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Musik
Festspielsender 2014

Marc Andre Dalbavie: "Charlotte Salomon"

Montag
28. Juli 2014
19:00

Uraufführung von Marc-Andre Dalbavies neuer Oper "Charlotte Salomon" nach Texten und Bildern der Berliner Malerin. Der Komponist leitet das Mozarteumorchester Salzburg. Mit Marianne Crebassa und Johanna Wokalek in der doppelt besetzten Titelpartie, Jean-Sebastien Bou, Geraldine Chauvet u.v.a.

Marc-Andre Dalbavies "Charlotte Salomon" ist eine der fünf szenischen Opern-Neuproduktionen, die heuer bei den Salzburger Festspielen zu erleben sind. Der französische Komponist hat die deutsch-französische Tragödie nach Texten und Bildern der Berliner Malerin Charlotte Salomon in Töne gefasst und mit zwei Frauen besetzt: Schauspielerin Johanna Wokalek gibt die "reale" Charlotte und Sopranistin Marianne Crebassa die Kunstfigur. Letztere überzeugte bereits im Vorjahr in "Lucio Silla".

Besetzung

Mit Johanna Wokalek (Charlotte Salomon), Marianne Crebassa (Charlotte Kann), Jean-Sebastien Bou (Doktor Kann, ein Arzt), Geraldine Chauvet (Franziska Kann / Eine Frau), Anaik Morel (Paulinka Bimbam), Frederic Antoun (Amadeus Daberlohn, ein Gesangspädagoge), Vincent Le Texier (Herr Knarre / Lageroberst), Cornelia Kallisch (Frau Knarre), Michal Partyka (Professor Klingklang), Eric Huchet (Papst Pius / Minister / Kunstprofessor / Polizist / Ein Mann)
Mozarteumorchester Salzburg; Dirigent: Marc Andre Dalbavie

(Live-Übertragung der Uraufführung aus der Felsenreitschule im Rahmen der Salzburger Festspiele 2014 in Dolby Digital 5.1 Surround Sound)

"Balanceakt zwischen subjektiver Fiktion und historischer Realität"

Charlotte Salomon war Berliner Jüdin, blutjung und Malerin auf Identitätssuche. 1939 ist sie vor den Nationalsozialisten nach Südfrankreich geflohen. Nach der Besetzung Südfrankreichs durch deutsche Truppen 1943 wurde sie in Nizza verhaftet, in das Sammellager Drancy bei Paris verschleppt und in Auschwitz-Birkenau ermordet.

"Nicht die durchaus dramatische Geschichte der Charlotte Salomon an sich hat mich fasziniert", erläuterte der 53-jährige Komponist im Gespräch mit der APA. "Es war vielmehr die herausragende Art, wie dieser künstlerische Mensch mit Exil in Südfrankreich, mit den Selbstmorden aller Frauen ihrer Familie und dem Verlust jeglicher Sicherheit mit künstlerischen Mittel umgegangen ist."

Charlotte Salomon hat Bilder ihrer persönlichen Geschichte gemalt und mit Texten ergänzt. Dazu soll sie permanent gesungen haben, Musik ihrer Zeit im Berlin der 20er Jahre, dann französische Musik, dazu Opern wie "Carmen" und "Freischütz" oder Lieder von Schubert. "Sie selbst hat ihr fiktives Selbst 'Charlotte Kann' genannt und sich auf die Reise in ihr Inneres begeben", so Dalbavie. "Wie in einem winzigen Boot auf dem stürmische Meer der Zeit. Das ist auch der Grund, warum wir uns für einen flachen, linearen und zweidimensionalen Bühnenraum entschieden haben. Nur so ist die Intimität dieser künstlerischen Identitätsfindung als Balanceakt zwischen subjektiver Fiktion und historischer Realität darstellbar", so der Komponist.

Vertonte Bilder

Rund 20 mit Texten ergänzte Bilder von Charlotte Salomon liegen der Komposition zugrunde. "Ich habe ganz nahe an diesen Bildern komponiert, Farben, Stimmung und Dynamik der Malerei in Klang umgesetzt sowie musikalische Zitate der für Salomon wichtigen Musik in meine Komposition eingebaut", erläuterte Dalbavie, dessen Orchestrierung für 65 Musiker (in Salzburg: Das Mozarteumorchester) "nicht für große Dramatik, dafür für maximalen Klangfarbenreichtum" ausgerichtet ist.

"Zwei Frauen in einer Seele"

Umgesetzt wird der komplexe Stoff durch eine Doppel-Besetzung, quasi mit "zwei Frauen in einer Seele". Schauspielerin Johanna Wokalek gibt die "reale" Charlotte in deutscher Sprache, während Sopranistin Marianne Crebassa die Kunstfigur "Charlotte Kann" in französischer Sprache verkörpert. Sämtliche Textpassagen stammen von Charlotte Salomon selbst.

"Charlotte Salomon" war übrigens die erste Oper, die Alexander Pereira als Intendant in Auftrag gegeben hat. Sie liege ihm daher auch "ganz besonders am Herzen", wie der scheidende Intendant im Gespräch mit der APA bekannte. "Perfekt" passe die zweiaktige Oper auch in das Generalthema "Krieg". Sie ist auch eine der sechs großen Opernproduktionen, die der künftige Chef der Mailänder Scala bei sich eingekauft hat.

Text: APA/Red.

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Salzburger Festspiele - Charlotte Salomon
Jüdisches Museum Berlin – Sonderausstellung "Charlotte Salomon", 2007

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