Dimensionen - die Welt der Wissenschaft

Vertrauen und Versuchung. Psychotherapie und der Faktor Macht. Gestaltung: Sabrina Adlbrecht

Der Begriff "Macht" ist sehr stark gefühlsmäßig - und da sehr zwiespältig - besetzt. Im Allgemeinen wird er meist dem Begriff "Herrschaft" zugeordnet und ist damit - zumindest offiziell - negativ konnotiert. Im eigentlichen Wortsinn ist "Macht" allerdings nur von "machen" abgeleitet, bedeutet also so etwas wie "Können", "Fähigkeit" und "Vermögen" - weshalb ihm auch, inoffiziell, eine gewisse Faszination innewohnt.

Auch in psychotherapeutischen Beziehungen spiegeln sich Machtverhältnisse wider: Schon bevor eine solche Beziehung überhaupt entsteht, hat ja der Therapeut die Macht, Diagnosen zu stellen - und der Patient die Macht, eine Therapie seinerseits bewusst scheitern zu lassen. Der Erfolg einer Therapie ist also immer - auf welches Verfahren sich die therapeutischen Partner auch immer einigen mögen - primär abhängig davon, ob es gelingt, eine Atmosphäre beiderseitigen Vertrauens zu schaffen.

Ebenso selbstverständlich birgt der Charakter der psychotherapeutischen Arbeit die Gefahr missbräuchlichen Handelns; es stellt sich also die Frage: Dient die psychoanalytische Therapie der Erhaltung bestehender gesellschaftlicher Machtverhältnisse? Oder dient sie, wie es ja ihr Ziel ist, der Selbstermächtigung des Patienten? Welche Möglichkeiten autonomer Entwicklung hat ein Patient tatsächlich - und wie wirken sich geschlechtsspezifische Rollenbilder in der therapeutischen Arbeit aus?

Diese Fragen wurden bei den diesjährigen "Gestalttagen" in Wien aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert: Aus gestalttherapeutischen ebenso wie aus psychoanalytischen, soziologischen, kulturwissenschaftlichen und literarischen.

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