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Musik

Hector Berlioz: "Béatrice et Bénedict"

Samstag
20. April 2013
19:00

Aus dem Theater an der Wien eine Oper, der die Prädikate "rar" und "selten zu hören" wahrlich gut stehen.

Die Musik stammt von Hector Berlioz, die Handlung und der Text fragmentarisch von William Shakespeare und betitelt ist das Werk mit "Beatrice et Benedict".

Interpreten und Orchester

Mit Malena Ernman (Béatrice), Bernard Richter (Bénédict), Nikolay Borchev (Claudio), Christiane Karg (Héro), Ann-Beth Solvang (Ursule), Mikós Sebestyén (Somarone) u. a. Arnold Schoenberg Chor, ORF Radio-Symphonieorchester Wien; Dirigent: Leo Hussain (Live-Übertragung aus dem Theater an der Wien in Dolby Digital 5.1 Surround Sound)

Beatrice et Benedicte: Das ist eines von zwei Paaren, von denen in dieser Oper erzählt wird. Zum weiteren Inhalt: Ein Prinz kehrt zu Beginn der Oper siegreich aus einem Krieg zurück und bekommt dafür eine Prinzessin zur Frau versprochen. Zitat aus Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters: "Da beide sich lieben, ist alles in bester Ordnung."

 

Sehr nett. Aber wie soll daraus jetzt eine Oper werden? Wo ist auch nur der Hauch eines dramatischen Konflikts, der jetzt eine knapp zweistündige Oper befeuern würde? Das Erstaunliche an dieser Oper ist: Es gibt ihn tatsächlich nicht, den klassischen Konflikt, das Drama, sei es tragödisch oder komödiantisch gemeint. Es gibt nur eine erzählerische Antriebskraft: Sich einander in Liebe auszuliefern ist schon dramatisch genug für eine Oper.

Das hohe Paar hat und liebt sich beharrlich von Anfang bis zum Ende der Oper und das zweite Paar, nämlich Beatrice und Benedict, die beiden lieben einander ja eigentlich auch, aber verbringen ihre Zeit damit, arrogant, stolz und kratzbürstig rumzuzicken. Und das ist die eigentliche Handlung der Oper und da scheint eben noch ein Rest Shakespeare durch: Wie kriegt man zwei störrische Egozentriker dazu, sich aufeinander einzulassen.

Aber davon sind wir im Moment noch weit entfernt. Der Krieg ist aus, man beschwört die Liebe, wenn man Hero oder Claudio heißt, man spielt sich wichtigtuerisch und zickig auf, wenn man Beatrice oder Benedict heißt. Elegantes französisches Entertainment vom Feinsten, von den ersten Tönen der Ouvertüre an, geschrieben in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Wirklich "schön" im Sinne von hitverdächtig wird die Oper übrigens nach einer knappen Stunde, wenn sich Prinzessin und Zofe in einem wunderbar zarten Duett der Hoffnung auf erfüllte Liebe widmen.

Aber bis dahin gilt: nix is fix, einstweilen; eine Oper als permanente Zelebration der Unentschiedenheit; der Zweideutigkeit und der Zwischentöne.

Gestaltung: Christian Scheib · zur Sendereihe

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