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Religion

Gedanken für den Tag

Freitag
21. April 2017
06:56

"Konfrontation im Dialog". Die Konfrontation von Kunst und Religion sollte im Dialog und nicht nur im Aufzeigen von Gegensätzen geschehen, meint die Diözesankonservatorin am Referat für Kunst und Denkmalpflege der Erzdiözese Wien Elena Holzhausen. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Kunst muss Verkündigung sein. Mit diesem Satz kann ich mit Leichtigkeit Künstlerinnen, noch mehr Kunstwissenschaftler, und auch Theologinnen und im Glauben engagierte Laiinnen und Laien verärgern. Die Verantwortlichen katholischer Museen bringe ich mit diesem Sager in arge Bedrängnis, denn sie fühlen sich beiden Sphären verpflichtet. Mir scheint es, dass dieses Dictum sich wie ein Triggerpunkt unserer Muskeln und Sehnen verhält. Drückt man darauf, entsteht ein Schmerz. Ein Schmerz oder zumindest ein Unbehagen. Die Ursache des Schmerzes liegt aber nicht im Trigger-Punkt selbst, sie manifestiert sich dort nur.

Unwillkürlich muss ich mich fragen: Welche Mission habe ich und was habe ich dem Wort Verkündigung eingeschrieben, dass es in mir diese Reaktion auslöst. Wenn ich im Fragen und Suchen nicht weiter komme, versuche ich den Weg über die Distanz, über das Fremde. Das eröffnet mir neue Blicke auf mich selbst. Kopflastig wie ich bin, habe ich mich auf die sprachwissenschaftliche Suche begeben. Ich benutzte Mission, das internationale Wort für Verkündigung als Ausgangspunkt. Ich entdeckte, dass es im Japanischen nicht weniger als 37 unterschiedliche Bedeutungen für das Wort Mission gibt. Für die politische Mission, für die Verbreitung des Buddhismus und die der christlichen Lehre gibt es jeweils unterschiedliche Wörter. Und keines dieser Wörter deckt sich mit dem Wort, das Mission im Sinne von Berufung hat.

Ich entdecke auch ein Wort, das meine innere Welt am besten wiederspiegelt. Es heißt Neikoku-tendo und wird mit innerer Mission übersetzt. Schaue ich mir die Schriftzeichen an, finde ich das Bild meiner inneren Resonanz. Innere Mission setzt sich aus zwei Bedeutungen zusammen. Das sind zum einen "das innere Land" und zum anderen "der biographische Weg". Jetzt muss ich mich nur noch fragen, womit bestelle ich denn mein inneres Land, um meinen Weg zu gehen.

Die Betrachtung von zeitgenössischer Kunst ist für mich ein Weg, das innere Land zu bestellen, das in Stille Beten ohne Worte ein anderer. Künstler müssen in gewisser Weise das Eigene transformieren, hinter sich lassen, um uns zu erreichen. Und ich erreiche den anderen mit oder ohne eigenen Glauben nur dann, wenn ich in der Lage bin, mich selbst zu überschreiten.

Gestaltung: Alexandra Mantler · zur Sendereihe

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