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Religion

Gedanken für den Tag

Mittwoch
22. März 2017
06:56

von Oliver Tanzer, stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Furche". "Vom Garten und seinen Mehrwerten". Gestaltung: Alexandra Mantler

Problem-Garten des Anfangs - Eden

Draußen zwitschern die Vögel und ach es ist ein herrliches Gefühl, von dem die Dichter singen. Der Lenz ist da und alles grünt und sprießt. Was für ein Gefühl muss da erst Gott gehabt haben, als er zum ersten Mal seinem eigenen Wunder zuhörte, im Garten Eden. Aber den Schöpfern dieses Mythos vom Urgarten ging es wohl um sehr viel mehr. Denn sie haben ja da so ziemlich alle Probleme der Menschheit abgebildet, Adam, Eva die Begierde und die Scham. Aber die Geschichten vom Garten Eden sind auch die ersten Problemaufrisse der Ökonomie.

Der erste Auftrag Gottes an den Menschen in der Genesis lautet ja: Seid fruchtbar und macht euch die Erde untertan. Das ist der Auftrag für einen Eroberer. Einer der auch mal brutal und aggressiv werden kann, solange der Zweck die Mittel heiligt. Der Zweite Auftrag kommt in der Erzählung ein paar Absätze später - und sagt das genaue Gegenteil. Es heißt da: Und Gott setzte den Menschen in den Garten Eden, damit er ihn pflege und bebaue.

Schauen wir uns das einmal näher an. Zunächst: Wo arbeitet der Eroberer: Er arbeitet überregional. Seine Nachfrage ist unersättlich, da er erobern muss, das Angebot begrenzt, und die Intensität der eigenen Nachfrage macht den Erfolg aus. Er ist also chronisch unzufrieden. Er nimmt außerdem von den vielen und gibt nur wenigen weiter. Seinen Söhnen oder Diadochen.

Der Gärtner hingegen arbeitet regional. Er muss an das Wachsen und Gedeihen denken und an die Dinge, die ihn tatsächlich umgeben. Er muss nachhaltig sein. Erobern kommt für ihn nicht in Frage, mangels Zeit und Waffen. Der Gärtner tauscht seine Güter auf Märkten. Und diese Märkte sind nachhaltig ökonomisch und nachhaltig menschlich.

Und nun könnten wir uns fragen, welchem Weg unsere Zivilisation gefolgt ist und welchem sie folgt jeden Tag. Dem des Eroberers oder dem des Gärtners. Und wenn wir die Antwort darauf recht bedenken, dann ist unser Jauchzen im Frühling und unser Laufen in den Garten, die Pflanzen, die wir setzen und der Rasen, den wir säen vielleicht nichts anderes als eine Sehnsucht nach einer anderen Form des Lebens oder einfach nur eine Entschuldigung.

Gestaltung: Alexandra Mantler · zur Sendereihe

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