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Gesellschaft

Diagonal - Radio für Zeitgenoss/innen

Samstag
27. April 2013
17:05

Diagonal zur Person Anton Schmid, Feldwebel. Ein Brigittenauer Elektrohändler als Held. Präsentation: Peter Lachnit
Anschl.: Diagonals Feiner Musiksalon: Slim Cessna's Auto Club: "An Introduction For Young And Old Europe"

Wie anders wäre wohl alles gewesen, wenn es mehr Menschen wie Anton Schmid gegeben hätte, überlegte Hannah Arendt in ihrem berühmten Bericht über die "Banalität des Bösen". Für Simon Wiesenthal war er "so etwas wie ein Heiliger". Der aus der Wiener Brigittenau stammende Elektrohändler gilt als einer der Helden des Widerstands im Zweiten Weltkrieg und ist dennoch in Österreich kaum bekannt. Im besetzten Litauen gelang es ihm als Feldwebel der Deutschen Wehrmacht, hunderte jüdische Menschen vor der Vernichtung zu retten, indem er sie für dringende Arbeiten requirierte und ihnen falsche Papiere verschaffte. Diese Tätigkeit flog auf, Schmid wurde am 13. April 1942 hingerichtet.

Von dem Mann mit dem Allerweltsnamen und dem Hitlerbärtchen sind nur wenige Dokumente und nur zwei Fotos erhalten. Seine Frau und seine Tochter, die auch nach 1945 Anfeindungen ausgesetzt waren, haben seine Taten nicht an die große Glocke gehängt. Jetzt hat der deutsche Militärhistoriker Wolfram Wette ein ausführliches Buch über Anton Schmid herausgebracht. Auszüge daraus hören Sie in der Sendung.

Inhaltsverzeichnis

Wilna, das Jerusalem des Nordens
So wurde Vilnius früher genannt, denn in der heutigen Hauptstadt Litauens stellten die Juden die größte Bevölkerungsgruppe. Von den Nationalsozialisten und ihren litauischen Helfern wurden sie zwischen 1941 und 1943 ermordet – und zwar in einem Ausmaß und in einer Geschwindigkeit, wie sonst in keinem anderen Land.

Gerechte unter den Völkern
1967 erhielt Anton Schmid die Anerkennung als "Gerechter unter den Völkern", als einer von 92 Österreicherinnen und Österreichern, die Juden versteckt und gerettet haben. Wie viele "Gerechte" gab es wohl in Litauen? Erich Klein gibt in seinem Beitrag die Antwort.

Der Retter von Wilna und der Schlächter von Wilna
Sie waren beide Österreicher: Anton Schmid der Retter, und als "Schlächter von Wilna" wurde Franz Murer bezeichnet. Der wurde 1962 in Graz freigesprochen und außerdem ordentlich gefeiert. Über Schmid und Murer diskutieren die Historikerin Brigitte Bailer und der Schriftsteller Doron Rabinovici.

Kleinmöbel und Musik
Ausschnitte aus dem Zeitzeugenbericht von Hermann und Anita Adler, er aus Nürnberg, sie aus Wien stammend, die beide von Anton Schmid gerettet wurden. In "Diagonals Feinem Musiksalon" Avantgarde-Country aus Denver, Colorado, davor Musik mit Bezug zu Wilna: von Giora Feidman und den Gruppen Kohelet und Gojim sowie Klavierimprovisationen des ukrainischen Musikers Lubomyr Melnyk von seiner CD "Corollaries".

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