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Radiokolleg - Schwarmintelligenz

Dienstag
28. Juli 2015
09:05

Modell und Metapher (2). Gestaltung: Ilse Huber

Die Bienen bestätigen die Monarchie. Aber die Ameisen die Republik, hieß es in Gustave Flauberts Roman Bouvard und Pécuchet. Friedrich August von Hayek, einer der Begründer des Neoliberalismus, hat das egoistische Streben der fleißigen Bienen, das ohne Eingreifen eines planenden Zentrums funktioniere, als Beleg für den Vorteil seines marktgesteuerten Gesellschaftsentwurfs herangezogen. Internetaffine junge Menschen finden die Ameisen sympathisch, weil ihre Kommunikation wie beim TCP-IP Protokoll des Internets verlaufe, die Ameisen würden die gleichen Algorithmen anwenden wie wir in der Computerwissenschaft. Von der tatsächlichen Bienen- und Ameisenforschung ist der Weg nicht weit zu künstlichen Schwarmrobotern. Die sollen sich ähnlich gut selbst organisieren wie Bienen, Ameisen oder - ja - Kakerlaken

Von Tieren über Roboter zu Menschen

Stare, Bienen, Ameisen oder Sardinen - sie schaffen es, sich gemeinsam zu formieren. Sei es in der Luft, am Boden oder im Wasser. Der Schwarm, an dem ein Räuber scheitert, ein Schwarm, der mit unsichtbarer Hand seine Bewegungsrichtung ändert, ein Schwarm, dessen Teilnehmer zur gleichen Zeit das Gleiche tun - ein Phänomen! Nicht nur in der Natur ist das Schwarmverhalten Vorbild, sondern auch in der technischen, ökonomischen und organisierten Welt. Roboter agieren mit- und aufeinander, erfüllen gemeinsam Aufgaben, die für einen einzelnen unmöglich sind. Elektronische Systeme und Software-Agenten setzen auf die Kraft des Kollektiven, die eine neue Form der Künstlichen Intelligenz hervorbringt, die sich selbst organisiert, indem sie Fehler wahrnehmen und daraus lernen kann.

Auch in der Welt der Ökonomie taucht der Begriff immer öfter auf: Schwarmfinanzierung, also Crowdfunding bzw. Crowdinvestment. Inzwischen braucht man keine Bank mehr, um zu Geld zu kommen. Auf Crowdfunding-Plattformen werden Ideen und Projekte präsentiert und von vielen Geldgeber/innen finanziell unterstützt.

Kommunikation, Koordination und Konstruktion sind wesentliche Merkmale eines Schwarms. Man nimmt einander wahr - auf welche Weise auch immer - und reagiert, auch auf Umweltbedingungen. Schwärme haben unterschiedliche Gestalt, die sich als "Formation" beschreiben lässt. Mitunter verändert sich dadurch auch die Physis der Einzelwesen - siehe Heuschrecken.

Das Schwarmverhalten der Natur ist Modell, Vor- und Sinnbild intelligenten Lebens. - Ilse Huber taucht in die Welt der selbstorganisierten Masse ein und beleuchtet ihre Grenzen und Potenziale.

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