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Radiodoktor - Medizin und Gesundheit

Montag
20. März 2017
14:05

Diabetes bei Kindern - Betroffene und Familien werden nicht ausreichend unterstützt

Anlässlich des ORF Schwerpunktes zum Thema Zucker widmen wir uns heute den vielfältigen Problemen rund um den Typ-1-Diabetes.
Die Liste der Forderungen von Expertinnen und Experten ist lang. Mehr Geld für die spezialisierten Kinder-Ambulanzen, mehr psychologische Planstellen zur Unterstützung der betroffenen Familien, mehr Aufklärung für Kindergärten und Schulen und
und schließlich eine bessere Regelung des Übergangs von der Kinder- zur Erwachsenenmedizin, damit eine Kontinuität im Betreuungsangebot gewährleistet werden kann.

Rätsel Typ-1-Diabetes

Der juvenile Diabetes stellt die Medizin vor große Rätsel: Man kennt weder die Ursachen, noch weiß man, warum diese Diabetesform so stark im Steigen begriffen ist. In Österreich sind etwa 1.500 Personen unter 15 Jahren davon betroffen. Die Zahl der Erkrankten hat sich seit der Jahrtausendwende verdoppelt. Und nicht nur das, es trifft auch immer jüngere Kinder.

Immunsystem zerstört Insulin produzierende Zellen

Der sogenannte Typ-2-Diabetes ist hauptsächlich selbstverantwortet - weil Folge eines ungesunden Lebensstils.
Ganz anders jedoch beim Typ-1-Diabetes, unter dem etwa 10 Prozent aller Zuckerkranken leiden. Zu Grunde liegt eine Fehlreaktion der Körperabwehr. Die Insulin-produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse werden zerstört. Die genaue Ursache dafür ist wie gesagt trotz aller Forschungsanstrengungen noch ungeklärt - auch wenn man aus Zwillingsstudien weiß, dass es eine genetische Komponente gibt. Viruserkrankungen, Umweltfaktoren und Nahrungsbestandteile stehen ebenfalls im Verdacht an dem Geschehen mitzuwirken, das letztlich den Autoimmunprozess auslöst.

Moderation und Sendungsgäste:

Moderation:
Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz

Sendungsgäste im Funkhaus Wien:
Priv.-Doz.in Dr.in Elke Fröhlich-Reiterer
Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde; Klinische Abteilung für allgemeine Pädiatrie; Medizinische Universität Graz

Mag.a Caroline Culen
Klinische und Gesundheits-Psychologin, Supervisorin, Mitbegründerin des Vereins CUKO

Ansgar Gustafson
Schüler, 15 Jahre alt, Diabetes Typ 1

Kaum Wissen bei den betroffenen Familien

Ein Drittel aller Typ-1-Diabeteserkrankungen wird leider erst in einem hoch akuten und lebensbedrohlichen Stadium erkannt, was auch am mangelnden Wissen der Eltern liegt. Wenn es sich um Kleinkinder handelt, ist die richtige Interpretation der Symptome noch viel schwieriger, auch weil Eltern in diesem Alter gar nicht mit dem Ausbruch dieser chronischen Krankheit rechnen.

Erste Anzeichen

Mit fortschreitender Zerstörung der Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse kommt es zu Symptomen. Dazu gehören: großer Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Gewichtsverlust und Übelkeit. Der Typ-1-Diabetes kann sich innerhalb weniger Wochen entwickeln.

Viel Reife erforderlich

Mit Typ-1-Diabetes zu leben erfordert permanente und lebenslange, bewundernswerte Disziplin. Der Blutzuckerspiegel muss täglich kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert werden, um gefährlichen Akutkomplikationen - wie etwa dem diabetischen Koma – und körperlichen Spätfolgen vorzubeugen. Die Nahrungsaufnahme setzt immer eine gewisse Planung voraus. Was bei Kindern in der Regel ganz gut funktioniert, kann gerade für junge Menschen in der Pubertät eine Herausforderung bedeuten, da es in der Phase der Adoleszenz wichtig ist, Grenzen zu überschreiten, um sich selbst zu erfahren.

"Ich habe es im Griff"

Dass man dieser Erkrankung aber auch positive Aspekte abgewinnen kann, beweist unser jugendlicher Studiogast. Ansgar Gustafson‘s Umgang mit der Erkrankung kann andere Betroffene inspirieren. Er betreibt mehr Sport, lebt bewusster und gesünder und seine schulischen Leistungen haben sich gebessert, sagt er.

Das Umfeld ist nicht immer kooperativ

Aber nicht allen Kindern und Jugendlichen geht es aus unterschiedlichen Gründen damit so gut. Vor allem, da es für Kindergärten und Schulen keine rechtliche Verpflichtung gibt, bei akuten Problemen helfend einzugreifen. Die Angst aus Unwissenheit etwas falsch zu machen, ist verständlicherweise groß. Lehrerinnen und Lehrer sind nicht medizinisch ausgebildet. So manche Familie muss sich dann damit abfinden, ihr krankes Kind in eine Integrationsklasse zu geben.
Auch die Teilnahme an Veranstaltungen wie etwa Skikursen ist manchen Kindern einfach nicht möglich, außer ein Elternteil fährt mit. Aufgrund dieser Faktoren ist es nicht verwunderlich, dass Spannungen und Konflikte in den Familien auftreten.

Es gibt Hilfe

Psychologische Unterstützung wirkt in diesen Fällen sehr entlastend, nur wird sie häufig nicht im dafür nötigen Maße angeboten.
Aus diesem Grund hat die Psychologin Caroline Culen den Verein CUKO gegründet, der sowohl Eltern als auch betroffenen Kindern ein umfangreiches Programm anbietet. Denn es ist wichtig zu lernen, dass die Verantwortung fair auf die Familienmitglieder aufgeteilt wird und die Krankheit nicht permanent im Zentrum der Aufmerksamkeit steht.

Moderne Technik

Technologische Verbesserungen sorgen dafür, dass viele der nötigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen zumindest einfacher und komfortabler geworden sind.
Mittlerweile gibt es Blutzuckermessgeräte, die am Körper getragen werden und die die Werte kontinuierlich abfragen und speichern. Auch zu den Insulinspritzen gibt es Alternativen - wie etwa am Körper getragene Pumpen, die es in kleinen, unauffälligen Ausführungen gibt.

Der große Wurf

Die Vision der sogenannten „künstlichen Bauchspeicheldrüse“ könnte in naher Zukunft Realität werden - jedenfalls wird eifrig dazu geforscht. Damit würden computergesteuerte Systeme den Blutzuckerspiegel im Körper mit Sensoren überwachen und die nötigen Befehle vollautomatisch an die Pumpe zur Insulinausschüttung weitergeben. In der Folge könnte ein konstanter und möglichst niedriger Blutzuckerspiegel erreicht werden, der vor etwaigen Spätfolgen schützt.

Reden Sie mit!

Wenn Sie Fragen zum Thema haben, dann rufen Sie während der Sendung unter der kostenlosen Telefonnummer 0800/22 69 79 an, oder posten Sie hier.

  • Gibt es in Ihrem Umfeld Personen, die an Typ-1-Diabetes erkrankt sind und wie beeinflusst das Ihr Leben?
  • Gibt es Vorurteile, gegen die Sie kämpfen müssen?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit den Versorgungsangeboten in den Diabetesambulanzen gemacht?
  • Sind Sie oder eine nahestehende Person in einer Diabetes-Selbsthilfegruppe aktiv?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Kindergärten oder Schulen in Zusammenhang mit einem diabeteskranken Kind gemacht?
Die geposteten Fragen werden nach der Sendung von einem unserer Sendungsgäste bis 15:00 Uhr beantwortet.

Text: Mag.a Sue Ivan

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