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Musik

Spielräume - Nachtausgabe

Freitag
07. April 2017
23:08

Rock 'n' Roll Music - Tribut an Chuck Berry. Gestaltung: Klaus Wienerroither

Es ging 2016 im Angesicht der vielen Todesfälle großartiger Musiker ein wenig unter, dass Chuck Berry im Oktober nicht nur seinen 90. Geburtstag gefeiert, sondern für 2017 auch noch ein neues Studioalbum angekündigt hat. Nun ist Berry heuer selbst vor drei Wochen gestorben. Er kann getrost als einer der Gründerväter des Rock 'n' Roll bezeichnet werden. Nicht zuletzt, was die Etablierung der elektrischen Gitarre als führendes Soloinstrument in der Rockmusik betrifft.

Die Gäste der "Spielräume Nachtausgabe" sind der Bluesmusiker Al Cook, Peter Schmid, ehemaliges Mitglied des 1. Wiener Rock 'n' Roll Clubs, sowie die steirische Band Old School Basterds, die live auf Sendung einige Chuck-Berry-Klassiker interpretieren werden.

Chuck Berry

Chuck Berry, 1980

Godfather of Rock 'n' Roll

Der aus St. Louis, Missouri stammende Chuck Berry ist der Sohn von des Diakon einer Baptistenkirche und einer Schulleiterin. In der Highschool in beginnt Berry mit dem Gesang und dem Gitarre spielen. 1944 wird er wegen bewaffneten Raubüberfalls verurteilt. Wegen diverser Straftaten sitzt er bis zu seinem 21. Geburtstag im Jahre 1947 drei Jahre lang im Jugendgefängnis ein. Nach seiner vorzeitigen Entlassung arbeitet er unter anderem als Friseur. 1948 heiratete er Themetta Suggs. Aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor.

Im Jahr 1952 hat Chuck Berry seine ersten öffentlichen Auftritte. Im Mai 1955 macht er zusammen mit einem Schulfreund einen Ausflug nach Chicago. Als er sich von Muddy Waters ein Autogramm holt, fragt er, wo er denn selbst Aufnahmen machen könne. Dieser verweist Berry an Chess Records. Der Produzent Leonard Chess ist von dem Stück "Ida Red" beeindruckt und verspricht Berry eine Aufnahme-Session. Mit diesem Stück, umbenannt in "Maybellene" gelingt ihm auf Anhieb ein Top-Ten-Hit.

Roll over Beethoven

Großen Einfluss auf Berrys Erfolg haben auch die Texte, die er zu seinen Liedern schreibt. Durch seine bürgerliche Herkunft mit Literatur, Theater und Bibel vertraut, macht er durch hintergründige und sprachverliebte Lyrik anspruchsvollere Texte für den Pop salonfähig. Seine cleveren Reime werden von Musikerkollegen wie dem vorjährigen Nobelpreisträger Bob Dylan gepriesen. Ein Beispiel ist dafür ist die humorvolle Arroganz, sich mit der Musik Beethovens und Tschaikowskys gleichzusetzen. "Roll over Beethoven, and tell Tschaikovsky the news": Rock 'n' Roll ist die Musik der Gegenwart. Und Berrys Songs werden definitiv auch noch in 300 Jahren gehört und gespielt werden.

Als Berry zu einem Idol der Rock 'n' Roll Teenager wird, ist er bereits um die 30 Jahre alt. Ganz Geschäftsmann, gibt er in Interviews freimütig zu, dass deshalb so viele seiner Texte einen Bezug zu dieser Welt haben, deren Teil er schon lange nicht mehr ist. Im Dezember 1959 gerät Berry mit der Justiz in Konflikt und wird des Vergehens gegen den sogenannten "Mann Act" beschuldigt. Dieses ziemlich schwammige Gesetz verbietet es, Minderjährige für "unmoralische" Zwecke von einem Bundesstaat in einen anderen zu bringen, wenn man Absichten hegt, die zwar im zweiten Bundesstaat nicht, aber im ersten Bundesstaat verboten sind. Er wird in zweiter Instanz im März 1961 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Comeback nach dem Gefängnis

Nach seiner vorzeitigen Entlassung im Oktober 1963 kann Berry erneut Fuß fassen. Insbesondere in Großbritannien hat er eine Reihe weiterer Hits mit Songs wie "No particular place to go". 1972 wird die Single-Auskoppelung "My Ding-a-Ling" sein erster Nummer-eins-Hit in den Pop-Charts, wird aber von einigen Radiosendern nicht gespielt, weil der Text sexuelle Anspielungen enthält.

Anlässlich Chuck Berrys 60. Geburtstags im Jahr 1986 beschließt sein Überfan, der Rolling Stones Gitarrist Keith Richards, zwei Liveauftritte mit vielen Gaststars zu organisieren. Der daraus entstandene amüsante Konzertfilm "Hail! Hail! Rock 'n' Roll" offenbart auch Berrys schwieriges Temperament, der es gar nicht so zu schätzen weiß, einmal mit einer gut zusammengeprobten Band aufzutreten und nicht mit zusammengewürfelten Truppen wie auf vielen seiner Tourneen. Dass seine Konzerte dann trotzdem ein Erlebnis sein können, liegt am Charisma der Ausstrahlung des Musikers, der auch verlässlich jedes Mal seinen Entengang auf der Bühne präsentiert.

"Johnny B. Goode" im Weltraum

1979 veröffentlicht Berry sein bis zum Jahr 2017 letztes Studioalbum, spielt aber bis ins hohe Alter unermüdlich auf Livebühnen, wobei er sich seine Gage vorher immer in bar ausbezahlen lässt. Daraus resultierende Steuerschulden (er deklariert dieses Bargeld nicht immer) bringen ihn 1979 wieder einmal für ein paar Monate hinter Gefängnisgitter. Am 18. März 2017 wird Chuck Berry tot in seiner Wohnung aufgefunden.

Seine Musik ist auf jeden Fall für die Ewigkeit. "Johnny B. Goode" befindet sich ja auch auf den "Golden Records" der Voyager Sonde, die vor 40 Jahren in den Weltraum geschickt wurde. Unter den Musikstücken befinden sich übrigens auch zwei Beethoven Kompositionen, Tschaikowsky hat es allerdings nicht auf die Platte geschafft.

Gestaltung: Klaus Wienrroither · zur Sendereihe

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Service

The New York Times - Before & After Chuck Berry

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