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Leporello

Dienstag
20. März 2012
07:52

Stephan Said, das musikalische Sprachrohr von "Occupy Wallstreet"

Vor ziemlich genau sechs Monaten - am 17. September 2011 - bildete sich im Financial District von New York City die Bewegung "Occupy Wallstreet" und strahlte, von einem Zeltlager im Zucotti Park, als spontane Protestwelle in verschiedenste Regionen der Welt aus.

Ein friedliches Revival der Parkbesetzung aus Anlass des Halbjahres-Jubiläums wurde vorgestern von der New Yorker Polizei gewaltsam aufgelöst. Vom kommenden Frühling erwarten sich die Aktivisten der pro-demokratischen, finanzmarkt-kritischen Bewegung dennoch eine deutliche Wiederbelebung ihrer Bewegung. So auch der Singer-Songwriter Stephan Said, der im vergangenen September mit seinem Album "Difrent" zum wichtigsten musikalischen Sprachrohr von "Occupy Wallstreet" wurde.

Wahrgenommen wurde Said auch als kreatives Bindeglied zwischen den Aktivisten von Lower Manhattan und den Revolutionären des Arabischen Frühlings. In der zweiten Woche der Parkbesetzung rezitierte er - verstärkt durch die Technik des "human microphone" - eine ägyptische Freiheitshymne der 1930er Jahre: "Ich liebe das Leben der Freiheit" - "Aheb Aisht Al Hirya" - ist ein Gedicht des ägyptischen Poeten und Sozialaktivisten Ahmed Shawki. Stephan Said wurde es von seinem muslimischen Vater nahegebracht. Seiner Abstammung nach, schrieb die "New York Times" im Herbst 2011 über den Sänger und Musiker, sei Said "ein ebensolches Amalgam wie die im Zucotti Park versammelte Menge".

In Cleveland, Ohio, als Kind eines irakischen Physikers und einer Wiener Pianistin und Frauenrechtsaktivistin geboren, wuchs er nach der Scheidung seiner Eltern in den Appalachen, mit einem ehemaligen jesuitischen Priester als Stiefvater auf.

Seinen richtigen Familiennamen, Said, wieder anzunehmen, beschloss Stephan mit Anfang zwanzig, nachdem er als Musiker nach New York gegangen war. Der damals gerade ausgebrochene Golfkrieg war für ihn der Wendepunkt, der ihn zu einem politisch engagierten Menschen werden ließ. Nicht nur seiner ethnischen Zugehörigkeit wegen, sondern auch, weil er den Golfkrieg als "den ersten großen Globalisierungskonflikt" erkannte, beschloss er, seine Stimme gegen den Krieg und für eine gerechtere Verteilung der globalen Ressourcen zu erheben.

Gestaltung: Franziska Dorau, Christian Lerch · zur Sendereihe

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