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Kultur
Kabarett

Contra - Kabarett und Kleinkunst

Sonntag
15. Jänner 2012
22:05

"Pepi Hopf ist unschuldig". Gestaltung: Ursula Burkert

Kommen Männer mit 40 in die Midlife-Crises oder haben sie nur endlich die Pubertät hinter sich und lässt sie dieser Umstand seltsam erscheinen? Pepi Hopf bringt in seinem neuen Solo so ein Prachtexemplar auf die Bühne und lässt es erzählen. Über die Welt im Speziellen und sich selbst im Allgemeinen.

Ein Kabarettprogramm, das der Kabarettist auf das Wesentliche reduzieren wollte. Frei nach dem Motto "Wer im Glashaus sitzt, werfe den ersten Stein" plaudert Pepi Hopf aus der Schule der Generation der 40-Jährigen.

Halbzeitpause im Leben, aber kein Grund zur Trauer - denn die Seiten werden gewechselt. Vom ruhigen Eheleben zurück zur Mama ins alte Kinderzimmer. Egal! Die zweite Hälfte liegt ja noch vor ihm.

Meister der Sickerwitze

Volle Kraft zurück, so beginnt also das neue Leben des Kabarettisten. Realität und Fiktion mischen sich im aktuellen Programm von Pepi Hopf: Gerade 40 geworden und frisch geschieden, befreite sich der Kabarettist von gewissen Zwängen, um postwendend in neue zu schlittern. "Unschuldig" heißt das neue Solo des Ex-Friedhofsgärtners und Neo-Gärtnereiangestellten Pepi Hopf.

Dass dieser Titel Ambivalenzen in sich birgt, liegt nahe, denn Pepi Hopf hat sich - trotz seiner eingestandenen Liebe zu wohlgesetzten Pointen - zu einem Meister der Zwischentöne und Sickerwitze entwickelt. Gar nicht unschuldig lockt er das Publikum immer wieder auf das unsichere Terrain der Wiedererkennung vor allem von Schwächen und Unzulänglichkeiten an sich selbst. Die Selbstreflexionen des Pepi Hopf sind nicht ganz frei von Wut, Resignation und Sarkasmus.

Wirtschaftswelt am kabarettistischen Pranger

Das eigentliche Thema des Abends ist die Wirtschaft, der es gut gehen soll, damit es uns allen gut gehen kann. Ein gar verlogener Wunsch, weiß man doch, dass es im kapitalistischen Wirtschaftsgefüge niemals allen gut gehen kann. Pepi Hopf, der sich in seinen Programmen stets mit den Fragen des Kapitalismus' und Sozialismus', mit Utopien und politischer Verantwortung auseinander gesetzt hat, weiß das natürlich auch. Und so gibt er seinem durchaus legitimen Bedürfnis nach, diese unsere so gar nicht mehr heile Wirtschaftswelt an den kabarettistischen Pranger zu stellen.

Während Pepi Hopf in früheren Programmen wie "Schleudern" oder "Gib mir mein Leben zurück" oder "Dirty Pepi" Bühnenfiguren entwickelte und wohldurchdachte Handlungsstränge aufrollte, verzichtet er bei "Unschuldig" auf alle dramaturgischen Mittel, auf Toneinspielungen und Lichtwechsel. "Pepi Hopf pur". Um die perfiden Mechanismen der Wirtschaft satirisch zu analysieren setzt er einzig und allein auf die Kunst der freien Assoziation:

Der Homo Sapiens - die angebliche Krone der Schöpfung - als Marionette der Wirtschaft und Spielball des Konsumwahns. Für Pepi Hopf ist es zum Verzweifeln: Was ist mit dem Handlungsspielraum des Einzelnen geschehen? "Unschuldig" ist niemand, der sich freiwillig von den wirtschaftlichen Interessen und der Profitgier anderer entmündigen lässt; dabei kann man ja in heutiger Zeit nicht über mangelnde Information klagen. Allerdings zweifelt Pepi Hopf schon lange an der Seriosität der Berichterstattung und an der Fähigkeit politischer Entscheidungsträger.

Eine vernichtende Abrechnung mit seiner Generation, der Vierzigjährigen, von Pepi Hopf. Die kämpferische Natur des Kabarettisten ist ungebrochen, auch wenn er tatsächlich wieder 40 Stunden wöchentlich in einer Gärtnerei arbeitet.

Gestaltung: Ursula Burkert · zur Sendereihe

Service

  • "Unschuldig" – Auftrittstermine:
    20.1., 20:00 Uhr: Theaterforum Schwechat
    21.1., 20:00 Uhr: Kulturwerkstatt Tulln
    31.1., 19:30 Uhr: Theater am Alsergrund

    Pepi Hopf
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