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Leporello

Freitag
24. März 2017
07:52

Michael Köhlmeier über das Verfassen von Lyrik

Kaum zu glauben, aber Michael Köhlmeier, der große Erzähler, zögerte Jahrzehnte, bis er es wagte, neben seinen zahlreichen Romanen auch jene Gedichte zu veröffentlichen, die er im Lauf der Zeit in der Schreibtischlade angesammelt hatte. "Ein Vorbild für die Tiere" heißt Köhlmeiers Lyrik-Band, soeben ist er bei Hanser erschienen.

"Tiger und Löwen" heißt die erste Kapitelüberschrift, "Amseln" die zweite; es folgen "Hähne", "Raben" und schließlich "ein Hund mit blauen Augen". Dabei hat Michael Köhlmeier mit Tieren gar nicht viel im Sinn. Dass so viele in seinen Lyrik-Texten vorkommen, sei Zufall, oder genauer: ihm selbst ein Rätsel. Und Rätselhaftes, das sei genau das, was ein Gedicht ausmache.

Und noch etwas müsse Lyrik unbedingt enthalten, meint der Schriftsteller: Musik. Dass Bob Dylan 2016 den Literaturnobelpreis erhielt, ist für ihn die logischste Entscheidung der Welt: Das Wort Lyrik kommt schließlich von Lyra, und die ist bekanntlich ein Musikinstrument: die Leier.

Noch ein Drittes ist wichtig in einem Gedicht: Nichts, so Michael Köhlmeier, sei zu banal, um besungen zu werden! Große Fragen wie die nach dem Sinn unserer Existenz, nach Gott oder ähnlichem seien langweilig im Vergleich zu den ganz konkreten, den fass- und genießbaren Dingen dieser Welt.

In manchen Versen in Michael Köhlmeiers Lyrikband "Ein Vorbild für die Tiere" offenbart sich aber auch die konkrete Lebensgeschichte des Autors. Das Rätsel darin ist einzig die Frage: Warum? Das Gedicht "Für Lorenz" widmet Köhlmeier seinem Sohn, der übrigens den Umschlag des Gedichtbands gestaltet hat. Wenig verschlüsselt ist da vom tödlichen Bergunfall der Tochter Köhlmeiers die Rede.

Zum Schluss gibt Michael Köhlmeier Einblick in den intimsten Moment des Dichtens. Wie großartig und beglückend muss es sein, einen Zustand der Hingabe zu erreichen, bereit zu sein für das Geschenk der Poesie! Gestaltung: Christa Eder

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