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Montag
06. Dezember 2010
16:55

Roboter im "Rausch"
Über die Schnittstelle zwischen Mensch, Maschine und Cocktail
Gestaltung: Barbara Zeithammer
Redaktion: Franz Zeller

Es war eine Erscheinung, die da auf die Holzbühne stöckelte und selbige zum Laufsteg erhob – es? Sie? Er? Daredroid – eine junge Frau in einem hautengen, weißen Kunststoffkleid, Arme und Hals mit Kabeln und Schläuchen umschlungen, die Haare hochtoupiert, die Beine hoch gesetzt, auf Zehn-Zentimeter-Absätze. So schön denken wir uns die Zukunft. Dieses Bild von einem Cyborg kann auch ein kleines technisches Malheuer nicht ruinieren.

Daredroid ist nicht nur ein modisches sondern vor allem ein praktisches Kleid, eines, das Wodka-Cranberry-Cocktails mixt. Kreiert von Jane Tingley aus Montreal, Marius Kintel und Annouk Wipprecht aus den Niederlanden, die das Roboter-Kleid auch bei der Preisverleihung trug. Mit Daredroid gewannen die drei Künstler einen der begehrten Annual Cocktail Robot Awards, die Sonntagabend zum Abschluss der Roboexotica feierlich in Wien verliehen wurden. Damit ging das traditionelle, weltweit einzige und daher bedeutendste Festival für Cocktailrobotik zu Ende.

Preise in fünf Kategorien

Über 20 Roboter hatten sich der Dauerbelastung einer viertägigen Veranstaltung und der Jury gestellt. Mit Preisen in fünf Kategorien – vom Cocktail mixenden und servierenden bis zum unterhaltenden und rauchenden Roboter - und lobenden Erwähnungen wurden sie fast alle geehrt. So viel Kreativität und Talent darf auch nicht vergeudet oder vernachlässigt werden. Hier wird an der Zukunft gebastelt.

Melmacc zum Beispiel produzierte über 700 Cocktails. Sein Roboterarm rührte jedes Getränk mit einem Strohhalm drei Mal um. Eine mechanische Belastbarkeit, die die Jury ebenso belohnte, wie die psychische Belastung, die der Roboter Ka Ratte den Gästen zumutete. Ka Ratte wurde für die Hürde zum wirklichen, ehrlichen, hart verdienten Drink geehrt, der dem Roboter nur mühsam abzuringen war.

Überwindung kostete auch die Konsumation eines Wodkas aus dem Wodka-Closett, kurz W.C., nach Wunsch über einen in eine Kloobürste integrierten Strohhalm. Das brachte dem Erbauer-Team die Limone ein, den Preis für schlechten Geschmack und nicht wenig Geld. 65 Flaschen Wodka wurden in den vier Tagen aus der Muschel geschlürft.

Wie sieht die Zukunft des Cyborgs aus?

Wer glaubt, dass sich hier ausschließlich technikverliebte Männer in Garagen und Hobbyräumen ausgetobt haben, irrt gewaltig. Mit "Kitzel den Zapfhahn" gewann eine Gruppe aus zwölf jungen Mädchen und zwei Burschen.

Doch auch Ernst muss sein - daher geht es bei der Roboexotica nicht nur um die maschinelle Zubereitung alkoholischer Mixgetränke und deren Konsum: ein Symposium mit Filmprogramm lädt begleitend zum Nachdenken und Diskutieren, heuer zu den Themen Geist in der Maschine und Zukunft der Cyborgs, der Mensch-Maschinen. Dies fand am Freitag im Filmarchiv statt, in einem familiären Rahmen.

Vor dem Genuss von Wein und Knabberbrezeln, fern ab der Roboter-Partystimmung, fragten sich Philosophen und Interessierte, wie uns der Cocktail aus Mensch und Maschine, Natur und Technik wohl einmal schmecken wird.

Wie sieht sie aus, die Zukunft des Cyborgs, unsere Zukunft? Welche Gefahren und Chancen liegen in dem Konzept hinter diesem Begriff und wie kann man versuchen, die Debatte weiterzudenken und weiter zu führen?

Cyborg Daredroid mixt den Cranberry-Saft übrigens erst dann mit Wodka, wenn der durstige Gast Pflicht-oder-Wahrheit gespielt hat. Auch Spaß muss sein!

Gestaltung: Barbara Zeithammer · zur Sendereihe

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