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Musik

Giacomo Puccini: "Il Trittico"

Samstag
13. Oktober 2012
19:30

Der Container als Metapher einer standardisierten, kalten Umwelt, die keinen Raum für menschliche Differenzierung lässt: Mit dieser ästhetischen Ausgangslage ist dem italienischen Regisseur Damiano Michieletto eine ungewöhnlich stimmige Inszenierung von Giacomo Puccinis "Il Trittico" im Theater an der Wien gelungen.

Damiano Michieletto vereint die drei für gewöhnlich kontrastierenden Einakter des Triptychons zu einer ideellen Dreieinigkeit des Verlusts in all seinen Schattierungen - eine Leistung, die gemeinsam mit der herausragenden darstellerischen Qualität des Ensembles einhellig bejubelt wurde.

Anstatt auf romantisch verklärten Kähnen, lässt Michieletto den Auftakt "Il Tabarro" in einem seelenlosen Containerhafen spielen, dem stimmigen heutigen Pendant zur Hafentristesse der Puccini-Zeit. In diesem entindividualisierten Ambiente findet sich die Dreiecksgeschichte zwischen Michele, Giorgetta und Luigi, die letztlich im Mord endet. Bar jeder Schiffer-Romantik erinnert der Regisseur dabei an jene Vorstadttrostlosigkeit, welche er für die heurige "La Boheme" bei den Salzburger Festspielen auferstehen ließ.

Geschmeidig gelingt Michieletto anschließend der verbindende Übergang von "Il Tabarro" zu "Suor Angelica", in dem Patricia Racette als Sängerin beider Hauptfiguren während des Wechsels auf der Bühne verbleibt und ihr für die neue Rolle der Kopf geschoren wird, während die Containerlandschaft um sie herum mutiert. Dabei wird die inhaltliche Parallele zweier Frauen deutlich, die ihr Kind verloren haben und daran letztlich zerbrechen.

Das strenge Kloster, in dem sich die verbannte Angelica als Schwester findet, gleicht mehr einem Gulag denn einer kontemplativen Glaubenseinrichtung. Michieletto vermeidet jegliche transzendentalen Aspekte, indem der sterbenden Angelica nicht ihr toter Sohn als Himmelsbote erscheint, sondern ihre Tante als perfide Rache den Tod des Kindes nur vortäuscht. Ein Beispiel für den frappanten Detailreichtum, mit dem der Regisseur, dessen Inszenierung von Donizettis "Liebestrank" im November in Graz zu sehen sein wird, subtile neue Aspekte, teils Neudeutungen des Stoffes vornimmt, die sich nahtlos in das Grundgerüst fügen.

Bei aller Eleganz des fließenden Übergangs und der inhaltlichen Klammer, versucht Michieletto zum Abschluss nicht krampfhaft, den satyrspielhaften Charakter des "Schicchi" an die beiden dramatischen Einakter anzugleichen. Er setzt hingegen ein wildes Treiben, intelligenten Klamauk an das Ende des Triptychons. Die Container sind mit Tapete ausgekleidet zu einem surrealen Haus mit verschiedensten Ebenen mutiert. Erst zum Schluss schließen sich die Stahlkisten über dem Geschehen wieder und kehren damit zum Ausgangsbild zurück. Letztlich hängen Freud' und Leid' eben zusammen.

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