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Dienstag
18. Dezember 2012
07:52

1. Ö1 Lyrik-Wettbewerb "Hautnah"
2. Buch Hugo Bettauer: "Der Kampf um Wien"

Ö1 Lyrik-Wettbewerb "Hautnah"

Im Jahr 2013 soll der Lyrik im Wiener RadioKulturhaus Genüge getan werden. Peter Klein ist einer der Organisatoren und Juroren des Ö1 Lyrik-Wettbewerbs "Hautnah", der Wortkünstler/innen aus ganz Österreich einlädt, Lyrik-Performances zu gestalten und auf CD oder DVD einzusenden.

Lyrik habe in einer technisierten, rationalisierten Welt kaum noch Platz, denn Lyrik funktioniere meist nur über die Ausschaltung des Gehirns, meint Peter Klein.

151 Performances wurden eingesandt, 20 von ihnen kamen in die engere Auswahl. Vier Preisträger wählt die Jury aus, ein fünfter wird bis Mitte Jänner über ein Online-Voting auf oe1.ORF.at bestimmt. Jede der fünf preisgekrönten Performances wird 2013 an einem Abend im RadioKulturhaus zu sehen sein.

Hautnah

Hugo Bettauer: "Der Kampf um Wien"

Als "Star der Popkultur, die damals noch nicht so hieß" wurde der Schriftsteller Hugo Bettauer in der "Neuen Zürcher Zeitung" beschrieben. Im Wien der 1920er Jahre schrieb er "Romane vom Tage", deren fiktionale Handlungen im Hier und Jetzt angesiedelt waren und so den Schein von Wahrhaftigkeit erzeugten, meint der Germanist Murray Hall.

Nach dem Kriminalroman "Hemmungslos" und dem Sittenbild "Die freudlose Gasse" ist im Milena Verlag nun auch Bettauers politischer Groschenroman "Der Kampf um Wien" erschienen. Erzählt wird darin von Ralph O'Flannagan, einem steinreichen Amerikaner mit österreichischen Wurzeln, der in das darniederliegende Wien der Zwischenkriegszeit reist, wo er als potenzieller Stadtsanierer von verschiedensten Repräsentanten aus Wirtschaft und Politik - allen voran Ignaz Seipel - vereinnahmt wird. Bald schon erkennt der mögliche Retter jedoch, dass in dieser Stadt zu viele Einzelinteressen im Spiel sind und das Gemeinwohl - allen großzügigen Investitionen zum Trotz - auf der Strecke bleibt.

Als Schriftsteller und Journalist unterstützte Hugo Bettauer diverse politische Tabuthemen wie etwa die Aufhebung des Abtreibungsverbotes und die Entkriminalisierung der gleichgeschlechtlichen Liebe. Seine Fortsetzungsromane, in denen er geschickt Sozialpolitik und Erotik verknüpfte, erschienen in hohen Auflagen. Vom Wiener Publikum geliebt und nicht selten mit Staraufgebot verfilmt, wurden sie von den Wiener Literaten jedoch mehrheitlich abgelehnt.

1925 wurde der gebürtige Jude Hugo Bettauer in seinem Büro in der Lange Gasse von einem illegalen NSDAP-Mitglied erschossen. Sein Werk geriet nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit - bis Murray Hall Ende der 1970er Jahre mit der literaturwissenschaftlichen Aufarbeitung des "Falls Bettauer" begann. Die Lektüre des vielleicht umstrittensten Autors der jungen Republik ist für ihn schon aus zeitgeschichtlichem Interesse lohnend.

Gestaltung: Stefanie Panzenböck , Franziska Dorau · zur Sendereihe

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