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Nebenan: Libanon

Betrifft: Geschichte

Donnerstag
16. März 2017
17:55

Im Schatten der Zeder - der gespaltene Libanon. Mit Bert Fragner, Univ.-Prof. emer. und Direktor i.R. des Instituts für Iranistik/ÖAW.
Gestaltung: Martin Adel

Von West-Beirut nach Ost-Beirut. Während des Bürgerkriegs musste man die sogenannte "Grüne Linie" passieren um von einem in den anderen Stadtteil zu gelangen. Ein sehr gefährliches Unterfangen bei dem unzählige Menschen von Scharfschützen erschossen wurden.

Der Libanon (Teil des antiken Phöniziens bzw. der Levante) wurde schon durch die Eroberung des antiken Rom der römischen Provinz Syria zugeschlagen, und es sollte bis 1943 dauern, bis ein selbstständiger Staat Libanon international anerkannt wurde. Dazwischen lagen vielerlei "Fremd"-Herrschaften: im Rahmen des Kalifats, der Kreuzfahrer, des Osmanischen Reichs (auch noch als "selbständige Provinz" von 1860 - 1915/19) oder (nach dem 1. Weltkrieg) unter französischem Mandat.

Das alles tat der kulturellen "Identität" keinen wirklichen Abbruch; aber die Identität selbst war von alters her zumindest gespannt, wenn nicht gespalten. Das Aramäische, "die" Sprache der Maroniten, ist sozusagen die Ur-Sprache des Christentums; die Maroniten selbst bilden eine unierte Kirche, die sich schon im 7. Jh. von der syrisch-orthodoxen Kirche abgespalten hatte. Die Drusen wiederum, die andere bestimmende Kraft im Libanon, hatten sich im frühen 11. Jh. von den Fatimiden abgespalten und konnten sich über die Jahrhunderte insbesondere im Libanongebirge behaupten.
Als "lingua franca" setzte sich im Laufe der Zeit das Arabische durch, aber interessanterweise sollen ausgerechnet syrische Christen und Juden die kulturelle Erneuerung der arabischen Sprache zu Ende des 19. Jhs. betrieben haben.

Der reichen Kultur des Libanon stehen seit jeher politische Wirren gegenüber, die auch nach der Selbstständigkeit und in Zeiten von erstaunlicher (auch wirtschaftlicher!) Blüte nicht abgerissen sind: als Spielball von Großmächten oder als Pfand interner Machtkämpfe. Beides war auch ab der Mitte der 1960er Jahre der Fall, als sowohl der Kalte Krieg als auch der Israel-Palästina-Konflikt von außen und der Machtkampf zwischen dem christlich maronitischen Pierre Gemayel und dem Drusen Kamal Jumblatt das Land in einen Bürgerkrieg führten.

Der endete zwar 1989, aber an der gefährdeten Situation im Nahen Osten hat sich nichts Entscheidendes geändert. Mittlerweile ist auch die Libanon-Zeder, das Wahrzeichen des Staates und der Baum, aus dem schon die Phönizier ihre Schiffe bauten, vom Aussterben bedroht.

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