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Musik

Zeit-Ton

Mittwoch
13. Jänner 2016
23:03

Zeit-Ton Magazin. Rückblick, Vorschau und aktuelle Veröffentlichungen. Gestaltung: Susanna Niedermayr

Im ersten Zeit-Ton Magazin dieses neuen Jahres lassen wir noch einmal das vergangene Jahr Revue passieren, konkret das metamusic-Jahr 2015. Mit einem Ausblick in die Zukunft: In den kommenden drei Jahren wird das Projekt, in dessen Rahmen die Künstlergruppe alien productions seit 2012 in enger Kooperation mit der ARGE Papageienschutz Musikinstrumente für Papageien entwickelt, eine PEEK-Förderung des Wissenschaftsfonds FWF erhalten (PEEK steht für Programm zur Entwicklung und Erschließung der Künste).

Während des Höhenrausches 2015, der dem Geheimnis der Vögel auf die Spur zu kommen versuchte, lebte eine Gruppe von 19 Graupapageien und zwei Amazonen ganze fünf Monate lang in einer speziell für diesen Anlass konstruierten Klangvoliere auf dem Dach des OK, des Offenen Kulturhauses in Linz. Die Voliere war mit diversen mechanischen und elektronischen Instrumenten und Klangerzeugern ausgestattet, die laufend weiterentwickelt wurden. Auch vier Konzertmatineen mit Gastmusiker/innen fanden statt.

Sound in the Anthropocene

Und der Literatur- und Kulturwissenschaftler Daniel Gilfillan wurde von alien productions zu einem einwöchigen Forschungsaufenthalt eingeladen. Er arbeitet soeben an einem Buch mit dem Titel "Sound in the Anthropocene: Sustainability and the Art of Sound". metamusic ist eines jener Projekte, die Gilfillan als Beispiel dienen werden; um die herum sich seine theoretischen Überlegungen ranken werden. metamusic sei ein Ort der Begegnung, an dem sich zwei Entwicklungslinien miteinander verflechten, jene der involvierten Menschen und jene der involvierten Papageien. Vielleicht gelingt es uns Menschen nicht, die Papageien wirklich zu verstehen, aber die Auseinandersetzung mit den Vögeln kann uns dabei helfen, ist der Wissenschaftler überzeugt, uns selber besser zu verstehen. Der Neugierde kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, das sei die zentrale Erkenntnis, die er bei seinem Forschungsaufenthalt in Linz gewonnen hätte. Einmal, schildert Gilfillan, nahm ihn die Biologin Iris Baldinger sogar mit in die Voliere.

Gegenseitige Neugierde

„In der Voliere kam ich unmittelbar mit der Intelligenz dieser Vögel in Kontakt, und mit ihrer Neugierde. Ich glaube die gegenseitige Neugierde ist der Motor dieses Projektes, und Neugierde ist auch der Motor eines jeden künstlerischen, eines jeden kreativen Prozesses. Wären wir keine neugierige Spezies, dann würden wir vermutlich noch immer in Höhlen leben, unsere Neugierde hat die gesellschaftliche Entwicklung vorangetrieben. Leider wird sie heute immer öfter unterdrückt, dort nämlich wo Menschen gegen andere Menschen kämpfen. In der Auseinandersetzung mit Tieren können wir unsere Neugierde wiederfinden, wenn wir Information als ein Art Netzwerk begreifen und Kommunikation als Ökosystem. Wenn wir uns immer mehr entfernen, von den Möglichkeiten, die uns unsere Neugierde eröffnet, dann werden wir uns eines Tages wohl nicht mehr so gut leiden können, als Spezies. Und ich finde, dass alien productions es ganz wunderbar verstehen mit ihrer künstlerischen Praxis diese Neugierde in uns zu wecken.“

Absteckung eines neuen Forschungsfeldes

Drei Jahre lang wird metamusic also nun gefördert werden, im März geht es los. Dafür werden die bisherigen Forschungsfragen, Thesen, Beobachtungen und Erkenntnisse soeben kanalisiert, fokussiert und in einem Viersäulenmodell miteinander vernetzt. In dem sich dabei aufspannenden Forschungsfeld greifen die Bereiche Kunst, Zoologie, Kulturwissenschaft und Interface Design ineinander. Für letzteres haben alien productions Martin Kaltenbrunner und Reinhard Gupfinger vom Institut Interface Culture der Kunstuniversität Linz ins gemeinsame Boot geholt. Gupfinger, der das erste Mal von metamusic in einem Zeit-Ton Magazin hörte, beschäftigt sich beim Institut Interface Culture insbesondere mit einem neuen Bereich innerhalb der Forschungsdisziplin Musical Interface Design, das die Abkürzung ACI trägt. „ACI steht für Animal Computer Interaction Design“, erklärt der Künstler und Interface Designer. „Das Thema ist also wirklich hochspannend und aktuell und ich freue mich sehr auf die Arbeit.“

Die Initialzündung für metamusic lieferten 2012 das ORF musikprotokoll im steirischen herbst und das Festivalnetzwerk ECAS/ICAS der European und International Cities of Advanced Sound.

Gestaltung: Susanna Niedermayr · zur Sendereihe

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