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Radiodoktor - Medizin und Gesundheit

Montag
14. Oktober 2013
14:05

Orthomolekulare Medizin: Nützen oder schaden Vitaminbomben?

Am 23. Oktober kommen Orthomolekular Mediziner aus Europa und den USA zusammen, um beim Ersten Internationalen Wiener Symposium für Orthomolekulare Medizin zu fachsimpeln.

Orthomolekulare Medizin - Online-Infomappe

Die Infomappe zur Sendung im PDF-Format zum Ausdrucken. Detaillierte Informationen zum Thema, Anlaufstellen, Buch-Tipps, Links und Adressen der Sendungsgäste.

Ziemlich im Trend - Nahrungszusatzstoffe

Obwohl die Orthomolekulare Medizin rund 50 Jahre alt ist, ist sie der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. ortho" (griechisch) bedeutet "richtig" bzw. "gut" - es werden also "gute" Moleküle medizinisch eingesetzt. Hinter dem etwas sperrigen Begriff Orthomolekulare Medizin verbergen sich nichts anderes als Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe - im Fachjargon als Mikronährstoffe bezeichnet - wie wir sie aus der Werbung für Nahrungsergänzungsmittel kennen. Mit diesen Präparaten werden bekanntlich jährlich Milliarden Euro weltweit verdient.

Das macht es für Orthomolekular-Mediziner auch nicht leicht, sich von den Werbeversprechen einer ganzen Branche zu distanzieren und seriös wahrgenommen zu werden. Auch die wissenschaftliche Studienlage kommt dieser Medizinform nicht gerade entgegen.

Wirkungsnachweis nicht erforderlich

Diese Präparate müssen kein medizinisches Zulassungsverfahren durchlaufen, daher gibt es meist keine zuverlässigen Studiendaten über Wirkungen und Nebenwirkungen. Da also nicht alles beweispflichtig ist, was auf den Packungen versprochen wird, ist es nicht unpraktisch, dass die Orthomolekulare Medizin von einem zweifachen amerikanischen Nobelpreisträger - dem Chemiker Linus Pauling - begründet wurde und zwar in den 1960er Jahren.

Pauling setzte die These in die Welt, dass viele chronische Krankheiten durch eine Unterversorgung mit Nährstoffen bedingt seien und hohe Vitamindosen, kombiniert mit Mineralstoffen und Spurenelementen, diese Krankheiten verhindern oder heilen können

Manche Orthomolekular-Mediziner verschreiben ihre Präparate in sehr hohen Dosierungen, die den Bedarf des Organismus bei weitem übersteigen.

Sendungsgäste

Im Funkhaus Wien:
Dr. Peter H. Lauda
Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Orthomolekular Mediziner
Veranstalter des 1. Int. Wiener Symposiums Orthomolekulare Medizin
Praxisgemeinschaft Hebragasse
Hebragasse 5/35
A-1090 Wien
Tel: +43/1/406 05 17
E-Mail: office@drlauda.at
Homepage: www.drlauda.at

Live zugeschaltet aus dem Landesstudio Innsbruck:

Univ.-Doz. Dr. Maximilian Ledochowski
Facharzt für Innere Medizin/Ernährungsmedizin
Anichstrasse 17
A-6020 Innsbruck
Tel: +43/512/56 13 50
E-Mail: office@fructose.at
Homepage: www.fructose.at

Moderation: Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz

Besonders heikel bei Krebs

Die zweite Grundannahme des Nobelpreisträgers und Chemikers Linus Pauling war: Unser Körper sei einem stetigen Angriff von freien Radikalen ausgesetzt, die u.a. Herzkreislauferkrankungen und Krebs verursachen können.
Um das zu verhindern werden vor allem Vitamin C, Vitamin E und Beta-Carotin verordnet, die antioxidativ wirken und die gefährlichen freien Radikale abfangen.

Kritiker der Orthomolekularen Medizin geben zu bedenken: Die Annahme, dass Vitamine immer "ortho" seien, stimme einfach nicht: Vor einigen Jahren musste z.B. eine Studie abgebrochen werden, da Raucher, die zum Schutz vor Lungenkrebs Betacarotin erhielten, häufiger ein Karzinom entwickelten.

Und unser Sendungsgast Univ.-Doz. Dr. Maximilian Ledochowski, Internist und Ernährungsmediziner gibt zu bedenken, dass viele Nahrungsmittel wie Mehl, Öl, Fertiggerichte etc., mittlerweile derart hohe Mengen an Vitamin C und Vitamin E enthalten, dass wir nun zu viele Antioxidantien zu uns nehmen und keine mehr künstlich zuführen müssen.

Eisen im Frühstücksmüsli?!

Längst werden Lebensmittel auch aus gesundheitlichen Gründen mit zusätzlichen Mengen an Mikronährstoffen versetzt. So wird seit Jahrzehnten in Österreich dem Salz Jod beigemengt, um die Bevölkerung vor dem jodmangelbedingten Wachstum der Schilddrüse, dem Kropf, zu schützen. Während diese Maßnahmen weitgehend akzeptiert sind, sind andere sehr umstritten. So wird in Deutschland seit einigen Jahren Teilen des Frühstücksmüslis Eisen beigefügt, ebenfalls ein Mikronährstoff. Das deutsche Bundesinstitut für Risikoforschung sieht das kritisch: "Da nach derzeitigem Stand des Wissens bei einer dauerhaft hohen Versorgung mit Eisen das Risiko für die Entstehung von Herz- und Krebserkrankungen steigt, rät das BfR davon ab, Lebensmittel mit Eisen anzureichern."

Diskutieren Sie mit!

  • Sind unsere Böden zu ausgelaugt, um nährstoffreiches Obst, Gemüse und Getreide gedeihen zu lassen und benötigen wir daher Nahrungsergänzungsmittel?
  • Brauchen Sportler Nahrungsergänzungsmittel?
  • Wie kann man sich davon überzeugen, einen Mangel an Mikronährstoffen zu haben?
  • Verträgen sich Ihre Vitaminpillen mit ihren übrigen Medikamenten?
  • Gibt es da Wechselwirkungen?
  • Wie merkt man, ob man eine Überdosis Nährstoffe zu sich nimmt?
  • Würden Sie bei Krebserkrankungen Mikronährstoffe zu sich nehmen?

zur Sendereihe

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