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Radiokolleg - Die Macht der Prognosen

Dienstag
22. September 2015
09:05

Lässt sich die Zukunft berechnen?
(2). Gestaltung: Margarethe Engelhardt-Krajanek

Wenn Sie sich je gefragt haben, wieso Ihnen der Internethändler so gezielte Angebote machen kann, dann sind Sie jetzt bei uns genau richtig.

Es geht einmal mehr ums Datensammeln, um die Datenanalyse und um die mathematischen Hochrechnungen, die auf dieser Basis erstellt werden. Sie alle kennen nur ein Ziel: ganz speziell auf Sie zugeschnittene Werbestrategien zu erstellen!

Radiokolleg zum Mitreden

Lässt sich die Zukunft berechnen? Wie verändern computergenerierte Vorhersagen unsere Gesellschaft? Margarethe Engelhardt-Krajanek lud am 22. September um 19:30 Uhr zur Diskussion im RadioKulturhaus zwischen Fachleuten und Publikum. Von diesem Angebot haben zahlreiche Hörer Gebrauch gemacht.

Die Diskussion im RadioCafe

Regenschirm oder Windjacke? Wetterprognosen helfen, Alltagsentscheidungen zu planen und sich für Unannehmlichkeiten zu rüsten. Wer umsichtig ist, stimmt sein Verhalten darauf ab.

Auch in der Wirtschaft und im Bankgeschäft zählen die Prognosen zu entscheidungsbeeinflussenden Faktoren. Sie lenken die Investitionsströme global vernetzter Unternehmen. Unser Denken und Handeln wird immer mehr von Wahrscheinlichkeiten bestimmt. Deren Grundlagen sind Daten.

Von den Staatsausgaben bis zum Konsumverhalten einzelner: die Informationen werden gesammelt und mit Hilfe Computer generierter Suchmaschinen sortiert, kategorisiert und nach Fragestellungen zusammengefügt.

Die wichtigste Quelle ist heute das Internet. Daten sind heute zu einem Wirtschaftsfaktor geworden. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter liefern den Marketingstrategen kostenlos Infos zu den Persönlichkeitsprofilen der User/innen.

Analysiert werden die Verwendung von Satzzeichen, sogenannte Schlüsselwörter, die Länge der Beiträge und wie oft sich jemand zu Wort meldet. Darauf werden Produktwerbungen abgestimmt. Und wer einmal per Internet einkauft, erhält noch Wochen später Angebote zum gleichen oder ähnlichen Artikel.

Doch auch ein simples Handy wird zur ergiebigen Informationsquelle. Es verrät nicht nur, wie viel, und wie häufig jemand telefoniert. Vom Aufstehen bis zum zu Bett gehen lassen sich räumliche Bewegung und Verweildauern der Zielperson ablesen. Apps geben Auskunft über den Musikgeschmack, die Lieblingszeitung und ob jemand ein Fahrrad benutzt oder die U-Bahn.

Ohne die Grenzen der aktuellen Rechtsprechung zu verletzen, erhalten Analyst/innen Zugang zu Informationen jedes Bürgers und jeder Bürgerin. Daraus leiten sie Prognosen ab. Vom Ist-Zustand wird auf wahrscheinlich zukünftiges Verhalten hochgerechnet und Angebote unterbreitet.

Nur selten bekommen wachsam-kritische Konsument/innen Einblicke in ihre Datenprofile. Denn Daten sind zur heißen Ware geworden. Das Geschäft mit der Wahrscheinlichkeit wird zum Machtfaktor.

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