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Gesellschaft

Menschenbilder *

Sonntag
05. September 2010
14:03

"Auf dem Mönchsberg" - Hans Widrich. Gestaltung: Heinz Janisch

Als der Schriftsteller Peter Handke in den Jahren von 1979 bis 1987 mit seiner Tochter Amina in Salzburg auf dem Mönchsberg lebte, wohnte er bei seinem einstigen Internatskollegen Hans Widrich.

Er schenkte dem Freund jede Menge "Abfallprodukte" seiner Dichtung, aber auch Persönliches. Wanderschuhe, Fotografien, Briefe oder Notizhefte - Hans Widrich konnte im Verlauf der Jahre ein vielbeachtetes privates Handke-Archiv aufbauen, Exponate daraus waren erst kürzlich in mehreren Ausstellungen zum Leben und Werk von Peter Handke zu sehen.

Hans Widrich - er war viele Jahre Pressesprecher der Salzburger Festspiele - gilt auch als großer Kunstkenner und -sammler. Mit Künstlerinnen und Künstlern wie Linde Prelog, Hubert Schmalix, Wolfgang Hollegha, Peter Pongratz und vielen anderen ist er seit vielen Jahren befreundet.

Ein "Menschenbild" über die Liebe zur Literatur und zur Kunst.

"... anngebrannt am Sounsovielten, an dem und dem Ort."

Hans Widrich über Wanderkarten und andere Artefakte seiner umfassenden Handke-Sammlung

Ein inspirierender Ort

Acht Jahre lang war Peter Handke Gast im Haus von Hans und Gerheid Widrich, das als „Kuppelwieserschlössl“ bekannt ist, war es doch 1912 vom österreichischen Industriellen Franz Kuppelwieser gekauft und adaptiert worden.

Hier entstanden seine Erzählungen "Die Wiederholung", "Nachmittag eines Schriftstellers", "Der Chinese des Schmerzes" und "Die Abwesenheit", aber auch das "Gedicht an die Dauer" sowie zahlreiche Übersetzungen aus dem Slowenischen, Altgriechischen, Amerikanischen und Französischen.

Der Arbeitsraum des Schriftsteller, sein "Haus im Haus“, war im ersten Stock. (...) Der Schriftsteller stand im Licht, das ihm allmählich die Sinne wieder gab, und es zog ihn hinaus ins Freie. An jedem Tag bisher, da er erst mit der Dunkelheit aus dem Haus getreten war, hatte er ein Versäumnis empfunden. Eigenartig, dass gerade jemand mit seinem Beruf sich seit jeher im Freien am meisten am Platz gefühlt hatte. (Peter Handke, "Nachmittag eines Schriftstellers")

Nachbarschaft zweier Familien

Peter Handke mit seiner Tochter Amina, und Hans und Gerheid Widrich mit ihren drei Kindern Theresa, Mechthild und Virgil lebten acht Jahre Tür an Tür im großen Haus, das einst der Großvater von Gerheid Widrich, eine geborene Kuppelwieser, erstanden hatte.

Eine unkomplizierte freundschaftliche Nachbarschaft habe sich damals zwischen beiden Familien entwickelt, sagt Hans Widrich. Der Garten und der Gartenweg vor dem alten Haus mit dem steinernen Turm und dem "Felsfenster" werden in einigen Texten von Peter Handke thematisiert.

Am 18.September 1987 ließ Hans Widrich eine kleine Tafel an der Mauer im Garten anbringen: "Peter-Handke-Weg" steht nun dort zu lesen, wo der Schriftsteller viele Stunden auf- und ab gehend zubrachte.

1987, nach seinem Weggang von Salzburg, war Handke lange auf Weltreise, ein Unterwegssein, das im Journal "Gestern unterwegs. Aufzeichnungen November 1987 bis Juli 1990" oder im Band "Mein Jahr in der Niemandsbucht" dokumentiert ist.

Erste publizistische Erfahrungen

Hans Widrich, geboren am 3. Februar 1936, stammt wie Peter Handke aus der Marktgemeinde Griffen in Kärnten. Geboren wurde er im Ortsteil Haberberg. Er wird ins Bischöfliche Knabenseminar Marianum in Tanzenberg geschickt, so wie auch der junge Peter Handke. 1948 kommt Hans Widrich im Alter von zwölf Jahren in das Knabenseminar und Gymnasium nach Tanzenberg.

1954 gründet Hans Widrich eine eigene slowenische Schülerzeitung, die er selbstbewusst "Die Fackel" nennt- auch um mit einer zweiten Schülerzeitung, die "Kres" heißt, was so viel wie "Sonnwendfeuer" bedeutet, mithalten zu können.

Auch der junge Peter Handke bietet Hans Widrich einen Text für seine slowenische Schülerzeitung "Die Fackel" an, Hans Widrich lehnt den Text als zu lang ab. In späteren Ausgaben der "Fackel" ist der Schüler Peter Handke dann als Autor vertreten Für zwei, drei Jahre wird Hans Widrich in Tanzenberg auch zum „Bibliothekar“, er betreut die veraltete "Seminar-Bibliothek" im abgelegen Turm

Der Weg nach Salzburg

Nach der Matura im Jahr 1956 verlässt Hans Widrich Tanzenberg, er studiert Philosophie und Theologie, zunächst in Klagenfurt, dann in Graz, ein Studium, das er 1963 abschließt.

Noch vor Abschluss des Studiums wird er 1961 mit der Leitung des neuerrichteten Afro-Asiatischen Instituts in Graz beauftragt, bis 1964 ist er Leiter des Instituts, in dem durch eine Vielzahl von Veranstaltungen- bei Diskussionen, Seminaren, Konzerten, Ausstellungen, Lesungen - ein intensiver Dialog zwischen Studenten aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen möglich wird.

1964, nach dem Tod des Schwiegervaters, übersiedelt Hans Widrich mit seiner Frau Gerheid nach Salzburg ins "Kuppelwieserschlössl" - das alte Anwesen auf dem Mönchsberg muss dringend saniert werden.

Gestaltung: Heinz Janisch · zur Sendereihe

Service

  • Peter Handke, "Am Felsfenster morgens (und andere Ortszeiten 1982- 1987)", Residenz und dtv

    Peter Handke, "Die Wiederholung", Suhrkamp

    Peter Handke, "Nachmittag eines Schriftstellers", Residenz und Suhrkamp

    Peter Handke, "Gedicht an die Dauer", Suhrkamp

    Kontakt
    Dr. Hans Widrich, Mönchsberg 17, A-5020 Salzburg

Musikliste

Komponist/Komponistin: Richard Wagner (1813-1883)
Titel: Parsifal - Vorspiel zum 1. Aufzug
Solist/Solistin: New York Philharmonic / Zubin Mehta
Label: Sony Classical SK45749/Cut 2
Länge: 01:00 min

Komponist/Komponistin: Richard Wagner(1813-1883)
Titel: Rienzi - Ouvertüre
Solist/Solistin: New York Philharmonic / Zubin Mehta
Label: Sony Classical SK45749/Cut 4
Länge: 01:00 min

Komponist/Komponistin: Jacques Offenbach
Titel: Hoffmanns Erzählungen 2. Akt (2.Teil)
Solist/Solistin: Placido Domingo, Huguette Tourangeau, Joan Sutherland, Gabriel Bacquier, Jacques Charon, Andr Neury, Paul Plishka Margarita Lilowa, Hugues Cu nod, Roland Jacques, Paul Guigue, Pedro di Proenza, Jean Valaisan
Label: Decca 4429726 / CD2 / Cut 1
Länge: 03:00 min

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