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Innovation.Leben

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Donnerstag
28. August 2014
16:55

Otelo eGen - Eine Genossenschaft in Oberösterreich erprobt eine neue Kultur der Zusammenarbeit.
Gestaltung: Beate Firlinger
Redaktion: Wolfgang Ritschl

Der Radiobeitrag als

Innovation.Leben - die Ö1 Sommerserie im Rahmen von Open Innovation

Bei der Aktion "Orte in Bewegung" war das Ö1 Publikum aufgerufen, Innovationen in österreichischen Gemeinden, Städten und Regionen vorzuschlagen. Gesucht waren Projekte und Initiativen aus den Bereichen Bildung, Umwelt, Kultur, Wirtschaft, Technologie und Soziales, die ihre Umgebung nachhaltig verändern. Eine Fachjury hat aus den Einreichungen 16 Projekte ausgewählt, die von 4. bis 28. August 2014 jeweils Montag bis Donnerstag um 16:55 Uhr in Ö1 vorgestellt werden. Alle 16 Projekte finden Sie hier.

"Auftrag der Genossenschaft ist es, einen Unternehmensraum zu schaffen, um wirtschaftlich verwertbare Ideen umzusetzen", erklärt Marianne Gugler, stellvertretende Obfrau der Otelo eGen. Das Kürzel eGen steht für "eingetragene Genossenschaft", eine Organisationsform, die von Mitgliedern der Offenen Technologielabore Anfang 2014 geschaffen wurde. "Es geht auch darum, dass in den Regionen spannende Arbeitsplätze entstehen, wo ich selbständig Dinge machen kann, die ich machen will. Und gleichzeitig bin ich angestellt und mit anderen in einer Gemeinschaft verbunden."

Zehn Entrepreneure wirken vorerst am Aufbau der Otelo eGen mit. Sie kommen vorwiegend aus dem ländlichen Raum Oberösterreichs. Mit Ausnahme von Marianne Gugler. Die Unternehmensberaterin arbeitet in Wien und studiert derzeit Gemeinwesenentwicklung in München, wo sie sich wissenschaftlich mit Genossenschaften befasst. "Ich bin da reingerutscht, wollte das ursprünglich nur beforschen", erzählt die Wirtschaftsexpertin. "Und ich habe den Leuten von Otelo zugehört und mir gedacht: Das ist so spannend, die gehen so gut miteinander um, da möchte ich auch Teil dieser Organisation sein, die optimal soziale, ideelle und ökonomischen Ziele zusammenbringt."

Genossenschaftliche Selbstanstellung

Im Vorfeld der Gründung galt es, komplexe rechtliche Aspekte zu klären. Es dauerte rund zwei Jahre, bis die Otelo eGen gemäß Genossenschaftsgesetz dem Raiffeisen-Revisionsverband beitreten konnte. Dieser half auch, eine firmenbuchtaugliche Satzung zu erstellen. Mit anfänglicher Skepsis, weil die Konstruktion eine ungewöhnliche Personalunion vorsieht: Die genossenschaftliche Selbstanstellung. "Uns unterscheidet von anderen Genossenschaften, dass die Eigentümer auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind", erläutert Martin Hollinetz, Initiator der Otelo eGen. "Das müssen wir intern ausbalancieren, weil das im österreichischen Rechtskontext unterschiedliche Rollen sind, die auch unterschiedliche Mechanismen der Kontrolle und Steuerung beinhalten."

Martin Hollinetz startete 2010 die Offenen Technologielabore in Oberösterreich. Mittlerweile gibt es neun Otelo-Standorte, wo etwa 3D-Drucker gebaut oder Fahrräder repariert werden. Die Initiative bietet abseits der Ballungszentren Freiräume, die Interessierte zum lustvollen Experimentieren mit Technik, Medien oder Kunst einladen. Dabei entstehen innovative Ideen, die über die Otelo eGen auch ökonomischen Nutzen bringen sollen. Ein gemeinschaftliches Unterfangen, das sich als Alternative zum Einzelkämpfertum der Ich-AGs positioniert.

Ausgewogene Work-Life-Balance

Für ihre Anstellung definieren die Entrepreneure, wie viel sie verdienen möchten, inklusive Versicherung und Steuern. Drei dieser selbst bestimmten Monatseinkommen haben sie aus Liquiditätsgründen als Einstiegsbeitrag eingezahlt. Im Gegenzug erhalten sie von der Genossenschaft soziale Absicherung und Gewinne, die in Form von Freizeit ausgeschüttet werden, gedacht als Beitrag zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance. "Wir sind ein bunter Haufen, Leute in unterschiedlichen Lebensphasen, mit Familie oder ohne, und da gibt es unterschiedliche Bedürfnisse", sagt der Hard- und Software-Entwickler Georg Ottinger, Obmann der Otelo eGen. "Und jetzt versuchen wir, ein Konstrukt zu designen, das all diese Bedürfnisse abdeckt."

Im Sinne ihrer Open-Source-Philosophie arbeiten die Otelistas an einer Art Handbuch, das die Erfahrungen mit der Genossenschaft auch anderen zugänglich machen soll. "Das Interesse ist unglaublich groß seitens vieler Gruppierungen, die nach einer neuen Kultur suchen, wie sie ihr unternehmerisches Potenzial ausleben können", berichtet Martin Hollinetz. Er erhält laufend Anfragen von Start-ups, die das Modell kopieren wollen. "Da bleiben wir dran. Das ist eindeutig ein ganz ein großes Thema für die Zukunft."

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Bei der Aktion "Orte in Bewegung" war das Ö1 Publikum aufgerufen, Innovationen in österreichischen Gemeinden, Städten und Regionen vorzuschlagen. Gesucht waren Projekte und Initiativen aus den Bereichen Bildung, Umwelt, Kultur, Wirtschaft, Technologie und Soziales, die ihre Umgebung nachhaltig verändern. Eine Fachjury hat aus den Einreichungen 16 Projekte ausgewählt, die von 4. bis 28. August 2014 jeweils Montag bis Donnerstag um 16:55 Uhr in Ö1 vorgestellt werden. Alle 16 Projekte finden Sie hier.

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