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Kultur

Kabarett direkt

Freitag
11. April 2014
19:30

Hagen Rether exklusiv auf Ö1 mit "Liebe" (live aus dem Wiener Konzerthaus),
Moderation: Doris Glaser

"Hagen Rether ist zynisch, respektlos, politisch absolut unkorrekt und fabelhaft." So beschreibt das "Hamburger Abendblatt" den deutschen Kabarettisten, der 1969 in Bukarest geboren wurde und seit 1973 in Deutschland lebt. Auf der Bühne war Rether zuerst als Pianist zu erleben. Seit 2003 tourt er mit seinem Soloprogramm "Liebe", einem Work-in-progress-Programm, das er regelmäßig aktualisiert und variiert.

Kompromisslos in der Analyse, sind es vornehmlich gesellschaftspolitische Themen, die Hagen Rether bewegen. Der mit Preisen hochdekorierte Kabarettist am Klavier tarnt sich vordergründig als Charmeur. Im Plauderton bietet er seinem Publikum böse Wahrheiten über Medien, Kapital und Kirche - genau beobachtet und ohne Rücksicht auf Glaubenssätze oder politische Korrektheit. Die Welt wird immer komplizierter, und vor diesem Hintergrund enttarnt Rether gnadenlos die Verkäufer und Verkauften im immerwährenden Spiel um Macht, Einfluss und Verblendung.

"Sind Sie auch so froh, dass sie bei den Guten sind?", fragt Hagen Rether das Publikum immer wieder in ganz sanftem, scheinbar beiläufigen Ton. Ganz entspannt sitzt er auf der Bühne, ein großer, schlanker Mann in einem eleganten Anzug, die dunklen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Der Konzertflügel kommt erst später ins Spiel. Auf dem Klavier liegen die immer gleichen Requisiten: Bananen und ein Baseball-Schläger. "Der Schläger ist ein Versprechen, das bisher noch nicht eingelöst wurde. Ich warte noch drauf, ich hab ihn noch nicht verwenden müssen."

"Bio-Bananen" - das ist wie "Holzeisenbahn" oder "Microsoft works"

Seit 2003 trägt Rethers Solo den immer gleichen Titel: "Liebe", denn sein Programm sei eben auch wie die Liebe - unstet und schmerzlich, leise und laut. So rechnet er ab mit den politischen und wirtschaftlichen Missständen unserer Zeit.

"Ich wundere mich immer, dass die Leute sich wundern. Ich empöre mich höchstens über die Empörung." Auch so ein Merksatz von Hagen Rether. Man nennt ihn gern den zynischen Rächer, ja gar den Quentin Tarantino des politischen Kabaretts. Aber Hagen Rether ist ein Zyniker wider Willen. "Wie soll man denn", erklärt er im Interview, "zynische Sachverhalte anders erzählen als zynisch? Und was weh tut, ist nicht immer gleich zynisch, das ist schlicht und einfach nur wahr."

Jedes vernünftige Land hat seine Anschläge, wo sind die Anschläge in Deutschland?

Rethers intelligentes Polit-Kabarett ist höchst kurzweilig, verlangt dem Publikum aber trotzdem einiges an Konzentration ab, denn die Aufführungen seines Solos dauern meist drei bis vier Stunden. "Vielen Dank für Ihre Kraft" lobt Hagen Rether gegen Ende seines Auftritts all jene im Publikum, die tatsächlich bis Mitternacht durchgehalten haben und langsam erahnen, warum das Programm "Liebe" heißt. Steckt hinter allen scheinbar so bösen Betrachtungen doch immer die Menschenliebe eines Kabarettisten, der an die Ideale der Aufklärung und an die Möglichkeit zur Umkehr auch noch am Rande des Abgrunds glaubt.

Im April ist Hagen Rether wieder auf Österreich-Tournee. Und es ist eine kleine Sensation, dass Hagen Rether, der sich den Medien seit Jahren konsequent verweigert, für Ö1 eine Ausnahme macht und zugestimmt hat, dass sein Auftritt im Mozartsaal des Konzerthauses in Wien live in Ö1 in der Reihe "Kabarett direkt" übertragen wird.

Gestaltung: Doris Glaser · zur Sendereihe

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