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Ö1 extra

Donnerstag
08. Dezember 2011
22:05

Live durch den Kosmos. Rudolf Buchbinders Neueinspielung der 32 Klaviersonaten Beethovens. Gestaltung: Gustav Danzinger

Rudolf Buchbinder

"Beethovens Leben war ein ewiges Auf und Ab und genau das widerspiegelt sich in seinen 32 Sonaten."

Eine neue Gesamteinspielung der 32 Klaviersonaten Beethovens - gut. Man legt die erste CD ein, spielt den ersten Satz der ersten Sonate. Und schon in der Wiederholung der Exposition fällt auf, wie ungeheuer lebendig und spannend Rudolf Buchbinder hier spielt. Live, im Konzert.

Buchbinder spielt Beethoven

Der Beginn der Klaviersonate Nr. 1, op.2, f-moll

Buchbinder hat anhand der Autographe Beethovens gearbeitet und dabei viele herkömmliche Lesarten zu hinterfragen gelernt. Das, was Beethoven ganz exakt definierte, und das, was er dem Interpreten an Freiheit lässt, ist für ihn extrem anregend.

Für seinen Entschluss, diese Gesamtaufnahme der Beethoven-Sonaten aus Live-Konzerten zu machen, gibt Buchbinder die klassische Begründung: Der zusammengeschnittenen Variante fehlen Spontaneität, Emotion und die richtige Stimmung. Und man muss sagen: Er macht das spürbar, wie man es nur selten hört.

Auf die Stimmung kommt es an

In zwei Stunden durch den Kosmos - das ist ein kühnes Unterfangen. Rudolf Buchbinder hat seine Neueinspielung der Beethoven-Sonaten in der vergangenen Saison in der Dresdner Semperoper an sieben Abenden als Konzertmitschnitt aufgenommen. "Wer jeden Satz vier-, fünf Mal spielt und die einzelnen Takes dann zusammenschneiden lässt, erzielt ohne Frage ein perfektes Ergebnis. Aber diesem Ergebnis wird jede Spontaneität, jede Emotion und vor allem die richtige Stimmung fehlen", sagt Buchbinder. Mit seiner geradezu unheimlichen Trefferquote bei Millionen von Notenköpfen konnte er sich ein solches einmaliges Unterfangen auch zutrauen.

Vielschichtiger Komponist

Beethoven schrieb fast alle seiner Sonaten für den eigenen Gebrauch. Seinen Klavierschülern und -schülerinnen gegenüber war er duldsam bei Fehlern, nicht aber bei unmusikalischem Spiel. Ferdinand Ries: "Wenn ich in einer Passage etwas verfehlte, oder Noten und Sprünge falsch anschlug, sagte er selten etwas; allein, wenn ich am Ausdrucke, an Crescendo's u.s.w. oder am Character des Stückes etwas mangeln ließ, wurde er aufgebracht, weil, wie er sagte, das Erstere Zufall, das Andere Mangel an Kenntnis, an Gefühl, oder an Achtsamkeit sei."

Die zentrale Information für den Interpreten ist natürlich das schriftlich Fixierte, der Notentext. Hier gilt es, die exakten Anweisungen (Tonhöhe, Tondauer) von den unexakten zu unterscheiden (Lautstärke, Tempo, Artikulation, Charakter) und letztere mit Wissen um die Entstehungszeit und die Absicht des Komponisten zu bestimmen. Doch schon der Notentext hat seine Tücken; Buchbinder studierte sämtliche gängigen und auch historischen Ausgaben der Beethoven-Sonaten, verglich sie, wenn möglich, mit der Originalhandschrift und konnte "haarsträubende Druckfehler (...) aufspüren. Vor allem aber habe ich auf diese Weise einen anderen, einen reicheren, vielschichtigeren Beethoven entdecken können. Wer liest, was dieser Komponist wirklich geschrieben hat, der erhält tatsächlich so etwas wie einen Wegweiser zu einem 'freieren' Spiel. Beethoven selbst ist es, der diese Freiheit von seinem Interpreten einfordert, weil seine Angaben einerseits weitaus differenzierter sind, als sie der gleichmäßige Notendruck und die gewohnten Zeichen für dynamische Nuancen jemals vermitteln können, andererseits aber in vielen Fällen tatsächlich Freiräume lassen, die die Fantasie des Spielers anregen."

Gestaltung: Gustav Danzinger · zur Sendereihe

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