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Religion

Gedanken für den Tag

Donnerstag
20. April 2017
06:56

"Konfrontation im Dialog". Die Konfrontation von Kunst und Religion sollte im Dialog und nicht nur im Aufzeigen von Gegensätzen geschehen, meint die Diözesankonservatorin am Referat für Kunst und Denkmalpflege der Erzdiözese Wien Elena Holzhausen. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Besuche ich fremde Orte, stelle ich immer wieder fest: Kunst und Religion sind ganz eng miteinander verwoben, und das nicht nur als abstrakte Begriffe. Überall erfahre ich etwas über uns Menschen, über Gottesbeziehung, über Glauben und über Zweifel. Über Gewissheit und über die Suche nach Absicherung.

Dieses verwoben Sein von Kunst und Religion kann heilsam sein, muss es aber nicht. Ich möchte diesen beiden Begriffen einen dritten hinzustellen, der das Dilemma aufzeigt. Es ist: die Macht. Macht und Kunst, hört man nicht gerne. Stelle ich die Begriffe Macht und Religion zusammen, so wird es ganz heikel. Denn keine Religion möchte mit Macht oder besser mit Machtausübung öffentlich in Verbindung gebracht werden.

Wie leicht orte ich Macht bei anderen, aber niemals bei mir selbst. Um dahinter zu schauen habe ich für mich ein geistiges Experiment aufgebaut. Im ersten Versuchsaufbau habe ich Macht, Kunst und Religion als abstrakte Begriffe zusammengestellt. Wie ein Dreieck: oben die Macht an den Endpunkten die Kunst und die Religion. In der Betrachtung dieses Bildes stiegen mir ausschließlich unheilvolle Bilder des Machtmissbrauchs auf. Kunst und Religion als Instrumentarien, um Macht zu sichern. Das war unheimlich - auch weil es funktioniert.

Deshalb machte ich einen zweiten Versuchsaufbau, in dem ich der Macht nicht diesen prominenten Platz einräumte. Ich erdachte mir die Begriffe Kunst und Religion als befestigte Siedlungen auf einer gemalten Karte. In einer Zeitreise konnte ich die äußeren Mauern der Siedlungen fallen sehen und wieder wachsen. Manchmal lagen die Siedlungen als Festungen im Ödland und manchmal in grünen Gärten. Sie hatten Brücken und die Brücken wurden wieder eingerissen. In diesem Bild ist die Macht immer das menschliche Handeln und keine abstrakte Größe.

Mein Doppel-Experiment hat mir deutlich gezeigt, wenn ich Macht nicht abstrahiere, sondern meinem konkreten Handeln zuordne, dann kann ich sie enttabuisieren. Und damit letztlich in ihrer negativen Form entmachten. Es liegt in meinem Ermessen und in meinem Willen, meinen Handlungsspielraum so zu nutzen, dass Positives wachsen kann. Die Kunst bietet mir dazu einen Spiegel, den ich mir selber vorhalten kann und sie weitet meinen inneren Raum. Die Botschaft des Evangeliums bietet mir - in meinem Glauben - die Herausforderung, die Mitmenschen ins Zentrum meines Handelns zu stellen.

Gestaltung: Alexandra Mantler · zur Sendereihe

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