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Musik
Konzert

Konzert am Vormittag

Mittwoch
22. März 2017
10:05

Budapest Festival Orchestra, Dirigent: Iván Fischer; Marc-André Hamelin, Klavier. Carl Maria von Weber: Ouvertüre zu "Der Freischütz"
Franz Liszt: Klavierkonzert Nr. 1 Es-Dur

Frédéric Chopin: Meine Freuden op. 74 Nr. 5, arrangiert Franz Liszt: Sechs Polnische Lieder S 480
Sergej Prokofjew: Symphonie Nr. 5 B-Dur op. 100 (aufgenommen am 18. Februar 2016 in der Carnegie Hall, New York). Präsentation: Peter Kislinger

Arie als verkapptes Klarinettensolo

Welches Blasinstrument kann denn "den Ton besser entstehen, anschwellen, abnehmen und verhallen lassen als die Klarinette? Nicht zu vergessen die Eigenschaft, den Fernklang, das Echo und den Zauber der Dämmerung wiederzugeben". Kein besseres Beispiel für solche Schattierungen konnte Hector Berlioz 1844 in seiner Instrumentationslehre anführen als die Klarinettenstelle im Allegro der "Freischütz-Ouvertüre". Carl Maria von Weber zitiert "Leise, leise, fromme Weise", die große Arie der Agathe. Für jeden Klarinettisten ist es ausgemacht - die Arie ist ein verkapptes Klarinettensolo.

Konzert für Klavier und störenden Triangel

Zwischen 1830 und 1855, dem Jahr der Uraufführung seines 1. Klavierkonzerts, hat es Franz Liszt vier Mal, dann vor der Drucklegung, nochmals umgearbeitet. Gut möglich, dass Berlioz, der die Uraufführung in Weimar dirigierte, Tipps zu dieser letzten Retusche angeregt hatte.

Als Pianist war Liszt dem Showelement nicht abgeneigt, um es mit dem verneinten Gegenteil auszudrücken. Liszt war ja der Erfinder des "solo recitals". Der Begriff wurde 1840 für seinen Londoner Auftritt zum ersten Mal verwendet. Acht Jahre später hatte er genug vom Starrummel und ließ sich in Weimar nieder.

Das Klavierkonzert ist dreigliedrig, wird aber ohne Pause gespielt. Orchester und donnerndes Klavier überfallen das Publikum. Dann gibt sich der Teil eher zurückhaltend. Das Klavier reagiert als Orchesterinstrument auf andere Instrumente. Der Mittelteil ist eine Art Nocturne im Stile von Chopin: der Pianist als Belcanto-Sänger. Der Triangel darf störend eingreifen - auch im Finale. Dort allerdings hat ihn Liszt nicht oft klingen lassen, denn: "Triangelvirtuosen setzen gerne oft falsch ein und schlagen ihr Instrument viel zu laut." Ein Marsch steigert sich im Finale zu einem furiosen Presto, das direkt zu Ovationen führt.

Zu Tode gehetzte feierliche Blasmusik

Virtuosität ist auch in der 5. Symphonie von Sergej Prokofjew gefragt. Die Versuchung für Dirigenten ist groß, diese Musik, losgelöst vom Kontext, ausschließlich als brillantes Virtuosenstück zu zelebrieren. Dieses im Sommer 1944 entstandene Werk sei die "Summe eines langen schöpferischen Lebens", schrieb der Komponist.

Der 1. Satz beginnt wie eine Idylle. Bald melden sich die Blech- und Schlagzeugabteilung zu Wort und karikieren brutal das bukolische Thema. Der Mittelteil des 2. Satzes: eine Karikatur des vom Staatsapparat dekretierten Frohsinns? Der zunächst intime Klagegesang des 3. Satzes geht, mit entsprechend großer, bewegender Pathosgeste, bald an die Öffentlichkeit.

Im Finalsatz scheint die Musik in eine verordnete, glückliche, "bessere", sowjetische, Zukunft zu galoppieren, doch der Frohsinn mutiert unversehens gnadenlos japsend und hechelnd zu einer atemlosen Jagd. Es ist einer der faszinierendsten Sätze im großen Werk Prokofjews. Die letzten zwei Minuten nennt der österreichische Symphoniker Michael F.P. Huber "schlichtweg genial - die feierliche Blasmusik marschiert auf und wird zu Tode gehetzt ..." Abgesehen von seiner 1. Symphonie, der "Symphonie Classique", ist diese Symphonie Prokofjews meist aufgeführte und aufgenommene.

Gestaltung: Peter Kislinger · zur Sendereihe

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