Sonntag
05. September 2010
12:05
Zu Gast ist Michael Degen. Er spielt in Thomas Bernhards Stück "Heldenplatz" den Professor Robert Schuster im Theater in der Josefstadt.
Heldenplatz
Zu Gast im Künstlerzimmer ist der Schauspieler Michael Degen. Er spielt in Thomas Bernhards Stück "Heldenplatz" den Professor Robert Schuster im Theater in der Josefstadt. (Regie Philip Tiedemann, Premiere 9.9.2010). Degen spricht über die Aktualität des Stückes, das vor 22 Jahren bei seiner Uraufführung an der Burg einen Skandal auslöste, über die Arbeit an seiner Biografie und seinen eigenen jüdischen Hintergrund, sein Zusammentreffen mit Thomas Bernhard und die Begegnungen mit zahlreichen Regisseuren wie George Tabori, Ingmar Bergman und Rudolf Noelte.
Michael Degen, deutscher Schauspieler mit jüdischen Wurzeln, ist in Film, Fernsehen und am Theater präsent. Für seine Darstellung des Professor Bernardi am Theater in der Josefstadt erhielt er die Josef-Kainz-Medaille. Ab 9. September 2010 wird Degen nun wieder auf der Bühne der Josefstadt stehen und zwar in Thomas Bernhards 22 Jahre alten Stück "Heldenplatz" in der Rolle des Professor Robert Schuster.
Josefstadt-Direktor Föttinger hatte gemeint, "Heldenplatz" müsse wieder gespielt werden, erzählt Degen. Er - als Deutscher - sieht die Situation in Österreich allerdings nicht ganz so schlimm. Hier werde zwar rechtsradikal, sogar nazistisch gesprochen, aber in Deutschland sei die Gewaltbereitschaft bedeutend größer.
Bei seiner Uraufführung war "Heldenplatz" bereits ein brisantes Stück, im Lauf der Zeit wurde es sogar zu dem Skandalstück in der österreichischen Theatergeschichte. Von dem damaligen Skandal hat Degen natürlich auch in Deutschland einiges mitbekommen: "Ich glaube, er (Thomas Bernhard, Anm.) lässt die genialste Schimpfkanonade los, die je ein Autor losgelassen hat", so Degen. Diese Musikalität erinnere schon beinahe an eine Komposition. Es sei nicht Bernhards bestes, aber das Stück, "das am meisten zündet".
Für die Aufführung an der Josefstadt wurde "Heldenplatz" zwar gekürzt, aber nicht verändert, denn es gäbe im Moment keinen aktuelleren Text, meint Degen und verweist auf H. C. Straches Plakat. "Eine bessere Plattform können wir gar nicht finden - wenn es nicht so traurig wäre, dass sich relativ junge Leute so etwas schon wieder erlauben. Das ist ganz furchtbar." Die Zustimmung zu diesen Parteien werde immer größer, stellt Degen fest, "vor allem, weil sie sich so gut tarnen." In Deutschland sage der Parteiname NPD, also Nationale Partei Deutschlands, schon alles, in Österreich verstecke sich der Rechtsradikalismus noch. Insofern meint Degen: "Ich bin fast überzeugt, dass wir hier einen Klassiker spielen."
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