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Musik

Zeit-Ton extended

Freitag
01. Juni 2012
23:03

ICAS Radio vom ECAS Partner-Meeting bei Mutek in Montreal. Gestaltung: Susanna Niedermayr gemeinsam mit Oliver Baurhenn und dem Mutek Festival

In Montreal, erzählte mir vor einigen Jahren die Musikerin und Musikjournalistin Hélène Prévost, herrscht ein Geist der Unabhängigkeit. Die Stadt im kanadischen Quebec, nahe der Ostküste ist, umringt von einigen Flüssen, praktisch eine Insel und wer diese Insel verlässt, so Prévost damals, dem würde unmittelbar bewusst werden, wie klein und verwundbar dieses mehrheitlich französischsprachige Fleckchen Nordamerika doch ist. Deswegen seien die Menschen in Montreal auch emsige Brückenbauer.

Einer von ihnen ist Alain Mongeau, der Begründer und künstlerische Leiter des Mutek Festivals für "Electronic Music and Digital Creativity". Gerade diese Außenseiterrolle, in der sich die frankophone Bevölkerung Kanadas mitunter sieht, kommentiert er das von Hélène Prévost gezeichnete Bild, hätte sie während der Präsidentschaft von George W. Bush stark gemacht.

Brücken nach Europa und Südamerika

Nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 wehte in Nordamerika ein eisiger Wind der Isolation. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler beschlossen, in den USA nicht mehr aufzutreten, und machten damit auch keinen Abstecher mehr nach Kanada.

"Aufgrund unserer französischsprachigen Wurzeln sind wir gewissermaßen privilegiert", führt Mongeau aus, "dadurch gab es immer schon eine starke Anbindung an Europa. Diese Brücke zu Europa hat uns geholfen zu überleben. Und nachdem wir uns auf die USA nicht verlassen konnten, haben wir als eine weitere Strategie auch eine Brücke über die USA drüber nach Südamerika gebaut. Genauso wie der Austausch von Ost und West nach dem Ende des Realsozialismus eine neue Dynamik in das europäische Kulturleben gebracht hat, ist es für uns wichtig mit dem Süden Amerikas in einen Dialog zu treten."

Erweiterung des europäischen Festivalnetzwerkes

Was sie im Austausch mit Europa gelernt hatten, erzählt der Festivalleiter, wollten sie weitergeben. Eigentlich nur folgerichtig, dass es schließlich auch Alain Mongeau war, der die Initialzündung für die Erweiterung des europäischen Festivalnetzwerkes ECAS (European Cities of Advanced Sound), das 2008 vom ORF musikprotokoll im steirischen herbst mitbegründet worden war, zum internationalen Festivalnetzwerk ICAS (International Cities of Advanced Sound) lieferte.

Und wiederum nur folgerichtig, dass an der Schwelle vom Mai zum Juni bei Mutek nun auch das zweite ECAS Partner Meeting stattfinden wird. Etwa zur Halbzeit unseres Netzwerkprojektes "Networking tomorrows art for an unknown future" ziehen wir eine erste Bilanz, und wir möchten Sie einladen, live mit uns dabei zu sein, in einer weiteren Ausgabe von ICAS Radio im Zeit-Ton extended.

Der Nanosatellit mursat1

Gemeinsam mit uns zum Mutek Festival reisen werden Reni und Jogi Hofmüller, um dem Publikum in Montreal ein höchst spannendes Projekt vorzustellen. Ein Team von rund 25 Personen rund um die Netzkulturinitiative mur.at entwickelt und baut derzeit den Nanosatelliten mursat1, der noch dieses Jahr in den Orbit geschickt werden soll.

Die von mursat1 generierten und zur Erde zurückgesendeten Daten werden zur allgemeinen künstlerischen Interpretation zur Verfügung stehen. "Wir möchten aber auch darauf aufmerksam machen, dass der Raum über uns ebenfalls als ein öffentlicher Raum zu betrachten ist", so Reni Hofmüller. "Er sollte nicht lediglich militärischen und ökonomischen, sondern auch zivilgesellschaftlichen Interessen dienen."

Eine Vorschau

Im Zeit-Ton extended am 8. Juni haben Sie Gelegenheit mehr über mursat1 zu erfahren. Bei einem Streifzug durch die Räumlichkeiten der Grazer ESC im Labor, wo mur.at beheimatet ist und in der es auch gerade eine Ausstellung zum Thema gibt, beleuchten wir die zahlreichen verschiedenen Aspekte dieses so vielgestaltigen Projektes, und treffen dabei auf die Protagonistinnen und Protagonisten der mit mur.at und der ESC eng verbundenen Plattformen RHIZOM, realraum, PROTOTYP, Pd-Graz und des Patching Circle – um mit ihnen zu diskutieren und um ihre Kunst kennenzulernen, bevor wir am Ende der Sendung dann auf das Dach hinaus klettern, den Blick zu den Sternen richten und in die Nacht hinein horchen.

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