Electric Songs

In den letzten Jahren hat sich Florian Kmet als Mitspieler der Formationen Superlooper und Lokai einen Namen gemacht. Nun legt der Gitarrist, Sänger und Komponist sein erstes Solo-Album vor und präsentiert sich dabei als "Electronic Singer-Songwriter".

Für all jene, die Florian Kmet in den letzten Jahren vor allem als Mitspieler der Formationen Superlooper oder Lokai wahrgenommen haben, mag das so eben erschienene erste Solo-Album des Musikers überraschend kommen. Tatsächlich aber begleitet das Songformat Kmet schon seit seiner Rockmusik-Zeit in New York.

Ein Österreicher in New York

Nachdem er bereits im Alter von dreizehn Jahren gewusst hatte, dass Musik seinen Lebensmittelpunkt darstellen werde, wie Kmet erzählt, ging er nach der Matura nach New York, um dort eine Band zu finden, mit der er spielen konnte.

Der Plan ging auf, aus den anfänglich geplanten drei Monaten wurden schnell drei Jahre. Schließlich kam Florian Kmet dann aber doch wieder nach Österreich zurück, weil sich die musikalischen Möglichkeiten für ihn in New York mit der Zeit einfach erschöpft hätten, wie er meint. Kmet ging nach Wien und studierte bei Michael Langer und Gunther Schneider klassische Gitarre.

Mit Goethe zum Solo

Aus dem Wunsch heraus, nach der langen Zeit in einem englischsprachigen Land wieder mit deutscher Sprache zu arbeiten und angeregt durch seinen Bruder, der an der Goetheanistischen Studienstätte in Wien Mauer studiert hat, begann Florian Kmet schließlich Goethe-Gedichte zu vertonen, den "Harfenspieler" etwa oder die "Mignon"-Gedichte.

Kompositorische Herangehensweise

In dem Eröffnungsstück auf "Electric Songs" düst der Protagonist mit seiner roten Puch durch die Landschaft, alle möglichen Dinge widerfahren ihm dabei, so klingt es zumindest an. Wirklich erfassen lässt sich die Geschichte, wie in vielen Songs von Kmet, nicht, jedenfalls nicht ohne selbst Kreativität einzubringen und die einzelnen Textfragmente selbstständig zusammenzudenken. Bei der Komposition seiner Songs verfolgt Kmet zwei unterschiedliche musikalische Herangehensweisen, wie er erklärt:

Florian Kmet: "Bei manchen meiner Songs gibt es einen Text, der eine direkt nachvollziehbare Geschichte erzählt. In diesen Fällen ist der Text meist vorher da und die Musik entsteht im Anschluss. Bei jenen Songs, die unter Anführungszeichen elektronisch funktionieren, ist es oft so, dass der Text zeitgleich mit der Musik entsteht, oder auch danach."

So heftig wie das Leben

In den Songs von Florian Kmet geht es mitunter ganz schön brutal zu. Inspirationen für seine Songtexte holt sich der Musiker aus Bücher, Zeitungen, Filmen und Alltagsgeschichten, die ihm zu Ohren kommen. Kmet lässt sich von seinen Reisen und manchmal auch von seinen Träumen inspirieren. Gerade in den Träumen, merkt er an, würde es mitunter ja ebenfalls ziemlich brutal zugehen.

Auf die Frage, inwieweit die Geschichten in seinen Songs autobiografische Züge tragen, ob er denn selbst der Hauptdarsteller in seinen Geschichten sei, antwortet der Musiker: "Am interessantesten finde ich es, wenn sich die Hörerin oder der Hörer denkt: Ist er das jetzt? Oder ist er es nicht? Ober bin ich es selbst? Oder ist es der Nachbar?"

Freiheit des Alleinseins

Üblicherweise arbeitet Florian Kmet gerne mit anderen Musikerinnen und Musikern zusammen, die Liste der Kooperationen ist lang und reicht von Wolfgang Mitterer über Franz Hautzinger und Max Nagel bis hin zu Fritz Ostermayer. Dazu kommen die beiden bereits erwähnten Musikprojekte von Kmet, Superlooper, das Trio mit Alexander J. Eberhard und Ludwig Bekic und Lokai, das Duo mit Stefan Nemeth. Für sein erstes Solo-Album hat Kmet nun aber alles selbst gemacht, er hat seine "Electric Songs" selbst geschrieben, selbst gesungen und er hat auch alle Instrumente selbst gespielt. Und auch live wird Florian Kmet alleine die Bühne betreten.

Das gemeinsame Spielen mit anderen Musikerinnen und Musikern würde er sehr schätzen, so Kmet, aber mitunter sei es eben auch eine sehr bereichernde Erfahrung, alle Entscheidungen bis zur letzten Sekunde alleine treffen zu können.

Florian Kmet: "Ich kann live die Reihenfolge verändern, ich kann die improvisatorischen Aspekte ausbauen, ich kann etwas völlig frei spielen. Diese Freiheit des Stils, die ich mir da herausnehmen kann ist mir einfach schon sehr wichtig."

Hör-Tipp
Zeit-Ton, Donnerstag, 22. März 2007, 23:05 Uhr

CD-Tipp
Florian Kmet, Electric Songs, Label: Konkord 019

Veranstaltungs-Tipp
MAK nite, Dienstag, 27. März 2007, 20:00 Uhr,
MAK Säulenhalle, Stubenring 5, 1010 Wien

Links
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