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Radiokolleg - Tropicalismo und MPB

Dienstag
08. September 2015
09:45

Brasiliens Musik unter der Militärdiktatur
(2). Gestaltung: Ulla Ebner

In den 1960er Jahren hält das Fernsehen Einzug in Brasilien. Dank des "Milagre Brasileira", des brasilianischen Wirtschaftswunders können sich immer mehr Familien ein eigenes Fernsehgerät leisten. Das freut auch das brasilianische Militärregime. Denn einerseits kann die Regierung so ihre eigene Propaganda besser verbreiten, andererseits soll das Volk durch Unterhaltung ruhig gestellt werden. Brot und Spiele auf Brasilianisch.



1967 erreicht Gilberto Gil mit "Domingo no parque" den zweiten Platz beim Festival in Sao Paulo.

Der Musiker und das Lampenfieber

Weshalb der junge Gilberto Gil 1967 um ein Haar gar nicht aufgetreten wäre.

Das Fernsehen zeigt im Hauptabendprogramm Musikprogramme. 1965, ein Jahr nach dem Militärputsch, beginnt die Ära der großen Musikfestivals in Brasilien. In São Paulo veranstaltete jährlich der Fernseh-Sender Record TV ein Festival der brasilianischen Populärmusik (MPB). In Rio de Janeiro der Sender TV Globo. Die Menschen sollten konsumieren, tanzen, singen und bloß nicht über Politik nachdenken. Die Musikfestivals werden Publikumsmagnete.



Festival 1967: Der Liedermacher Sergio Ricardo zertrümmert vor Wut seine Gitarre, weil er vom Publikum ausgepfiffen wird.

Trotzdem werden diese Festivals auch zum Ort des Widerstands: Politische Liedermacher/innen und Vertreter der Música Popular Brasileira (MPB) stellen sich dort ebenso der Jury, wie Vertreter/innen des sogenannten "Tropicalismo". Diese Bewegung rund um Caetano Veloso und Gilberto Gil übt in ihren Texten versteckte Kritik an der Diktatur und entwickelt kreative Wege, die Zensoren auszutricksen. Die politisch motivierten Künstler/innen stellen sich den eher unpolitischen Musiker/innen der Jovem Guarda ("junge Garde") entgegen. Auch unter den Fans bilden sich verschiedene musikalische Lager. Und manchmal ging es da so wild zu, dass Bands aufgrund der Pfiffe und Buh-Rufe ihre Performance abbrechen mussten.

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