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Sonntag
19. März 2017
16:00

Bücher, Menschen, Themen. Leipziger Buchmesse 2017: Schwerpunktland Litauen. Moderation: Julia Zarbach

Litauen ist das Schwerpunktland der diesjährigen Leipziger Buchmesse, die vom 23. bis zum 26. März stattfindet. Der südlichste der drei baltischen Staaten wurde bereits 2002 als Gastland der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Damals konnte man mit gerade einmal fünf litauischen Büchern auf Deutsch antreten. Dagegen können sich die 26 Neuerscheinungen, mit denen das Land unter dem Motto "Fortsetzung folgt" diesmal in Leipzig antritt, sehen lassen - denn durchschnittlich werden pro Jahr nur einige wenige Bücher aus dem Litauischen ins Deutsche übertragen.

Eine literarische Rundreise von Cornelius Hell

Giedra Radvilaviciute, "Der lange Spaziergang auf einer kurzen Mole", erzählte Essays, Corso Verlag (Übersetzung: Cornelis Hell)
Eugenijus Alisanka, "Risse", Essays, Klak Verlag (Übersetzung: Claudia Sinnig)
Kestutis Navakas, "Die gelassene Katze - Capriccios von Don Quichotte", Corso Verlag (Übersetzung: Saskia Drude)
Jurgis Kuncinas, "Tula", Roman, Corso Verlag (Übersetzung: Markus Roduner)
Laimonas Briedis „Vilnius-Reisen in die ferne Nähe“, Wieser Verlag
(Übersetzung: Cornelius Hell, Jelena und Mascha Dabi)
Rimvydas Stankevicius, "die allereinfachsten zaubersprüche", Lyrik, Wieser Verlag (Übersetzung: Cornelius Hell)
Antanas Skema, "Das weiße Leintuch", Roman, Guggolz (Übersetzung Claudia Sinnig)
Renata Serelyte, "Der Windreiter", Roman, Wieser (Übersetzung Cornelius Hell)

Tomas Venclova, "Der magnetische Norden"

Eine Art Biografie in Gesprächen vom Dichter Tomas Venclova, dem literarischen Aushängeschild Litauens, liegt nun auf Deutsch vor. Sechs Jahre dauerte die Arbeit an seinem Buch, in denen er sein Leben und das 20. Jahrhundert rekapituliert, gemeinsam mit der amerikanischen Autorin Ellen Hinsey.

1937 geboren, erlebte er die Okkupation seiner Heimat - erst durch die Sowjets, dann durch die Nazis, ehe Litauen wieder in sowjetischer Hand war. Er ging nach Leningrad, lernte Sprachen, befasste sich mit moderner Poesie und geriet als Übersetzer und Dichter früh ins Visier des sowjetischen Geheimdienstes KGB. 1977, während sich Venclova in den USA aufhielt, wurde ihm die sowjetische Staatsbürgerschaft entzogen. Im amerikanischen Exil arbeitete er als Professor für russische und osteuropäische Literatur und veröffentlichte Gedichte und Essays. Seine Lyrik schrieb er in seiner Muttersprache Litauisch. In seiner Heimat ist er erst in den 1990er Jahren nach der Unabhängigkeit Litauens bekannt geworden. Heute wird er als einer der wichtigsten osteuropäischen Lyriker gefeiert.

Tomas Venclova, "Der magnetische Norden - Gespräche mit Ellen Hinsey", Suhrkamp Verlag (Übersetzung: Claudia Sinnig)

Undine Radzeviciute, "Fische und Drachen"

Hierzulande bisher unbekannt wird Undine Radzeviciute als eine der interessantesten und eigenwilligsten Autorinnen, die es aus Litauen zu entdecken gibt, gefeiert. Ihr Roman, der gleich zweifach von Fremdheit und Identitätssuche erzählt, wurde mit dem EU-Literaturpreis ausgezeichnet. Dabei beschäftigt sich ihr Buch keineswegs wie viele andere litauische Gegenwartsliteratur mit der Geschichte und Politik des Landes: vielmehr führt sie den Leser darin unter anderem ins China des 18. Jahrhunderts.

Undine Radzeviciute, "Fische und Drachen", Roman, Residenz Verlag (Übersetzung: Cornelius Hell)

Statt etwas oder Der letzte Rank

Martin Walser, das Urgestein der deutschen Gegenwartsliteratur hat kurz vor seinem 90. Geburtstag ein neues Buch geschrieben: Das Werk ist nur 170 Seiten schmal, trägt aber trotzdem wieder die Bezeichnung Roman, auch wenn der Autor in diesem Buch auf jegliche Handlung verzichtet. In seinem überaus umfangreichen Werk beschäftigt er sich seit Jahrzehnten intensiv mit den inneren Konflikten des Menschen und ist genauer Beobachter deutscher Befindlichkeiten: Das Romandebüt "Ehen in Philippsburg" erschien 1957, mit "Das Einhorn" schrieb er 1966 seinen ersten Bestseller. Seither ist seine Popularität als einer der wichtigsten Intellektuellen Deutschlands ungebrochen. Erst 2016 hat er einen Roman vorgelegt, der als Abschied vom Schreiben gedeutet wurde.

Martin Walser, "Statt etwas oder Der letzte Rank", Roman, Rowohlt Verlag

Anna Woltz, "Hundert Stunden Nacht"

Das "Jugendbuch des Monats" stammt diesmal von der niederländischen Autorin Anna Woltz - 1981 in London geboren und in Den Haag aufgewachsen. Nach erfolgreichen Kinderbüchern legt sie mit "Hundert Stunden Nacht" ihr erstes Jugendbuch auf Deutsch vor. Eine außergewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte vor dem Hintergrund von Hurrikan Sandy. Naturkatastrophen gepaart mit denen privater Art.

Anna Woltz, "Hundert Stunden Nacht", Carlsen

Gestaltung: Julia Zarbach · zur Sendereihe

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