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Dimensionen - die Welt der Wissenschaft

Freitag
18. Oktober 2013
19:05

1. Wie unterscheidet man einen Herzinfarkt vom "Syndrom des gebrochenen Herzens"?
2. Die Flüchtlingspolitik der Tschechoslowakei 1933 bis 1938
3. Karl Ebner: NS-Täter aus Südtirol
4. Wer handelt mit, wenn wir etwas tun?

Redaktion: Franz Tomandl

1. Herzinfarkt oder "Syndrom des gebrochenen Herzens"? Biomarker ermöglichen Unterscheidung

Ungefähr zwei bis drei Prozent der Patienten, die mit einem Herzinfarkt- Verdacht in ein Krankenhaus eingeliefert werden, leiden am "Syndrom des gebrochenen Herzens". Die Patienten haben im Akutstadium die gleichen Symptome. In beiden Fällen treten Brustschmerz und Luftnot auf. Doch im Gegensatz zum Herzinfarkt sind beim "Syndrom des gebrochenen Herzens" die Herzkranzgefäße offen. Die Unterscheidung zwischen den beiden oft lebensbedrohlichen Erkrankungen ist bisher nur mit einer aufwändigen Herzkatheter-Untersuchung möglich. Sie ist für die nachfolgende Therapie wichtig. Jetzt haben Kardiologen der Medizinischen Hochschule Hannover und des Universitätsspitals Zürich Biomarker gefunden, mit denen sich das "Syndrom des gebrochenen Herzens" im Blut nachweisen lässt. Mit Christian Templin, Kardiologe, Leiter des Internationalen Takotsubo Registers, Universitätsspital Zürich. Autorin: Maria Mayer.

2. Unsichere Zuflucht - Die Flüchtlingspolitik der Tschechoslowakei 1933 bis 1938

Im Jänner 1933 kommt es zur Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland. Nur zwei Monate später wird das erste Konzentrationslager in Dachau eingerichtet. Unzählige politische Gegner der Nationalsozialisten und verfolgte Juden verlassen daraufhin das Land, viele fliehen in die Tschechoslowakei. In der bisherigen historischen Forschung überwiegt ein Bild der Tschechoslowakei als offene Zufluchtsstätte und Insel der Freiheit. Historiker haben die tschechoslowakische Flüchtlingspolitik in den 1930er-Jahren analysiert und die positive Darstellung revidiert. Für viele Flüchtlinge war die Situation in der Tschechoslowakei nicht besser als anderswo in Europa. Mit Katerina Capková, Institut für Zeitgeschichte der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, Prag; Michal Frankl, stellvertr. Direktor des Jüdischen Museums in Prag und Leiter der Abteilung "Jüdische Studien und Geschichte des Antisemitismus". Autorin: Marlene Nowotny.

Buchtipp:
Katerina Capková und Michal Frankl (deutsch von Kristina Kallert): Unsichere Zuflucht. Die Tschechoslowakei und ihre Flüchtlinge aus NS-Deutschland und Österreich 1933-1938, Böhlau Verlag.

3. Karl Ebner: NS-Täter aus Südtirol.

In Sachen NS-Aufarbeitung in einer Art "Verdrängungswettbewerb" mit Österreich zu stehen, attestiert der Historiker Thomas Mang Südtirol. Der Grund: Es gibt bisher nur wenige Forschungsarbeiten zur Rolle Südtirols in der NS-Zeit. Gestern Abend hat Thomas Mang die erste umfassende Biographie eines aus Südtirol stammenden NS-Täters vorgelegt. Karl Ebner war für die Deportation und Ermordung zehntausender Jüdinnen und Juden verantwortlich. Das hochrangige SS und Gestapo-Mitglied kann als Schreibtisch-Massenmörder bezeichnet werden. Mit: Thomas Mang, Historiker, Wien. Gestalterin: Tanja Malle.

Buchtipp: Thomas Mang: Die Unperson. Karl Ebner - Judenreferent der Gestapo Wien. Eine Täterbiographie, Edition Raetia Bozen.

4. Wer handelt mit, wenn wir etwas tun? Ein neuer Blick auf eine alte Fragestellung

Das Gefühl, von anderen, anonymen Mächten bestimmt oder manipuliert zu werden, ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch Ängste und irrationale Reaktionen auslösen - wobei diese "anonymen Mächte" unter ganz alltägliche Namen auftreten: als "die Massenmedien" zum Beispiel, als "die Politik" oder auch "die Märkte" - diese noch dazu gelenkt von der berühmten "unsichtbaren Hand". Abseits aller Verschwörungstheorien, die auf diese Weise genährt werden mögen, ist aber wohl nicht zu leugnen, dass unser aller vermeintlich individuelles und selbstbestimmtes Tun tatsächlich immer von vielen überindividuellen und uns nur vage bekannten Faktoren beeinflusst wird. Die Historikerin und Germanistin Karin Harrasser hat sich diese Woche, in einem Vortrag am Wiener Institut für Kulturwissenschaften, unter anderem mit der Frage beschäftigt, ob sich in unseren gegenwärtigen, hochgradig vernetzten Gesellschaften die Frage, wie selbstbestimmt und souverän das Individuum handeln kann, neu oder zumindest anders stellt. Mit Karin Harrasser, Historikerin und Germanistin, Wien. Autorin: Sabrina Adlbrecht.

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