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Musik

Zeit-Ton

Montag
20. März 2017
23:08

Tristan Murail zum 70. Geburtstag - "Die Musik hat gewonnen". Gestaltung: Philipp Weismann

Am 11. März 2017 hat Tristan Murail seinen 70 Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass sendet "Zeit-Ton" ausgewählte Musikstücke des französischen Komponisten - allesamt Produktionen des Landesstudios Salzburg aus den Jahren 1978 bis 2016. Die Werke vermitteln einen Eindruck über die große Bandbreite in Murails musikalischem Schaffen. Auf dem Programm steht Musik für eines der frühesten elektronischen Musikinstrumente, die Ondes Martenot, bis hin zu Orchesterwerken.

Murail gilt als ein Hauptvertreter der "Musique spectrale". Die Spektralmusik beruht auf den Obertönen der Klänge und ihrer Kombination. Murail, selbst ein Schüler von Olivier Messiaen, hat die Möglichkeiten und Grundlagen dieser Kompositionsrichtung maßgeblich mitentwickelt und geprägt. Klänge werden dabei - auch mit Hilfe von Computerprogrammen - untersucht. Diese Analysen dienen als Ausgangsmaterial für neue Kompositionen.

In Salzburg - wo er auch als Lehrer am Mozarteum gewirkt hat - ist Murails Werk bis in die Gegenwart präsent: 2016 stand der 1947 geborene Komponist als Composer in Residence im Mittelpunkt des 40. Aspekte Festivals. Mit "reflections/reflets" kam ein Orchesterwerk aus dem Jahr 2013 zur Aufführung, das die Musik von Debussy als Inspirationsquelle nicht verleugnen kann, aber auch Murail in seiner sehr spezifischen Klangsprache erleben lässt: "Tatsächlich spektralistisch kann der zweite Satz aufgefasst werden, ein kunstfertiges Spiel mit Kontrabass-Tremolo, Pizzicati und sich stauender Energie im Wechselspiel von Idylle und Dissonanz", so der Komponist.

Zu "Mach 2,5" aus dem Jahr 1972 für zwei Ondes Martenot bemerkt Murail: "'Mach 2,5' wurde ziemlich rasch komponiert, jedoch nach einer längeren Periode von Versuchen auf dem Instrument. Rückblickend liegt die Bedeutung des Stücks hauptsächlich darin, dass es an einen neuen Ausgangspunkt, für die Ondes Martenot zu schreiben, geknüpft ist - und zwar insofern, als man das Instrument nicht mehr als einen Ersatz für Cello und Saxophon, oder im Gegenteil, als eine Quelle billiger Klangeffekte verwendet".

Murail betrieb Studien der klassischen und arabischen Sprachen sowie der Wirtschaftswissenschaften, dazu kam eine intensive Beschäftigung mit Politikwissenschaften, um dann letztlich doch bei der Musik anzukommen: "Ich habe also Wirtschaftswissenschaften, Politik und Arabistik studiert und habe gedacht, ich könnte als Diplomat Karriere machen - aber die Musik hat gewonnen". Ab 1968 war Murail Kompositionsschüler von Olivier Messiaen, 1971 Rompreis-Gewinner. Er ist Mitbegründer des Pariser Ensembles "L'Itinéraire", arbeitete als Kompositionslehrer in den USA und war von 2011 bis 2014 Gastprofessor an der Universität Mozarteum in Salzburg. Bereits 1978 war Tristan Murail beim aspekte Festival zu Gast und seither immer wieder - auch bei den Salzburger Festspielen.

Gestaltung: Philipp Weismann · zur Sendereihe

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