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Dimensionen - die Welt der Wissenschaft

Donnerstag
01. August 2013
19:05

Revolutionärer Optimismus. Zum 80. Geburtstag des italienischen Soziologen, Philosophen und Politaktivisten Antonio Negri
Gestaltung: Nikolaus Halmer

Wie kaum ein anderer Intellektueller verkörpert Antonio Negri die personale Einheit von brillantem Theoretiker und engagiertem Revolutionär, der sich für eine gerechte Gesellschaft einsetzt.

Seit den späten 50er Jahren des 20. Jahrhunderts protestierte er in seinen Schriften und politischen Aktionen gegen das herrschende kapitalistische System, das für ihn ein Unrechtsregime darstellt. Speziell der ungehemmte Neoliberalismus mit seiner Gier nach "Immer mehr" ist laut Negri - gemeinsam mit der unersättlichen Profitgier einer geringen Anzahl von international vernetzten Bankern - für die heute weit verbreitete soziale Unsicherheit in den postindustriellen Gesellschaften Westeuropas und der Vereinigten Staaten verantwortlich.

Aufruf zum Widerstand

Gegen diese immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen einer vernetzten Elite von Finanzkapital und Politik ruft Negri zu radikalem Widerstand auf. Er ist von der Empörung der Benachteiligten, der sozial Exkludierten getragen. Negri spricht vom "Furor der Empörung", der sich bei den Kundgebungen der Globalisierungsgegner während der Gipfeltreffen von Seattle bis Heiligendamm manifestierte.

Empörung ist für ihn der Rohstoff für eine grundlegende Rebellion gegen das herrschende System, sie sei mehr als moralischer Protest gegen die Unterdrückung und die Ursachen kollektiven Leids: "Wenn wir unserer Empörung Ausdruck verleihen", postulierte Negri, "rebelliert damit unser Dasein als solches".

Die Macht der Vielen

Die "Multitude", das sind die Vielen, die sich nicht mehr dirigieren lassen; sie haben das Potenzial - so die optimistische Hoffnung Negris - eine neue gesellschaftliche Qualität zu produzieren, indem sie miteinander in Beziehung treten und gemeinsam handeln, sich global vernetzen und Wissen produzieren. Dabei erhalten positive Qualitäten wie Freude, Glück und Liebe einen zentralen Stellenwert; sie bestimmen die Praxis des Gemeinsamen, die sich der egomanischen Herrschaft des Besitzindividualismus entzieht.

Die Überwindung des kapitalistischen Systems

Negri bleibt aber nicht bei der Empörung stehen. Er hat konkrete Vorschläge, das kapitalistische System zu überwinden: Das garantierte Grundeinkommen für alle, das eine menschenwürdige Existenz ermöglicht; den Zugang zu einer umfassenden Bildung, die den Menschen befähigt, sich zu grundlegend zu informieren und die globale Staatsbürgerschaft, die die Möglichkeit bietet, sich gleichberechtigt an der Regierung der globalen Gesellschaft zu beteiligen.

Diese Voraussetzungen sollen eine neue gesellschaftliche Qualität schaffen, in denen Freude, Glück und vor allem die Liebe einen zentralen Stellenwert haben.

Gestaltung: Nikolaus Halmer · zur Sendereihe

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Service

Michael Hardt und Antonio Negri, "Empire. Die neue Weltordnung", Campus Verlag

Michael Hardt und Antonio Negri, "Common Wealth. Das Ende des Eigentums", Campus Verlag

Michael Hardt und Antonio Negri, "Demokratie! Wofür wir kämpfen", Campus Verlag

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