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Gesellschaft
Peter Matic - 80. Geburtstag

Diagonal - Radio für Zeitgenoss/innen

Samstag
18. März 2017
17:05

Peter Matic. Über die Stimme. Präsentation: Ines Mitterer
Anschl.: Diagonals Feiner Musiksalon: Jean-Guihen Queyras, Bijan Chemirani, Keyvan Chemirani, Sokratis Sinopoulos, "Thrace. Sunday Morning Sessions"

Lange Zeit ist er wohl früh schlafen gegangen, der Schauspieler Peter Matic. Schließlich brauchte er Kraft für dieses Monsterprojekt. Marcel Prousts gesamte siebenbändige Romanserie "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", vom berühmten ersten Satz mit dem frühen Zubettgehen bis zum letzten, für eine Hörbuchfassung einzusprechen: 17 CDs, insgesamt 9.380 Minuten. Acht Jahre lang hat der Burgschauspieler immer wieder viele Stunden damit verbracht, Proust seine Stimme zu leihen. Er ist vielfach ausgezeichneter Schauspieler, aber auch "bester Sprecher unter den Schauspielern des deutschsprachigen Raums": Für dieses Können erhielt Matic 2001 den Albin-Skoda-Ring.

Natürlich, in der Regel kann man Peter Matic auch sehen, wenn man seine Stimme hört: früher am Berliner Schillertheater als "Alpenkönig" oder in den "Zofen", heute am Burgtheater, aber auch in Film oder Fernsehen von "Hofrat Geiger" über den "Tatort" bis "Kommissar Rex". Matic ist der Mann für das "elegante Fach", spielt Herren mit Manieren, einer gewissen Noblesse, den Gentleman. Oft aber spielt seine Stimme die Hauptrolle: in den Hörbüchern, den Hörspielen, als Sprecher in Radiosendungen und Fernsehdokumentationen. Und nicht zu vergessen: in den Filmsynchronisationen. Peter Matic ist einfach Ben Kingsley auf Deutsch. Er synchronisiert den britischen Schauspieler seit dem vielfach Oscar-gekrönten Film "Gandhi" so charakteristisch, dass man sich Gandhi ohne seine Stimme kaum vorstellen kann. Ben Kingsley sowieso nicht. Gäbe es einen Oscar für "the voice", Peter Matic - der am 24. März seinen 80. Geburtstag feiert - wäre aussichtsreicher Kandidat dafür.

Aktualisierte Wiederholung aus dem März 2014

Inhaltsverzeichnis

Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen...
Das musste Proust wohl auch, um Kraft und Energie für sein Mammutvorhaben zu sammeln. Diesem berühmten Anfangssatz seiner "Suche nach der verlorenen Zeit" folgen immerhin 4000 Seiten Roman. Peter Matić hat Marcel Prousts Abgesang auf gute alte Zeiten, mit Stil und ohne Autos, als Hörbuch eingelesen und sich auf diese Weise 8 Jahre von diesem Text begleiten lassen. Proust hat seine Wahrnehmung verändert – nur eine der Lektürefolgen dieses eigenwilligen Romanprojekts, wie auch Barbara Zeithammer erfahren hat.

Der Ton macht die Person
Erotik kommt definitiv auch übers Ohr ins Hirn, oder wo immer sie hinsoll. Die Stimme ist ausschlaggebend dafür, wie ein Mensch wahrgenommen wird. Man kann sie auch professionalisieren und so ein wenig tricksen – aber selbst dann verrät sie immer noch genug über den Sprechenden, wie Nicole Dietrich herausgefunden hat.

Lippensynchron sprechen und atmen laut Drehbuch
Die allermeisten Filme, die es in deutschsprachigen Landen zu sehen gibt, werden auch auf Deutsch konsumiert. Dafür braucht man ein ganzes Heer von Synchronübersetzern, -regisseuren und –sprechern, die unter sonderbaren Bedingungen arbeiten: eine innige Liebesszene, bei der "er" im Wiener Tonstudio seufzt und "sie" in Berlin etwa, erfordert nicht nur Technik und Erfahrung sondern auch viel Phantasie. Bea Sommersguter war für uns in einem Synchronstudio in Berlin und hat ihren Beitrag rechtzeitig für die Sendung nach Wien geschickt.

Vornehme Zurückhaltung, feinsinniger Humor
Auf der Bühne spielt Peter Matić oft distinguierte Herren: Hofräte, Doktoren, Apotheker – Figuren, denen er eine Noblesse verleiht, die aus einem anderen Jahrhundert zu sein scheint, die von ihm aber durchaus auch im Alltag gelebt wird. Mit Katharina Menhofer hat er einige seiner zahlreichen Theater-Tatorte aufgesucht.

Kleinmöbel und Musik
Peter Matić war mit Peter Lachnit im Schwarzenbergpark spazieren und hat ihm dabei erzählt, wie man Texte lernt, um sie möglichst nicht wieder zu vergessen. Und er analysiert für uns die Wirkung von Politikerstimmen. Es werden Auszüge aus Hörbüchern und Filmen zu hören sein und die Musik, die Peter Matić anregend findet, von Jaques Offenbach über Cole Porter bis zu Schubert in der Interpretation von Friedrich Gulda. Für Diagonals Feinen Musiksalon hat Johann Kneihs das jüngste Projekt von Jean-Guihen Queyras vorbereitet, der ja gerne zwischen alter Musik und Zeitgenössischem wandert, vorbereitet: dieses Mal widmet er sich mit "Thrace – Sunday Morning Sessions" dem Andenken an die Kultur der Thraker. Zu hören ab circa dreiviertel Sieben. Für das richtige Flair am Beginn der Sendung, das dann Richtung Proust führen wird: Jaques Brél von Peter Matićs Musikliste.

Gestaltung: Ines Mitterer · zur Sendereihe

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