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Dimensionen - Die Welt der Wissenschaft

Donnerstag
02. Dezember 2010
19:06

"Zwischen Masse, Macht und Markt". Wem gehört der öffentliche Raum? Gestaltung: Sonja Bettel

Plätze und andere öffentliche Räume waren stets wichtige Orte in Städten. Sie dienten der Kommunikation und Information, dem Wirtschaften, dem Darstellen von Machtverhältnissen, dem Flanieren und Posieren, der Freizeitgestaltung oder als Verlängerung des beengten Wohn- und Arbeitsraums.

Welche Bedeutung hat der öffentliche Raum heute? Wem gehört er, wer kontrolliert und wie soll er gestaltet werden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich kürzlich der 18. Wiener Architekturkongress unter dem Titel "Platz da!".

"Platz da!" ist auch der Titel der Ausstellung, die noch bis Ende Jänner 2011 im Architekturzentrum Wien im Museumsquartier stattfindet. Anlass für das Thema von Ausstellung und Kongress ist das 10. Jubiläum des "European Prize for Urban Public Space", den das Zentrum für zeitgenössische Kultur in Barcelona vergibt.

Die Ausstellung zeigt am Beispiel der ausgezeichneten Projekte und anhand von öffentlichen Räumen in Wien, welch unterschiedliche Vorstellungen von und Interessen am öffentlichen Raum es gab und gibt.

Bücher für mehr Leben

"Den" öffentlichen Raum gebe es nicht, betonten zahlreiche Vortragende beim Kongress. Die einen meinen damit Straßen und Plätze, die anderen beziehen sich auf alle öffentlich zugänglichen Räume, also auch Kirchen, Bahnhöfe oder Einkaufszentren.

Stefan Rettich von KARO Architekten aus Leipzig: "Ich glaube, dass der öffentliche Raum sich wandelt und ein Spiegel der Gesellschaft ist. Es ist die Aufgabe von Architekten, die Präferenzen einer Gesellschaft lesen zu können und Räume entsprechend zu gestalten."

KARO Architekten haben einen ganz besonderen öffentlichen Raum gestaltet, der heuer mit einem "European Prize for Urban Public Space" ausgezeichnet wurde: die Freiluftbibliothek im Magdeburger Stadtteil Salbke. Die Freiluftbibliothek wurde gemeinsam mit den Bürgern entwickelt und hat für neues öffentliches Leben in einem aussterbenden Ortszentrum gesorgt.

Privater "öffentlicher" Raum

Eine markante Entwicklung ist, dass immer mehr Menschen ihr "öffentliches" Leben in Räumen verbringen, die vermeintlich öffentlich sind, tatsächlich aber im Privatbesitz stehen. Dazu zählen Einkaufszentren, Geschäftspassagen, Bahnhöfe oder das Wiener Museumsquartier.

Das Problem sei, so der Stadtsoziologe Jens Dangschat von der Technischen Universität Wien, dass die privaten Betreiber dieser Räume jederzeit Ge- und Verbote aussprechen und Menschen von ihren Räumen ausschließen können.

Platzverweis durch Gestaltung

Ausgeschlossen werden Menschen aber auch von städtischen öffentlichen Räumen durch die Gestaltung und durch Gesetze. Markant ist das zum Beispiel am Karlsplatz in Wien, wo die Alkohol- und Drogensüchtigen durch bauliche Maßnahmen und eine Verordnung von ihren angestammten Treffpunkten vertrieben wurden. Diese Vorgangsweise sei höchst bedenklich, außerdem habe man damit kein Problem gelöst, sondern einfach verdrängt, sagt Jens Dangschat.

Gestaltung: Sonja Bettel · zur Sendereihe

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