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Musik

Zeit-Ton

Donnerstag
04. August 2011
23:03

Zeit-Ton Porträt. Bernhard Gál. Gestaltung: Rainer Elstner

Bernhard Gál über "Die Spitze des Eisbergs"

Als "Komponist und Installationskünstler" wird Bernhard Gál auf Wikipedia geführt. Doch mit letzter Trennschärfe lässt sich sein Oeuvre kaum bestimmten Kunstgenres zuordnen. Gáls Werke werden je nach Kontext in Ausstellungen, Konzerten und Kunstprojekten im öffentlichen Raum präsentiert. Klang, Licht, Objekte, Raumkonzepte und Videoprojektionen sind Zutaten seiner Kunst.

Auf seinem eigenen Label Gromoga Records ist nun Gáls achte Audiohauptveröffentlichung erschienen. Auf "same difference" wird eine Auswahl von Kompositionen für traditionelle chinesische Instrumente präsentiert, in Kombination mit weiteren thematisch verwandten Werken.

Ostasiatischen Musiktraditionen und Denkweisen kommt in Gáls künstlerischem Schaffen in verschiedensten Ausprägungen große Bedeutung zu - nicht nur durch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit asiatischen Künstlerinnen und Künstlern, sondern auch in Kompositionen für chinesische Instrumente und elektroakustischen Werken. Klänge von chinesischer Zither und Mundorgel haben in "same difference" ebenso Eingang gefunden wie der Sound von Gitarren und das Rauschen einer Berliner U-Bahn-Fahrt.

Raum und Zeit choreografieren

"Wenn ich die Möglichkeit habe, versuche ich möglichst alle die Elemente, die planbar sind, die in irgendeiner Weise choreographierbar sind, mitzudenken", beschreibt der zur Zeit in Salzburg lebende Künstler seine Arbeitsweise. "Ich bin ein Komponist, der intermedial denkt. Für mich spielt dann Licht genauso eine starke Rolle und ich finde es macht einen riesen Unterschied, ob man ein Stück in einem normal beleuchteten, in einem dunklen oder in einem färbigen Konzertraum hört. Da sind wir erst am Anfang, da gibt's noch viel zu erkunden."

Seine kompositorische Arbeitsweise grenzt sich bewusst ab vom akademischen Postserialismus: "Mich interessiert die Vermischung von Klängen mehr als die Abfolge von Klängen. Das könnte man allgemein in manchen Arbeiten von mir feststellen, dass das Denken in Schichten - das sich dann auch bei den Installationen als Verteilung im Raum äußert - für mich interessanter ist als das Denken in aufeinanderfolgenden Klangereignissen."

Trotzdem haben die Werke eine Struktur - dabei geht es aber eher um die Verräumlichung von Klang als um ein motivisches Abarbeiten in der Zeit.

Klangkunst in Österreich

"Der Begriff Klangkunst ist in Österreich eigentlich noch gar nicht so richtig etabliert", erläutert Gál den status quo des Genres. "Es gibt dafür keinen dezidierten Fördertopf - das ist immer ein gutes Zeichen dafür, ob etwas angekommen ist oder nicht. Weil einen Topf für Medienkunst gibt es zum Beispiel."

Klangkunst habe deshalb eine zukunftsweisende Bedeutung, "weil das Ephemere am Klang in der Kunst immer mehr seinen Platz findet. Die Verbindung von Klang und Licht, die Verbindung von Klang mit Architektur, die Erweiterung des Skulpturbegriffs - das sind einerseits alte Hüte seit den 1960er Jahren, andererseits sehe ich ein stärkeres Interesse an Klang im Kontext von Kunst über die letzten zwei Jahrzehnte hinweg".

Gestaltung: Rainer Elstner · zur Sendereihe

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