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Religion

Gedanken für den Tag

Montag
20. März 2017
06:56

von Oliver Tanzer, stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Furche". "Vom Garten und seinen Mehrwerten". Gestaltung: Alexandra Mantler

Auf in den Garten!

Was ist der Mensch nicht für ein großartiges Wesen. Er hat sieben Weltwunder gebaut und er hat die Rätsel der Welt benannt, er hat die Relativitätstheorie erdacht und wenn wir es ganz alltäglich sehen: er hat Ö1 erfunden und das Morgenjournal. Das ist nicht nichts. Der Mensch ist ein Denker und ein Logiker, also schon etwas Besonderes. Ganz genial.

Aber gerade wenn es Frühling wird und die Temperaturen steigen wie in diesen Tagen auch, dann ändert sich das Bild. Gehen Sie einmal im Frühjahr in einen Gartenmarkt, da sehen Sie die Menschen ganz anders. In ihrer ganz unlogischen Natürlichkeit. Allein, zu zweit, in ganzen Gruppen sieht man sie vor einfachen Pflanzen in die Knie gehen, Blätter zart betasten, jede Faser eines Grashalms innig betrachten.

Und zu Hause sieht man sie schon seit Frostende in ihrem Garten - vollkommen unlogisch. Sie ruinieren sich die Wirbelsäulen beim Umstechen und Torfen, beim Einpflanzen und Aussäen. In ihren Wohnungen hört man sie sogar mit ihren Gummibäumen sprechen während sie zärtlich Wassernebel aus Fläschchen versprühen. Von Kosten und Nutzen ist da längst keine Rede mehr.

So gesehen ist es nicht ganz erstaunlich, dass dieser Hang zum Grün unsere ganze Kultur prägt? Dass der Mythos des Menschen in einem Garten beginnt und in unserer Hoffnung dort auch endet. Im Garten Eden, im Paradies. Und alles dazwischen ist der mehr oder weniger steinige Weg dorthin. Vielleicht sind wir also auch viel intensiver mit den Gesetzen des Gartens verbunden, als uns das scheinen mag. Und vielleicht gleichen sogar die scheinbar logischen Gesetze unseres Lebens viel mehr den Gesetzen des Gartens als uns das bewusst ist.

Jedes Mal bei einer Krise besinnt man sich ja beispielsweise dieser Gesetze und zitiert die schöpferische Zerstörung der Märkte. Wir denken, wie originell ist das, die Konjunkturzyklen so zu sehen. Dabei kann man das gleiche jedes Jahr auch in einem Blumenbeet beobachten. Und vielleicht deshalb stehen wir, Ökonomen oder nicht, so fasziniert vor den Blumen des Frühlings. Weil wir eine Ahnung vom Leben bekommen. Und weil diese Ahnung gefeiert werden soll.

Gestaltung: Alexandra Mantler · zur Sendereihe

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