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Radiokolleg - Inklusion als Perspektive

Montag
04. Februar 2013
09:05

Leitlinien einer offenen Gesellschaft (1). Gestaltung: Beate Firlinger

Hinter dem Phänomen der Exklusion verbirgt sich eine explosiver werdende gesellschaftliche Realität, die in allen westlichen Ländern ein Problem darstellt. Welche Formen der Ausgrenzung gehen mit prekärer Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Armut einher? Warum verdichtet sich die sozial-räumliche Segregation besonders in den Städten? Wie können innovative Interventionsstrategien zur Inklusion beitragen?

Im ersten Teil des Radiokollegs erkundet Beate Firlinger die Dimensionen sozialer Exklusion und Inklusion.

I. Drinnen und Draußen

Der Begriff Exklusion wurde ab den 1980er Jahren von Frankreich aus in die politische und wissenschaftliche Debatte eingebracht. Rasch verbreitete er sich überall im westlichen Europa. Er sollte auf die individuellen und gesellschaftlichen Folgen der wiederkehrenden Arbeitslosigkeit und Armut aufmerksam machen. Nach einer Phase relativer Vollbeschäftigung und abnehmender Einkommensungleichheit nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die soziale Frage einen neuen Namen: Exklusion.
Im Begriff Exklusion bündelt sich das Bewusstsein einer tief greifenden gesellschaftlichen Veränderung, lautet der Befund des deutschen Soziologen Martin Kronauer. Der Professor an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht erforscht seit vielen Jahren die neuen sozialen Ungleichheiten. Mit Phänomenen der Ausgrenzung befasst er sich auch in seinem Buch: "Exklusion – Die Gefährdung des Sozialen im hoch entwickelten Kapitalismus".

II. Kommen und Bleiben

Der soziale Wandel erfasst mit seinen Brüchen und Übergängen vor allem den städtischen Raum. Denn weltweit findet Zuzug in den urbanen Zentren statt. Auch in Österreich, wo im Hauptanziehungsort Wien fast die Hälfte der gesamten Migrationsbevölkerung lebt. Grund dafür sind in erster Linie die Arbeitsplätze, aber auch die Communities der Einwanderer, die als Vermittlungsinstanz zur Aufnahmegesellschaft fungieren.
Migration hat sich immer schon ethnisch verdichtet niedergeschlagen. Das ist keine Besonderheit, sondern der Regelfall. Das integrative Potenzial der migrationsgeprägten Quartiere wird aber zu wenig bedacht, findet der Soziologe Kenan Güngör. Er befasst sich mit den Transformationsprozessen, sie sich im Kontext von Migration und Diversität abspielen. Der international tätige Berater betreibt in Wien das Büro "difference: Gesellschaftsanalyse.Innovation.Integration".

III. Vom Rand ins Zentrum

Im Berliner Arbeiterbezirk Neukölln liegt das Stadtviertel rund um den Reuterplatz. Ein Kiez, wie die Grätzel auf Berlinerisch heißen, der als sozialer Brennpunkt gilt. Hier ist auch das Quartiersmanagement Reuterplatz angesiedelt, das seit zehn Jahren das Gebiet betreut. Ein überaus hoher Anteil der Menschen im Stadtteil ist arbeitslos und bezieht Hartz IV oder ähnliche Transferleistungen. In manchen Klassen sind sämtliche Kinder wegen der Einkommenssituation der Eltern von Lernmittelzahlungen befreit.
2006 sorgte eine der Schulen im Reuterkiez weit über Berlin hinaus für Schlagzeilen. Lehrer verlangten in einem öffentlichen Brandbrief die Schließung der Rütli-Schule. Sie fühlten sich ohnmächtig angesichts eingetretener Türen, Attacken von Schülern und Chaos im Unterricht. Ein Hilferuf, der bildungs- und integrationspolitische Debatten in Deutschland auslöste. Mittlerweile ist der Reuterkiez jedoch von der Seite der Verzweiflung auf die Seite der Hoffnung gewechselt. "Integration durch Bildung" lautet dabei die Devise, wie die Quartiersmanagerin Ilse Wolter berichtet.

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