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Musik

Philip Glass: "Spuren der Verirrten"

Freitag
12. April 2013
20:15

Oper in drei Akten für Sänger, Schauspieler, Tänzer, Chor und Orchester; Libretto nach dem gleichnamigen Stück von Peter Handke eingerichtet von Rainer Mennicken, Uraufführung anlässlich der Eröffnung des Musiktheaters Linz.

Mit Jacques Le Roux (C, Tenor); Karen Robertson (D, Sopran); Marin Achrainer (F, Bariton); Martha Hirschmann (G, Mezzosopran); Matthäus Schmidlechner (H, Tenor); Dominik Nekle (J, Bass); Elisabeth Breuer (K, Sopran); Christa Ratzenböck (Der Dritte) u.a.; Chor und Extrachor des Landestheaters Linz, Kinder- und Jugendchor des Landestheaters Linz, Gastchöre des Landes OÖ; Bruckner Orchester Linz, Dirigent: Dennis Russell Davies (live-zeitversetzte Übertragung aus dem Musiktheater Linz in Dolby Digital 5.1 Surround Sound). Präsentation: Barbara Rett

Mit dem Musiktheaterwerk, zu dem Intendant Rainer Mennicken nach einem Stück von Peter Handke das Libretto verfasst hat, wird am 12. April das neue Haus offiziell eröffnet. Damit steht Linz nicht alleine, ist Glass doch nach der Zahl der Inszenierungen der erfolgreichste lebende Opernkomponist.

Aus mehreren Interviews, die die APA mit den Protagonisten der Uraufführung geführt hat, finden Sie im Folgenden zentrale Passagen zusammengefasst.

Wie kam es dazu, dass Sie Philip Glass mit der Eröffnungsoper für das neue Musiktheater beauftragt haben?

Rainer Mennicken: Es war glückliche Fügung. Zum Kulturhauptstadtjahr 2009 hatten wir ja mit "Kepler" schon eine Uraufführung von Glass - und genau zu dieser Zeit lief bei uns die Diskussion, mit welchem Stück wir das neue Musiktheater eröffnen wollen. Wir waren uns schnell einig, dass wir etwas Heutiges machen und nicht mit den "Meistersingern von Nürnberg" eröffnen wollen. Dann hatten wir diese wundervolle Erfahrung mit "Kepler" - und das war unser Ausgangspunkt.

Philip Glass: Es war eine Ehre, gefragt zu werden, was ich nie erwartet hätte! Wenn man ein neues Opernhaus eröffnet, stellen sich so viele Fragen und Probleme. Und wenn man eine neue Oper herausbringt stellen sich viele Fragen und Probleme. Sich zwei solche Problemfälle mit einmal aufzuhalsen, finde ich sehr mutig. Das ist sehr ungewöhnlich.

Dass der Text "Spuren der Verirrten" von Peter Handke die Vorlage liefern würde, stand zu diesem Zeitpunkt schon fest?

Mennicken: Nein. Am Beginn der Gespräche kamen wir aber schnell zu dem Punkt, wo klar wurde, dass es etwas mit Österreich zu tun haben soll.

Glass: Ich glaube, wir haben dann die richtige Entscheidung getroffen. Bernhard wäre nochmal eine andere Generation, was natürlich auch interessant gewesen wäre. Aber dann haben wir das Theaterstück "Spuren der Verirrten" entdeckt - und es ist immer eine gute Ausgangslage, wenn eine Vorlage bereits theatral ist.

Zugleich wird dem Handke-Text stets vorgeworfen, zu essayistisch, geradezu anti-theatral zu sein...

Glass: Und es gibt Leute, die behaupten, dass ich nicht wirklich Opern schreibe. Das ist nur beides nicht wahr!

Mennicken: Bemerkenswert bei Handke ist, dass er den Figuren keinen Namen gibt und keinen Dialog im engeren Sinne hat. Deshalb sind die Figuren nur mit Buchstaben markiert - es gibt keinen Grund, ihnen Namen zu geben. Der ganze Text dreht sich im Grunde um das Theater und was auf der Bühne passiert. So können wir alle Sparten miteinbeziehen - Tänzer, Sänger, Schauspieler. Wir haben 200 Leute auf der Bühne. Und David Pountney setzt das Ganze mit britischem Humor um.

Wer hat Regisseur Pountney ausgewählt?

Glass: Das war Rainer, aber ich kenne David schon sehr lange und habe schon oft mit ihm gearbeitet. Er hat das Stück gelesen und gemeint: "Das ist unmöglich umzusetzen. Also machen wir's!"

David Pountney: Das Stück ist ziemlich außergewöhnlich, weil es auf diesem völlig abstrakten Text basiert - und dementsprechend abstrakt ist auch Glass' Musik. Man kann also auf die Bühne bringen, was man möchte! Ich habe mich für einen Kontext entschieden - aber jeder andere wäre ebenso möglich. In meiner Interpretation geht es darum, die technischen Möglichkeiten des Hauses auszuloten. Diese Oper ist eine Feier des Theaters. Und dabei drehe ich bisweilen die üblichen Verhältnisse um, wenn etwa am Ende das Orchester wie von Zauberhand auf der Bühne erscheint - ohne dass das Stück zu dem Zeitpunkt gestoppt hätte. So fährt der Orchestergraben hoch und ist leer!

Wie machen Sie das?

Pountney: Mit guter Organisation (lacht). Wir haben zusammen mit Glass ein Konzept für die Produktion erstellt, bevor er auch nur eine Note geschrieben hatte. Wir haben also die Grundrichtung vorgegeben, wenn Sie so wollen. Entlang dieses Regiekonzepts hat er dann sehr präzise die Oper komponiert. Das hat uns auch bei unserem kleinen Trick mit dem Orchester geholfen, weil auch dieser Effekt in der Partitur angelegt war.

Sie inkludieren darüber hinaus auch Tanz in Ihr Konzept?

Pountney: Der ist extrem wichtig. Eigentlich ist der Abend ein Ballett mit ein bisschen Oper. Und dann erscheinen auf der Bühne ganz viele Instrumente - vom Alphorn über die Zither bis zur Jazzband. Das ist der alpine Bezug.

Livestream

Die ORF TVthek streamt ab 18:30 Uhr live

Mehr zur Eröffnung in

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