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Musik

Zeit-Ton

Mittwoch
08. Juni 2011
23:03

Zeit-Ton Magazin. Rückblick, Vorschau und aktuelle Veröffentlichungen. Gestaltung: Susanna Niedermayr

Mit u. a. einem Beitrag über den imposanten Klang-Pavillon "The Morning Line" von Matthew Ritchie, Aranda/Lasch und Arup AGU, der seit einigen Tagen auf dem Wiener Schwarzenbergplatz thront und soeben mit einem Rahmenprogramm eröffnet wird.

Solidaritätsaktion für Asylsuchenden Musiker

Vergangenes Jahr ist bei Touch das Album "A Hidden Place" von Sohrab erschienen. "Mir gefällt die Balance", sagt Mike Harding, der Label-Chef von Touch. "Auf der einen Seite ist die Musik von Sohrab sehr einfühlsam, auf der anderen Seite wirkt sie aber entrückt. Sie ist sehr hypnotisch. Sohrab ist ein junger, sehr gefühlvoller Mann, der viele Gründe dafür hat aufgewühlt zu sein. Trotzdem schafft er es zu abstrahieren."

Der Albumtitel "A Hidden Place" verweist auf das Herkunftsland, aus dem Sohrab stammt, auf den Iran. Soeben sucht der Musiker in Berlin um politisches Asyl an, und Mike Harding hat für ihn eine Solidaritätsaktion gestartet, denn Sohrabs erster Asylantrag wurde abgelehnt und nun braucht der junge iranische Musiker finanzielle Unterstützung, um sich einen Anwalt leisten zu können, der ihn entsprechend vertritt.

Im Iran droht Gefängnis

Lediglich einmal darf er Berufung einlegen. Muss Sohrab zurück in den Iran, dann wird er wohl direkt vom Flughafen ins Gefängnis gebracht werden, und dieser Gedanke sei sehr schmerzlich, so Harding. Wer das Stück "Shouting at Dictators", das vor wenigen Tagen bei Touch erschienen ist, kauft, der unterstützt damit Sohrab.

Anerkennung beim Prix Ars Electronica

Dem Debüt-Album von Sohrab hat die Jury des heurigen Prix Ars Electronica im Bereich "Digital Musics and Sound Art" eine Anerkennung verliehen.

"Vor etwa zwei Jahren habe ich eine E-Mail aus dem Iran erhalten", erinnert sich Harding. "Sie war von einem jungen Mann, von Sohrab. Er hat geschrieben, dass er elektronische Musik macht, und dass er in Neuseeland bei einem Konzert von Rosy Parlane war, der ja bei uns auf Touch veröffentlicht. Im Anschluss an dieses Konzert hätte er nachgeforscht, schrieb er, und schließlich weitere Musikerinnen und Musiker entdeckt, die wir auf Touch herausbringen, wie etwa Biosphere oder Fennesz. Er wollte mir Musik schicken. Da konnte ich natürlich schwer nein sagen. Wir haben also angefangen hin und her zu mailen, und ich war etwas besorgt, dass der iranische Geheimdienst unsere E-Mail-Konversation womöglich mitliest. Sohrab erzählte davon, wie kulturell isoliert er im Iran sei. Junge Menschen haben dort kaum kreative Ausdrucksmöglichkeiten, und 70 Prozent der iranischen Bevölkerung sind unter 30 Jahren. Das ist ein großes Problem."

Flucht nach Berlin

Als Mike Harding schließlich Sohrab's Musik hörte, war er schlichtweg begeistert. Wenig später erschien auf Touch Sohrabs Debüt-Album "A Hidden Place". Mit Hilfe eines Studentenvisums schaffte es Sohrab, auszureisen. Er flüchtete nach Berlin. Als die Frist seines Studentenvisums Ende vergangenen Jahres abgelaufen war, suchte er um politisches Asyl an.

"Und sein Asylantrag wurde abgelehnt abgelehnt", ärgert sich Harding. "Sohrab darf nun einmal Berufung einlegen und wenn er den Prozess verliert, dann wird er in den Iran abgeschoben und vermutlich noch auf dem Flughafen verhaftet, um von dort ins Gefängnis gebracht zu werden. Die iranischen Behörden gehen hart gegen Iranerinnen und Iraner vor, die versucht haben, das Land zu verlassen, aus Gründen der Propaganda. Und um ehrlich zu sein: Ich bin sehr besorgt. Sohrab ist ein sehr sensibler netter junger Mann. Die Vorstellung, dass ihm irgendetwas Schlimmes widerfährt ist schrecklich. Er braucht jetzt einen guten Anwalt und dafür braucht er Geld, also haben wir beschlossen, diese Solidaritätsaktion zu starten. Im Touch Shop gibt es zum Download das ganz neue Stück 'Shouting at Dictators' von Sohrab. Das gesamte Geld, das wir mit dem Verkauf dieses Stückes einnehmen, fließt in den Verteidigungsfond in Berlin."

Remixes von Sohrabs Stücken

Hardings Einsatz für den jungen Iraner ist beeindruckend groß. Bereits eine ganze Reihe von Musikerinnen und Musikern, u.a. JG Thirlwell Jóhann Jóhannsson und Leif Elggren, konnte er dafür gewinnen, Remixes von Sohrabs Stück zu machen. Eine erste Remix-Compilation wird noch im Juni erscheinen und auch hier wird das eingenommene Geld in den Verteidigungsfond in Berlin fließen.

Gestaltung: Susanna Niedermayr · zur Sendereihe

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