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Dimensionen - die Welt der Wissenschaft

Mittwoch
06. Juni 2012
19:05

Von nun an geht's bergab. Die zweite Hälfte des Erdölzeitalters. Gestaltung: Mark Hammer

Peak Oil ist ein heftig diskutiertes Konzept. Es besagt, dass die Erdölfördermenge für einzelne Ölfelder und in Summe auch weltweit zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Höhepunkt erreicht und danach sinkt. An genau dieser Stelle befindet sich die Menschheit derzeit vielleicht.

"Peak" heißt auf Englisch Spitze oder Gipfel und meint in diesem Fall das Maximum der jährlich förderbaren Erdölmenge. Mit dem Überschreiten dieses Gipfels ist das Erdöl also nicht zu Ende, aber es wird jedes Jahr immer weniger davon produziert. Mit dem knapper werdenden Öl steigt auch dessen Preis. Diese Kosten bekommen Haushalte zu spüren.

Eigentlich eine alte Prognose

Die Prognose des knapper werdenden Öls ist deutlich älter als die erst einige Jahre alte Diskussion um den Begriff Peak Oil. Schon in den 1950ern hat der amerikanische Geologe King Hubbert vorhergesagt, dass die Erdölproduktion in den USA eines Tages ihren Höhepunkt erreichen wird. Man hat es ihm jedoch damals nicht geglaubt. Später, in den 1970er-Jahren, ist jedoch eingetreten, was Hubbert bereits 20 Jahre zuvor vorhergesehen hat.

Noch haben die Expertinnen und Experten um Peak Oil nicht geklärt, wann der Gipfel der globalen Fördermenge erreicht sein wird. Oder erreicht worden ist. Manchen Forscherinnen und Forscher meinen, dass der Berg bereits überschritten wurde, andere sehen das Maximum der Ölförderung erst kommen. Die Frage nach dem genauen Zeitpunkt ist jedoch nicht die entscheidende, vielmehr geht es darum, wie man sich auf dieses Ereignis vorbereitet.

Ein Weg, sich auf das zu Ende gehende Erdöl einzustellen sind erneuerbare Energieträger: Wasserkraft, Windenergie, Biomasse, Erdwärme und Solarenergie. Doch auch sie sind nicht unbegrenzt vorhanden. Und auch die Technik, die hier eingesetzt wird, basiert zum Teil ebenfalls auf knappen Rohstoffen.

So werden zum Beispiel die Metalle der Seltenen Erden für Akkumulatoren und Magnete in Elektromotoren verwendet und werden somit zum Beispiel in Windkraftanalagen eingesetzt. Doch die Vorkommen der Seltenen Erden sind auf der Erde ungleich verteilt. Große Mengen finden sich in China, das mit westlichen Ländern bereits Dispute um Exportrestriktionen ausgefochten hat.

Neue Denkmuster gesucht

Die Suche nach Alternativen fordert Wirtschaft, Technik und Politik. Denn für eine Welt, die in erster Linie auf erneuerbaren Energieträgern beruhen soll, müssen mitunter bewährte Konzepte und alte Denkmuster überwunden werden.

"Das Problem ist, dass Leute oft auch nicht ganz genau verstehen, dass wenn man über erneuerbare Energiesysteme spricht, dass es nicht um ein Ersetzen der gegenwärtigen Systeme geht, sondern um ein völlig anderes Modell, also ein Sich-weg-bewegen von weit weg gelegenen zentralisierten Systemen wie den nuklearen und fossilen Kraftwerken hin zu einer dezentralen Versorgung, wo man eigentlich versucht, den Energiebedarf, der lokal besteht, auch lokal abzudecken", meint Peter Droege, Professor für Nachhaltige Raumentwicklung am Institut für Architektur und Raumentwicklung der Universität Lichtenstein.

Die Weichen für Morgen werden heute gestellt

Auch wenn einige noch daran zweifeln: Das Ende des Erdöls scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Wie sich die Menschheit auf ein neues Energiezeitalter einstellt und wie sehr sie das Ende des Öls treffen wird, wird bereits mit den heutigen Investitionen entschieden.

Michael Cerveny von der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik rät dazu, mit dem Wandel nicht bis zum letzten Tropfen Öl zu warten.

"Es gibt jede Menge Möglichkeiten, das abzupuffern. Die Überschrift kann nur lauten, und diese Empfehlung stammt nicht von mir, sondern vom Fatih Pirol, dem Chefökonom der internationalen Energieagentur: "Wir sollten uns vom Öl verabschieden, bevor sich das Öl von uns verabschiedet". Man kann natürlich die Heizölheizung austauschen und natürlich noch besser, vorher das Haus wärmedämmen, um weniger Energie zu verbrauchen. Und wenn man dann diese Energie nicht mehr über Heizöl sondern beispielsweise über Biomasse, Solaranlagen, teilweise, wenn es in Frage kommt, auch Wärmepumpe, abdeckt, dann hat man hier eigentlich enorme Kosteneinsparungen, weil das alles viel günstiger ist als das Heizöl und noch viel günstiger sein wird, wenn der Heizölpreis tatsächlich hinaufgeht, dann wird das auch ökonomisch noch viel günstiger sein, als es jetzt schon ist."

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