Sonntag
08. Jänner 2012
22:05
"Triest". Thomas Stipsits und Manuel Rubey unterwegs auf der "Bloody Mary". Gestaltung: Doris Glaser
Im Hafen von Triest sticht der Luxusdampfer "Bloody Mary" Richtung Tunesien in See. An Bord ein Filmteam des ORF, das den Zweiteiler "Die letzten Sonnenstrahlen des Glücks" mit Christiane Hörbiger und Harald Krassnitzer drehen soll. In einer Nebenrolle: Manuel Rubey.
Um die Passgiere trotz Filmaufnahmen bei Laune zu halten, wird ein Kabarettist zur allgemeinen Auflockerung für die Mitternachtseinlage engagiert. Lukas Resetarits und Josef Hader waren nicht interessiert, also griff der Veranstalter auf das "ewige Talent" Thomas Stipsits zurück. Der Spaß beginnt, wenn er und Manuel Rubey realisieren, dass man sie auf dieselbe Kabine gebucht hat.
Die gemeinsame Erfolgsgeschichte des Duos Thomas Stipsits und Manuel Rubey begann 2010 bei den Dreharbeiten zur Thomas-Glavinic-Verfilmung "Wie man leben soll". Eine schicksalshafte Begegnung - wie beide betonen -, man war einander auf Anhieb sympathisch, die Chemie hat gestimmt und bald war klar, dass man doch unbedingt einmal ein gemeinsames Programm schreiben sollte.
"Triest" ist allerdings alles andre als ein Schnellschuss. Es ist ein lang gereiftes, in der Regie von Andi Peichl präzise gearbeitetes Stück Kleinkunst, das mit köstlichem Klamauk, Situationskomik und schonungsloser Selbstironie unterhält, aber auch zum Nachdenken anregt. Was ist eine Freundschaft wert? Warum wollen alle besser erscheinen als sie sind? Wo fängt Verrücktheit an?
Der zweite Teil des Programms ist nicht mehr auf einem Schiff, sondern in einem psychiatrischen Sanatorium angesiedelt. Der Titel "Triest" erweist sich damit mehr als doppelbödig, gilt doch die einstige k.-u.-k.-Hafenstadt als Wiege der Schizophrenie-Forschung und ist in Österreich zudem Sinnbild vergangener Größe und gegenwärtiger Selbstüberschätzung.