
19:30

Eine Sendung zum Gustav-Mahler-Jahr (2). Gestaltung: Otto Brusatti

Ö1 gestaltet sein besonderes Mahler-Jahr (vom 150. Geburtstag im Juli 2010 bis zum 100. Todestag im Mai 2011, in 12 Sendungen, jeweils monatlich mit einem der Riesenwerke im Zentrum).

Lieder eines fahrenden Gesellen

Im August ziehen wir mit einem "fahrenden Gesellen" hinaus in die Natur. Der gleichnamige Liederzyklus und die auf diesem basierende Erste Symphonie sind das Thema.

Mahler komponierte seinen ersten großen Zyklus während seiner Kapellmeister-Jahre in Kassel, Prag, Leipzig (1884-1888). Zunächst waren es sechs oder sieben Klavierlieder. Übrig blieben dann vier, die auch instrumentiert worden sind. Mahler verfasste - im Stil der von ihm ja auch weitläufig vertonten Gedichte aus der Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" - die Texte selbst.

Wie bei fast allen seinen Kompositionen gibt es ebenfalls dafür einen recht realen Hintergrund, einen biographischen noch dazu. Mahler hatte sich - unglücklich - in Kassel in eine Sängerin namens Johanna Richter verliebt. Die schmerzvollen Texte und die zumeist weiche, klagende Musik der "Lieder eines fahrenden Gesellen" sind, ebenfalls, ein psychischer Aufarbeitungsprozess.

Selbstbedienung in vier Sätzen

Aber er arbeitete so wie bei allen Symphonien (besonders die ersten vier); Mahler "beutete" sich selbst aus. Er verwendete Themen, Duktus, Material aus diesen Gesellenliedern (ebenso wie später aus seinen Wunderhorn-Zyklen) als Bausteine. Die Erste besteht überhaupt in wesentlichen Teilen aus dem Lied-Material.

In vier Sätzen (ursprünglich gab es noch einen, "Blumine" genannt) wird ein großer Bilderbogen vorgeführt: Die Natur erwacht und man marschiert in die freie Welt hinaus / ein Scherzo rauscht vorüber (angeblich wie "ein Schiff in geblähten Segeln") / ein seltsamer Trauermarsch (mit vielen Anspielungen auf die verzweifelten Passagen in den Gesellen-Liedern) folgt, einer, wo das Kinderlied "Bruder Jacob" das Thema liefert und der von einem Kinderbuch-Tierbild "Des Jägers Leichenbegängnis" inspiriert sein soll / und schließlich ein riesiges Finale mit Zitaten, hypertrophen Klangausbrüchen und hymnischem Schluss (die 1. Symphonie heißt auch "Der Titan", allein, das bezieht sich gar nicht auf so eine Musik, sondern ist als Anspielung auf Jean Pauls gleichnamigen Roman gemeint.)

Verständnis durch Texte

Und doch - erst eine nachvollziehende Lektüre der Gesellenlieder-Texte (der Vorlagen für die Symphonie) lässt die Musik ganz verstehen. Da rennt zunächst einer weg, weil sein "Schatz Hochzeit macht" - ohne ihn / er "ging dann heut' morgen über's Feld" und unterhält sich mit den Vögeln und weiß doch nicht ein und aus vor Liebeskummer / dann erzählt er, er habe "ein glühend Messer in meiner Brust", der Seelenschmerz hört nicht auf / und er denkt immer nur an "die zwei blauen Augen von meinem Schatz" und will im Grunde sterben.

Mahlers Erste, die Wiener Philharmoniker unter Leonard Bernstein; die "Lieder eines fahrenden Gesellen" in unterschiedlichen Versionen mit Stars des Mahler-Gesanges seit 30 Jahren. Otto Brusatti moderiert alles und liest vor.

Gestaltung: Otto Brusatti · zur Sendereihe

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 31

Mehr dazu auf oe1.orf.at

Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick