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Radiokolleg - Tropicalismo und MPB

Mittwoch
09. September 2015
09:45

Brasiliens Musik unter der Militärdiktatur
(3). Gestaltung: Ulla Ebner

1968, vier Jahre nach dem Militärputsch, beginnen in Brasilien die sogenannten "bleiernen Jahre". Nach großen Massenkundgebungen gegen die Regierung, schlägt das Militärregime eine härtere Gangart ein: Bürgerrechte werden außer Kraft gesetzt, die Zensur verschärft, Regimegegner gnadenlos verfolgt.

Zu dieser Zeit erlebt die brasilianische Musik eine Hochblüte. Die sogenannte Musica Popular Brasileira (MPB) betont "das Brasilianische" in der Musik. Sie verwendet ausschließlich akustische Instrumente, um sich gegen den US-amerikanischen Kulturimperialismus abzugrenzen. Der Tropicalismo wiederum verwendet aus Protest dagegen erst recht E-Gitarren und vermischt internationalen Rock und Pop mit brasilianischer Folklore.

Musiker, wie Caetano Veloso, Gilberto Gil und Chico Buarque üben in ihren Texten versteckte Kritik an der Diktatur und entwickelt kreative Wege, die Zensoren auszutricksen. Chico Buarque etwa erfindet den fiktiven Künstler "Julinho de Adeleide", unter dessen Namen er Lieder veröffentlicht, nachdem er selbst ständig Probleme mit der Zensur hatte.



"Du kannst mich vielleicht nicht ausstehen, aber deine Tochter mag mich", singt Julinho de Adeleide aka Chico Buarque. Die Tochter von Diktator Ernesto Geisel war bekennder Chico Buarque-Fan.

CD kaputt?

Musikethnologin Regine Allgayer-Kaufmann über ein besonders auffälliges Dokument einer Zensur.

Gleichzeitig erlebte die Musikindustrie einen Boom. Die Künstler hatten Verträge mit Plattenfirmen, wonach sie pro Jahr eine Platte herausbringen mussten. Wenn die Zensur ganze Lieder strich, war das nur schwer zu schaffen – und schlecht für die Produktionsfirmen. Daher wurde immer wieder um einzelne Sätze und Wörter gefeilscht.

Und doch trifft schließlich auch viele Künstler/innen die harte Hand der Militärs. Viele werden verhaftet und flüchten ins Exil. Ihre Lieder werden schließlich zu Hymnen der Protestbewegung gegen die Diktatur.



1973 versuchen Chico Buarque und Gilberto Gil vergeblich, auf einem Festival das verbotene Lied "Cálice" zu singen. Die Veranstalter drehen den Strom ab.

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