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Dimensionen - die Welt der Wissenschaft

Dienstag
12. Februar 2013
19:05

Atacama - Oase der Astronomen
Das ESO-Observatorium auf Cerro Paranal (Teil 2)
Gestaltung: Armin Stadler

Am Horizont versinkt die Sonne im Küstennebel des Pazifiks. Venus funkelt schon am Himmel, obwohl es erst dämmert. Die Astronom/innen kommen aus dem Kontrollraum, um zu verfolgen, wie sich die Dome der vier Teleskope öffnen. Mensch und Maschine erwarten die Nacht.

Wenn Chile schläft, beginnt für die Wissenschaftler/innen auf dem 2635 Meter hohen Cerro Paranal der Arbeitstag. Hier, in der Atacamawüste, nur 12 Kilometer vom Meer entfernt, zwei Autostunden südlich der Hafenstadt Antofagasta, befindet sich eines von drei Observatorien der "Europäischen Organisation für astronomische Forschung in der südlichen Hemisphäre" (ESO).

Das "Very Large Telscope"

Das "Very Large Telscope" (VLT) nimmt Bilder von Himmelsobjekten im optischen und infraroten Frequenzbereich des Lichts auf. Das VLT besteht eigentlich aus vier Hauptteleskopen mit Spiegeln von 8,2 Metern Durchmesser, die einzeln eingesetzt oder zu einem Interferometer zusammen geschaltet werden können. Dieses astronomische Argusauge sieht so scharf, dass es die beiden Frontlichter eines Autos am Mond voneinander unterscheiden könnte.

Außergewöhnliche Beobachtungen

Jeden Tag werden zwei wissenschaftliche Publikationen präsentiert, die auf Daten basieren, die das VLT geliefert hat. Mit diesem Hightech-Auge konnte erstmals beobachtet werden, wie Sterne das supermassive Schwarze Loch in der Mitte der Milchstraße umkreisen und dass der Kosmos sich offenbar immer schneller ausdehnt.

Das VLT hat den ältesten Stern in unserer Galaxie und den ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufgespürt. Der Stern ist 13,2 Milliarden Jahre alt; der Exoplanet, der einen Braunen Zwerg umkreist, fünfmal massereicher als Jupiter. Kein Wunder, dass die Beobachtungszeiten an diesem Teleskop heiß begehrt sind. Nur ungefähr jeder zehnte Antrag kann von einem internationalen Expert/innengremium bewilligt werden.

Das VLT ist also das aktuelle wissenschaftliche Flaggschiff der Europäischen Südsternwarte. Aber selbst mit freiem Auge wird der Blick in den Südsternhimmel über der Atacama zu einem Erlebnis, das einem in Europa verwehrt bleibt. Gebettet auf Sand, bedeckt von Sternen, sieht man hier das Zentrum der Milchstraße, die Magellanschen Wolken oder das Kreuz des Südens.

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