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Radiokolleg - Lexikon der österreichischen Popmusik

Montag
20. März 2017
09:45

Hannes Patek, Georg Danzer, Chuzpe, Wanda (1). Gestaltung: Thomas Mießgang und Walter Gröbchen

Im Januar 2017 hat das Radiokolleg eine Langzeit-Serie zur Geschichte der österreichischen Popmusik gestartet. Von "Ambros bis Qualtinger" von "Danzer bis Wanda" wird das Leben und Werk einzelner Musiker/innen und Bands dokumentiert, ihre Bedeutung für die österreichische Musiklandschaft reflektiert und ihr Beitrag zu einer kritischen Gegenkultur gewürdigt.

Die zweite Lieferung beginnt mit dem heute beinahe vergessenen Conferencier und Teilzeitsänger Hannes Patek, der im Albert Sever-Saal im 16. Bezirk aus dem "Tanztee der Jungen Generation Ottakring" den Star Club Vienna formte. Diese nach dem Star Club Hamburg benannte Tanzveranstaltung war die Wiege der Wiener Beat-Bewegung und machte Bands wie die Austrian Evergreens, V-Rangers oder Beatniks zu lokalen Heroen.

Autogrammkarte, Hannes Patek

Und Hannes Patek brillierte sowohl als Turbo-Conferencier wie auch als Rock 'n' Roll-Shouter, der schnell hinter der Bühne mit einer Revox-Bandmaschine flotte Nummern wie "Skinny Minny" aufnahm.

Der im Jahr 2007 verstorbene Georg Danzer ist heute vor allem als Interpret von Juxliedern wie "Jö schau" oder "Der Tschik" in Erinnerung geblieben. Doch sein Beitrag zum Austropop, den er mitbegründet hat, war viel größer: Danzer gehörte zu einem Zirkel junger Komponisten und Interpreten, die sich in Gerhard Bronners Fledermaus-Bar trafen und schrieb unermüdlich Lieder für sich und andere wie beispielsweise die Gruppen Madcaps und Malformation. Mit dem Album "Ollas leiwand" erzielte er 1975 seinen Durchbruch als ernstzunehmender Chansonnier, als Mitglied der All Star Band "Austria 3" wurde er in den 1990er Jahren endgültig als Mitgestalter einer spezifisch österreichischen Soundkontur kanonisiert.

Die Gruppe Chuzpe war ab den späten 1970er Jahren die erste Wiener Punkband, die diesen Namen verdiente. Das minimalistische Trio um den Sänger und Texter Robert 'Räudig' Wolf, der seinen Beruf als Postbediensteter trotz beachtlicher musikalischer Erfolge nie aufgab, schaffte es, die international beschworene No Future-Stimmung überzeugend ins Wiener Raunzer-Milieu zu übertragen: Songs wie "Panik Alanig" oder "Beislanarchie" maßen einer Epoche den Puls, die Punk eher als "heiße Viertelstunde" (Fritz Keller) erlebte, denn als musikalische Weltrevolution. Dass Chuzpe mit einer Coverversion von Joy Divisions "Love will tear us apart" schließlich noch ein Ö3-Hit gelang, war eine schöne Volte der Pophistorie.

Die Gruppe Wanda, die den Austro-Viererpack im März beschließt, ist eine der jüngsten Erfolgsgeschichten der heimischen Musikgeschichte: Eine klassische Buben-Gang in der Tradition der Stones oder der Pretty Things, ein Sound, der nach Blut, Schweiß und Bier schmeckt, ein näselnder Gesangsstil, bei dem man Echos von Falco heraushören kann und griffige Slogans wie "1,2,3,4, es ist so schön bei dir" trugen dazu bei, dass die Combo innerhalb von zwei Jahren vom Geheimtipp zum Crowdpleaser wurde, der sogar die Wiener Stadthalle füllt. Motto: "Gib mir alles, Baby, alles was du hast".

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Gestaltung: Thomas Mießgang , Walter Gröbchen · zur Sendereihe

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