Christoph Schwarz, visuelle Mediengestaltung

Die Technik hat ihn schon immer fasziniert: Christoph Schwarz, Jahrgang 1981, der 2006 an der Angewandten visuelle Mediengestaltung abgeschlossen hat. Zuletzt war der vielseitige Künstler im Rahmen des NÖ. Viertelfestivals mit seiner Sound-Installation "Hybrid Orkestra" vertreten.

"Ich habe schon in meiner Jugend technisch experimentiert. In der Oberstufe habe ich dann mit Freunden bereits Videoclips gedreht und begonnen, den Computer nicht mehr als Spielmedium zu nutzen, sondern als Werkzeug.

Ursprünglich wollte ich nach der Matura Politikwissenschaft studieren und stieß dann eher zufällig auf die Angewandte. Denn ich wollte an keine Filmschule, weil mir das zu speziell in eine Richtung gewesen wäre. Den ersten eigentlichen Kontakt mit Kunst und die erste echte Auseinandersetzung mit ihr hatte ich dann an der Angewandten", erzählt Christoph Schwarz, gebürtiger Wiener, Jahrgang 1981, der im Juni 2006 an der Angewandten das Studium der Visuellen Mediengestaltung bei Karel Dudesek und Thomas Fürstner absolviert hat.

Da der Nachwuchskünstler auch Musik macht und mit Sound arbeiten wollte, war daher die Wahl, an der Angewandten zu studieren, genau die richtige. "Vor allem die ersten beiden Jahre bei Karl Dudesek waren für mich sehr fruchtbar, weil er sehr gut vermittelte, dass Kunstmachen nie aufhört. Er hat versucht, uns auch als Künstler zu formen, etwas Performatives mitzugeben", resümiert Schwarz.

Christoph Schwarz war der dritte der insgesamt vier Nachwuchskünstler, die im Rahmen der Ö1 Kooperation mit der Kunsthalle Krems in der Ö1 Talentebörse vorgestellt wurden.

Provozieren mit gefakten Inhalten

"Die Grundidee ist meist eine Videoarbeit, die ich dann, je nach dem, in welchem Kontext sie zu sehen ist, inszeniere. Inhaltlich arbeite ich meist mit Unklarheiten, mit erfundenen, oft durch die Medien-Rezeption gefakten Sachen. Ein wichtiger Faktor ist, dass mich Humorvolles fasziniert. Denn ich will die Menschen im Sinn von provozieren ärgern", schildert Schwarz seinen Zugang.

"Hybrid Orkestra" beim Viertelfestival

Zuletzt war Christoph Schwarz mit seiner Sound-Installation "Hybrid Orkestra" beim NÖ. Viertelfestival 2010 im Stadtpark Krems vertreten.

Medienskulptur "Generation SMS"

Zu den wichtigen Arbeiten aus jüngerer Zeit zählt die Medienskulptur "Generation SMS" von Christoph Schwarz, die zugleich seine Diplomarbeit war, bei der "Essence 06" an der Angewandten sowie im Wiener Schikaneder gezeigt wurde und dann bei der "Real"-Schau in der Kunsthalle Krems zu sehen war.

"Bei diesem Projekt lesen Pensionistinnen SMS-Texte Jugendlicher. Ich bat Schülerinnen und Schüler, mir ihre spannendsten Texte, die auch die Großeltern verstehen würden, zu geben. Diese habe ich zu Dialogen zusammengestellt, die Lesung gefilmt und als Video auf das Handy gebracht. Die Idee dazu ist, die Sprache heutiger Jugendlicher aus dem Mund der Großelterngeneration zu hören. Das ergibt einen ganz neuen Blickwinkel", erläutert Schwarz.

Mehr zu "The Essence 2006" in oe1.ORF.at

"Rückblickend bin ich sehr glücklich, dass ich diese Arbeit als Medienskulptur umsetzen konnte. Ursprünglich wollte ich dieses Projekt im Rahmen eines Leseabends in einem Altersheim realisieren. Denn in der jetzigen Umsetzung erreiche ich viel mehr Menschen", so der junge Künstler.

Bei "Real"-Schau mit Video "Armes Floh"

"Sagen wir, dieser Jürgen Thomas ist ein tschechischer Popstar. Er ist aber bei weitem nicht so berühmt, wie es dargestellt wird. In Österreich weiß man kaum etwas darüber, was in Tschechien passiert. Das haben wir benutzt, um zu sagen, dass Jürgen Thomas, der aus Prag stammt und den Karel-Gott-Schmäh fährt, zwar bereits in Deutschland und Österreich bekannt ist, es aber nun auch in Tschechien werden will - und umgekehrt für Österreich. In diesem Musik-Video habe ich einen Live-Chat darunter gelegt. Und damit nehme ich eine Ebene vorweg, die sonst nur beim TV dazukommt. In der Schau geht jedenfalls nicht eindeutig hervor, dass es Jürgen Thomas nicht gibt", erläutert Christoph Schwarz schmunzelnd seine Arbeit.

"In Krems wollte ich natürlich nicht nur ein TV-Gerät zeigen, sondern musste etwas inszenieren. So habe ich das Jugendzimmer eines jungen tschechischen Thomas-Fans, den es tatsächlich gibt, nachgebaut", lässt Schwarz die tatsächliche Identität des Künstlers und seines Fans offen.

In Krems zeigte er seine Video-Installationen "Armes Floh", "Notape Inserted" sowie die Medienskulptur "Generation SMS".

Ausstellungen

Seit 2004 war Schwarz bereits mehrfach bei Gruppen-Ausstellungen, wie u.a. "Virtual Frame" in der Kunsthalle Wien sowie bei der Schau der Konzeptkunstklasse der Prager "Academy of Arts, Architecture and Design", wo er ein Auslandssemester absolvierte, in Prag und Berlin vertreten (beide 2004). 2006 zeigte er seine Arbeiten in der Csiga Galerie im Millenáris Park in Budapest.

Zahlreiche Preise und CD-Veröffentlichungen

Das Talent des Jungkünstlers wurde auch schon mehrfach ausgezeichnet: so erhielt er u.a. bei Jugend-Filmfestivals den "Clip" in den Jahren 1997, 1998 sowie 2000. Im Jahr 2000 gewann er zusammen mit Georg Geutebrück den Deutschen Menschrechtsfilmpreis mit dem Video "Commercial Presentation", 2003 war er gemeinsam mit Joe Lucero Österreich-Sieger des EU-Bewerbs "Future of Europe" und 2005 erhielt er den "UTV Video Award" für "Jürgen Thomas - Armes Floh".

Das Multitalent ist aber auch auf dem Musiksektor tätig und hat bereits mit seiner Band Siopao ("das sind philippinische Germknödel") "Nero Burned Aroma Star" (2002) sowie "Exit Glamour" (2004) veröffentlicht.

Mitarbeit bei Wiener Kabelsender "Okto"

Und seit 2007 ist der vielseitige Jungkünstler, der nun aus Interesse an der TU Wien Raumplanung studiert, auch ehrenamtlicher Mitarbeiter beim unabhängigen Sender "Okto.tv" im Wiener Kabelnetz tätig, wo er Redaktion und Screen Design für das wöchentliche Aktivismusformat "Roh" macht.

"Die vertreten Ziele, die ich gutheiße und es ist mir wichtig, für Werte auch wirklich einzutreten", so Schwarz.

Erfolgreich provozieren und davon leben können

Wie lauten die Zukunftswünsche des humorvollen jungen Künstlers?

"Ich möchte die Menschen weiter zum Narren halten können - und damit Geld verdienen, um davon leben zu können. Es ist kein böses Ärgern, sondern ein aufzeigen, dass man bei den Medien nicht alles für bare Münze nehmen soll", so Christoph Schwarz.