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Samstag
11. März 2017
09:05

"Diese Lust am Verwildern." Der Krieg in Deutsch-Südwestafrika und der deutsche Genozid an den Herero. Eine Montage aus bisher unveröffentlichten Aufzeichnungen. Feature von Stefan Weber.

"Die Hereros waren noch schlimmer wie Hyänen, ihr Leben ist zäher wie das einer Schlange. Kleinere Wunden achten sie wenig, wenn Gefahr ist zu verbluten, stopfen sie diese mit Gras oder Lumpen zu" (Emil Malzahn, Soldat).

Sie sind neugierig, naiv und patriotisch. Die Soldaten und Offiziere der kaiserlichen Schutztruppe, die in Hamburg die Dampfer nach ihrer Kolonie Deutsch-Südwestafrika - dem heutigen Namibia - besteigen, haben vor allem eines im Kopf: Üppige Palmenhaine, kaffeebraune Schönheiten und deutsche Volkslieder.

Als sich aber im Januar 1904 die "schwarzen Bestien ganz unerwartet und plötzlich" (Emil Malzahn) gegen die Deutschen erheben, entwickelt sich schnell ein Krieg im Dienste Kaisers Wilhelm II., der sieben Monate später mit dem deutschen Genozid an den Herero seinen grausamen Höhepunkt erreichen wird.

Von Gesine Krüger, Historikerin an der Universität Zürich, hat Featureautor Stefan Weber Einsicht in bisher großteils unveröffentlichte Tagebuchaufzeichnungen erhalten. Er folgt den Spuren von vier Männern. Ihre Geschichten zeigen, dass die Mechanismen von Krieg und Gewalt gleich geblieben sind, bis in die jüngste Gegenwart.

Erstmals ins Deutsche übersetzte Herero-Preislieder (die Aufnahmen stammen aus den 1930er Jahren) reflektieren eine unbekannte Sichtweise des stolzen Nomadenvolkes auf den Krieg.

"Töte den alten Mann mit dem aschgrauen Haar für mich, schleudere eines nachts eine Keule auf ihn, lass ihn sterben".

Herero-Frau mit Kind

Zum 100. Jahrestag des Herero-Krieges 2004 hat die damalige deutsche Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit, Heidemarie Wieczorek-Zeul, sich erstmals zur historischen und moralischen Schuld der deutschen Kolonialverwaltung bekannt. Eine finanzielle Entschädigung für die Herero wird bis heute abgelehnt. Zur Zeit haben Vertreter der Volksgruppen der Herero und Nama aus Namibia in New York eine Sammelklage gegen Deutschland eingereicht.

Gestaltung: Stefan Weber · zur Sendereihe

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Deutsches Historisches Museum - Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart

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